"Wir sind Silberberg" als Werbeslogan

Die geplante Einheitsstadt gilt vielen Bürgern bisher als bürokratisches Konstrukt. Das soll sich mit einer Informationskampagne ändern, die auf das Wir-Gefühl setzt.

Aue/Schneeberg.

Vier von fünf Bürgern sind gegen die geplante Einheitsstadt Silberberg. Zugleich fühlen sich nur 15 Prozent der Teilnehmer gut oder sehr gut von der Politik über die Städteehe informiert. Das war das Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage, die die "Freie Presse" vor wenigen Monaten in der Region durchgeführt hatte. Zumindest an letzterem Punkt will man nun rütteln.

Mit einer Informationskampagne sollen die Auer, Schneeberger, Lößnitzer und Bad Schlemaer über die künftige Erzgebirgsmetropole aufgeklärt werden. Dafür haben die Kommunen in diesem Jahr Kosten in Höhe von insgesamt 20.000 Euro eingeplant. Inzwischen ist im Auer Rathaus ein erstes Konzept entwickelt worden - und das setzt auf das Wir-Gefühl.

Im Zentrum steht demnach der Slogan "Wir sind Silberberg". Der Stadtrat Tobias Andrä hat die Idee mit erarbeitet und sagt: "Der Spruch ist eine positive Botschaft für ein Gemeinschaftsprojekt." Bis Ende des Monats soll eine gleichnamige Internetseite an den Start gehen, auf der sich Interessierte über die Hintergründe einer Städteehe und Neuigkeiten informieren können. Die Internetadresse "Wir-sind-Silberberg.de" hat sich die Auer Stadtverwaltung schon gesichert.

Auch ein eigener Auftritt im sozialen Netzwerk Facebook ist geplant, ebenso wie Podiumsdiskussionen, Werbeclips im Kino und eine Plakataktion. Im Zuge der Kampagne werden zudem sogenannte Silberberg-Botschafter gesucht, die sich für eine Einheitsstadt stark machen. Den Anfang macht die Chefin der Auer Stadtwerke, Barbara Neubert. Sie spricht sich öffentlich für Silberberg aus. Es würden künftig Aufgaben auf die Kommunen zukommen, erklärt sie, die man gemeinsam besser bewältigen könne.

"Bisher ist Silberberg für die Bürger ein schwarzer Kasten", sagt Andrä. Es gebe ein großes Informationsdefizit. Andräs Hoffnung: Ändert sich das, steigt vielleicht auch die Zustimmung zu der Städteehe. Ähnlich hatte sich bereits die Auer Stadtsprecherin Jana Hecker geäußert. "Wir haben bisher zu wenig berichtet. Die Erzgebirger mögen keine Veränderung", sagte sie. "Aber Silberberg ist etwas, das negative Änderungen verhindert."

Bis die Werbekampagne richtig ins Rollen kommt, dürfte es trotz erster Ideen noch eine Weile dauern. Der Grund: Die Kampagne ist bisher nicht unter den Stadtchefs abgestimmt. Das sagt der Bad Schlemaer Bürgermeister Jens Müller.

Dass es einen PR-Feldzug geben soll, steht zwar seit Monaten fest. Strittig blieb aber die Frage, wie werblich dieser sein soll. Während sich der Auer Stadtchef und Silberberg-Befürworter Heinrich Kohl wünschte, "engagiert zu informieren", um die Bürger für die Vorzüge einer Städteehe zu begeistern, forderte sein Amtskollege Ingo Seifert aus Schneeberg - der sich bisher zurückhaltend zu einer Fusion äußerte -, "offen und ehrlich" an das Thema ranzugehen. Sprich: Mögliche Nachteile gehören ebenso auf den Tisch wie die Vorteile des Projekts.

Kohl kündigt an, die Kampagne gemeinsam mit Bad Schlema notfalls auch ohne Schneeberg und Lößnitz zu starten. "Dann machen wir das als Befürworter eben allein", sagt er. Beide Städte könnten später aber jederzeit dazukommen.

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