Wismut verfüllt Tagebruch in Bad Schlema

Nach 135 Wochen hat der Bergbausanierer jetzt die Sicherung von Schacht 38 abgeschlossen. Vor fünf Jahren war dort die Straße eingebrochen. Der Vorfall hat sogar Eingang in die Wissenschaft gefunden.

Bad Schlema.

70 Wochen sollte es dauern - ein Großprojekt auf kleinem Raum. Am Ende brauchten die Ingenieure, Bohrtechniker und Betonbauer fast doppelt so lange. In dieser Woche, reichlich zweieinhalb Jahre nach dem offiziellen Baubeginn, meldete die Wismut Vollzug: Der Schacht 38 auf dem Grunertberg in Bad Schlema gilt als gesichert, zum zweiten Mal in seiner Geschichte. Diesmal wohl endgültig.

"Uns ging es nicht darum, schnell fertig zu werden", sagt Olaf Wallner, der das Markscheidewesen des Bergbausanierers im ehemaligen Uranrevier Aue-Hartenstein leitet. "Wir wollten die Verwahrung ordentlich machen. Das haben wir."

Diese Woche wurden die Bauzäune am Grunertberg entfernt und der durch Bohrarbeiten in Mitleidenschaft gezogene Fußweg erneuert. Über die kahlen Stellen am Haldenhügel, unter dem der ehemalige Schacht liegt, wächst im Frühjahr wieder Gras. Von dem Schacht, der hier bis etwa 1970 knapp 600 Meter in die Tiefe führte, ist schon lange nichts mehr zu sehen. Am 28. Dezember 2014 hatte sich das geändert.

Damals gab die Erde unter der Straße am Grunertberg nach. Rechts und links eines Weges taten sich zwei Löcher auf, zehn Meter tief. Etwa 50 Meter unter der Erde war die alte Schachtröhre nachgebröckelt. Die Brocken polterten im Schacht nach unten, während sich immer mehr Gestein aus der Wand löste. Auf diese Weise entstand im Laufe vieler Jahre ein Hohlraum, der nun eingebrochen war. Eine Überraschung, denn 27 Jahre zuvor war der Schacht 38 mit einer Betonplombe verschlossen worden. Er galt seitdem als gesichert. Nun musste die Wismut noch einmal ran. In den zurückliegenden anderthalb Jahren wurde das Gebirge im Bereich des alten Schachts mit Beton stabilisiert.

"Wir haben 106 Bohrungen gesetzt, in die wir eine Mischung aus Wasser und Zement haben fließen lassen", sagt Projektleiterin Susann Krächan. Einige Bohrungen reichen 108 Meter tief, die kürzesten 13 Meter. Ursprünglich sollte der Beton mit hohem Druck in die Löcher gepresst werden. Weil sich herausstellte, dass sich die Masse mit dieser Methode zu weiträumig verteilt hätte, setzte man auf ein sanftes Hineinlaufen und hat nur hier und da mit Druck nachgeholfen. Durch dieses zurückhaltende Vorgehen verlängerte sich die Bauzeit beträchtlich. Andererseits sanken die Kosten im Vergleich zur Hochdruck-Technologie. Unterm Strich haben die Arbeiten zwei Millionen Euro gekostet, sagt Krächan.

Ehe es damals losgehen konnte, musste die Wismut den Wasserspiegel in den gefluteten Gruben im Revier Aue-Hartenstein um 15 Meter senken. Dazu wurde die Pumpleistung der Wasserbehandlungsanlage am Fuß des Hartensteiner Waldes erhöht. Die Absenkung des Wasserstandes sollte verhindern, dass der Beton fortgespült wird. Ein Stollen in 60 Metern Tiefe ist mit Plomben verschlossen worden, damit die ins Gebirge gepumpte Masse nicht wirkungslos in die Gänge läuft.

Falls Archäologen in 1000 Jahren am Grunertberg eine Ausgrabung machen, werden sie auf einen gewaltigen Klumpen stoßen: 3450 Kubikmeter - fast 7000 Tonnen - Beton, die natürliches Gestein zusammenhalten. Die Forscher stehen dann vielleicht vor einem Rätsel, ähnlich wie die Wismut kurz nach dem Tagebruch von 2014.

Der Vorfall hat es aber bereits heute zu wissenschaftlicher Beachtung geschafft. Während des Altbergbaukolloquiums 2017, der größten Bergbaukonferenz im deutschsprachigen Raum, wurde er vorgestellt. "Die Plombe von 1987 saß im sicheren Gebirge, aber weiter unten war das Gebirge nicht so standfest", sagt Markscheider Wallner. "Wir haben daraus gelernt, dass man sich so eine Schachtröhre auch in größeren Tiefen genauer ansehen muss."

Die Wismut selbst hat inzwischen sieben ähnliche Schächte im Grubenfeld Aue-Hartenstein näher untersucht. In vieren wurden Hohlräume entdeckt, die in der Zukunft möglicherweise zu Problemen hätten führen können. Sie wurden gesichert. Drei Schächte werden weiter beobachtet, indem jährlich Videokameras hinuntergelassen werden.

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