Wo ist eigentlich der Bergmann?

Es gibt Typen, die fallen einfach auf. Spätestens dann, wenn sie nicht mehr zu sehen sind. Und so vermissen viele Leute in Schwarzenberg einen ganz bestimmten Mann.

Schwarzenberg.

"Wissen Sie, wo der ältere Herr jetzt ist, der immer in so einer komischen Bergmannstracht herumgelaufen ist?" Diese Frage wurde der Redaktion dieses Jahr etliche Male gestellt.

Und sofort war klar: Die Fragenden konnten nur Garrelt Post meinen. Er ist jener Mann "in dieser komischen Bergmannstracht". Er kam 1995 ins Erzgebirge und verliebte sich nicht nur in die Region, sondern fand hier auch mit Christa Unger seine große Liebe.

Heute sind beide über 80 Jahre und wohnen noch immer zusammen, nur nicht mehr in ihrem Haus an der Eibenstocker Straße, sondern gemeinsam in einem Familienzimmer des Pflegeheims Marienstift in Schwarzenberg. "Wir fühlen uns hier pudelwohl und sind sehr zufrieden", sagt Garrelt Post und setzt dabei sein verschmitztes Lächeln auf, das jeder kennt, der mit ihm ins Gespräch kam - und das dürften Tausende gewesen sein. Denn Garrelt Post suchte stets das Gespräch. Er ist auf die Leute zugegangen, stand stundenlang nahe der Schule und hat sich mit Jugendlichen unterhalten. Und er hat Geschichten erzählt. Zum Teil abenteuerliche Geschichten. Oftmals wusste der Zuhörer nicht, hat er es wirklich erlebt, oder schwärmt er von seinen Träumen?

Wie dem auch sei, für Schwarzenberg war er gern "ein bunter Vogel", wie er selbst sagt. Denn der Weitgereiste ist getrieben von der Vision einer besseren Welt. Einer Welt, in der vor allem die Kinder den Schutz aller Menschen genießen, wie er sagt. Eine Welt, in der überall Frieden herrscht.

Viele Jahre, so erzählt der heute 84-Jährige, habe er in Dortmund als Pfleger im Westfälischen Landeskrankenhaus Dortmund-Aplerbeck gearbeitet, hat sich dort auch ehrenamtlich stark engagiert. Im November 2002 wurde ihm dafür in Dresden das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Er erhielt diese hohe Auszeichnung auf Vorschlag des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen für sein früheres soziales Engagement im Raum Dortmund. Diese Ehrung ist die höchste Anerkennung, die in der Bundesrepublik für Verdienste um das Allgemeinwohl vergeben werden kann.

Garrelt Post, der aufgrund von Problemen mit Knien und einer Muskelschwäche, wie er sagt, mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen ist, war und ist bis heute ein "umtriebiger Gesell" und ein kreativer Geist. Noch immer ist er Mitglied in der Kreativgruppe, liebt es, Dinge zu gestalten. Viele Schwarzenberger kennen sicher seine großen Kulissenteile, die stets für jedermann sichtbar im Hof seines Hauses Gestalt annahmen. Erinnert sei beispielsweise an ein überdimensionales Pferd oder einen Planwagen, mit dem er zum Karnevalszug nach Köln reisen wollte. Er hat gemeinsam mit seiner Frau Christa oft Martinshörnchen an Kinder verteilt, und später eine "Heildienerstube" auf dem Markt eröffnet, um Menschen einen Rückzugsort zu bieten. Auf sein Drängen hin, wurde 2005 in Schwarzenberg auch nach vielen Jahren wieder ein Maibaum aufgestellt. Dass das schon heute nicht mehr mit Musik und Gesang zelebriert werde, stimme ihn jedoch traurig, sagt er. "Es kamen aber immer weniger Leute. Am Vorabend vom 1. Mai gibt es inzwischen so viele Höhenfeuer, dass es die Männer vom Bauhof gerade so schaffen, den Baum aufzustellen", erklärt dazu Rolf Grünert, der heutige EZV-Chef.

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