Wo Papierrollen eine Orgel erklingen lassen

Nur wenige der mechanischen Musikinstrumente der Firma M. Welte & Söhne gibt es noch. Eines davon steht in der Villa Weilbach in Gornsdorf. Es soll restauriert werden.

Gornsdorf.

Welte-Philharmonie-Orgeln waren keine Serieninstrumente. Sie wurden speziell nach Kundenwunsch und der entsprechenden Raumakustik konzipiert und sind damit an den Aufstellungsort gebunden. So auch die Philharmonie-Orgel in den Räumen des Standesamtes der Villa Weilbach in Gornsdorf. Das 1914 erbaute Instrument der Firma M. Welte & Söhne verfügt über 96 Tonstufen, elf klingende Register und sechs Nebenzüge für unterschiedliche dynamische Funktionen. Die Orgel ist etwa 4,5Meter hoch, 2,5 Meter breit, über einen Meter tief und besitzt mehrere hundert Orgelpfeifen. "Welte ist der Rolls-Royce unter den Philharmonie-Orgeln", sagt Kai-Malte Hubert-Weilbach, der Besitzer der Villa.

Doch was diese aufwändigen Orgeln wirklich einzigartig macht, ist die Tatsache, dass sie mittels Papierrolle und einer ausgefeilten Pneumatik eine authentische Wiedergabe zuvor aufgenommener Musikstücke ermöglichen. So genau, dass sogar die persönliche Note der spielenden Organisten wiedergegeben werden kann. Neben dem selbstständigen Spiel der Orgel und dem manuellen Spiel per Hand ist auch noch ein dritter Modus möglich. Bei diesem werden die Register während der automatischen Betätigung der Tasten über die Papierrolle von einer Person bedient.

Als Kai-Malte Hubert-Weilbach und Petra Weilbach 1999 das Haus kauften, wussten sie noch nicht um die Besonderheit dieser in die Wand eingebauten Philharmonie-Orgel. Sie war sogar zugebaut und es mussten die Verkleidungen erst einmal entfernt werden, erinnern sich die beiden 54-Jährigen. Laut Recherchen von Kai-Malte Hubert-Weilbach und den daraus gewonnenen Erkenntnissen ist dieses Exemplar die einzige Philharmonie-Orgel von Welte, die noch an ihrem Originalstandort in Deutschland steht.

Das Ziel der beiden Besitzer ist es, die Orgel in den nächsten Jahren über Spenden und Eigenmittel restaurieren zu lassen. 50.000 Euro würde das mindestens kosten. "Es sind zum Beispiel etliche Pfeifen defekt", deutet Kai-Malte Hubert-Weilbach die Probleme an. Neben der Restaurierung des Instruments müssen auch die Papierrollen kopiert werden. Denn diese könnten beim Gebrauch kaputt gehen.

Bereits jetzt bedeutet der Erhalt der Orgel viel Arbeit: So müssen Kai-Malte Hubert-Weilbach und Petra Weilbach zweimal im Jahr das Eichenholz wachsen, damit es nicht reißt. Laut der Gemeinde wurde die Orgel zuletzt in den 1970er-Jahren gespielt. Für Kai-Malte Hubert-Weilbach soll dies nicht das letzte Mal gewesen sein: "Mein größter Wunsch ist es, nach einer erfolgreichen Restauration wieder Orgelkonzerte geben zu können."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...