"Wühlmaus" ist mehr als ein Laden

Sie ist Geschäft und soziales Projekt in einem. Hier finden Leute mit kleinem Budget schöne Dinge, und Mitarbeiter wieder den Glauben an sich selbst.

Schwarzenberg.

Susan Bauer stöbert gern mal in den Regalen oder an den Kleiderständern in der "Wühlmaus". Und schnell wird die 35-Jährige auch fündig. Ein Röckchen und ein Armband für ihre dreijährige Tochter nimmt sie mit. "Ich schau gern mal hier rein, und finde oft was Hübsches", sagt die junge Frau aus Schwarzenberg-Heide.

Das Geschäft namens "Wühlmaus" ist nicht neu. Das Angebot gibt es schon eine ganze Weile im Schwarzenberger Stadtteil Sonnenleithe. Es funktioniert ganz einfach: Wer etwas besitzt, das er nicht mehr benötigt, was aber viel zu schade für den Müll oder den Lumpensack wäre, der gibt es hier ab. Geld gibt es dafür zwar nicht. Aber das gute Gefühl, dass sich ein anderer darüber freut, weil es ihm nützt und wenig kostet.

Im Gegenzug kann aber auch jedermann in den Angeboten stöbern. Die Auswahl reicht von Kleidung über Schuhe und Bücher bis hin zu Spiel- und Kindersachen. "Gerade Spielsachen gehen gut", sagt Katrin Mitte, die von Seiten der Arbeiterwohlfahrt Erzgebirge das Projekt mit aufgebaut hat. Denn die "Wühlmaus" ist mehr als nur ein Laden, in dem man Schnäppchen machen kann. Es ist ein Projekt der psycho-sozialen Ambulanz. Hier finden Menschen mit chronisch-psychischen Erkrankungen eine neue Aufgabe. Sie erhalten die Möglichkeit, neues Selbstvertrauen zu schöpfen, erklärt Katrin Mitte. Wer beispielsweise über längere Zeit mit Depressionen zu kämpfen hatte, findet über diese stundenweise Tätigkeit, den Kontakt zu anderen und das Gefühl, gebraucht zu werden, wieder zurück in den Arbeitsalltag, heißt es.

"Hier merkt man: Ich schaffe das wieder", sagt Ronny Georgi, der diese Chance für sich nutzt und dankbar ist, sie zu bekommen. Der 38-Jährige arbeitet seit Juni über eine Arbeitsgelegenheit im Geschäft. Ihm macht die Arbeit Spaß. Speziell der Kontakt mit Kunden. Und er sagt: "Wir haben echt gute Waren."

Auch Ulrike Gummelt, die vorher in der Altenpflege tätig war, steht gern hinterm Ladentisch und berät die Kundschaft. Durch die raumhohen, hellen Regale, von der Stadt finanziert, sieht auch alles sehr ordentlich und hochwertig aus. "Die Leute bringen wirklich gute Sachen", sagt die 58-Jährige, die diesen Job als eine Starthilfe begreift.

Vier Mitarbeiter über geförderte Arbeitsgelegenheiten, eine ehrenamtliche Helferin und eine Praktikantin sichern die Öffnungszeiten ab. Und die sind wirklich neu: montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.

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