Wunsch für den Sommer: Acht Grad und Dauerregen

Der Forstbezirk Neudorf blickt auf ein schwieriges Jahr 2019 zurück, das kommende dürfte nicht einfacher werden. Doch es gibt auch positive Nachrichten aus dem Wald.

Neudorf/Rittersgrün.

Es war bezeichnend, was Tobias Hamm im Frühjahr 2019 aussprach: "Seitdem ich hier angefangen habe, bin ich Katastrophenmanager." Das sagte der Gelenauer Revierförster inmitten eines verwüsteten Waldstücks. Jetzt, ein Dreivierteljahr später, liegt die vollständige Bilanz vor, wie 2019 für den gesamten Forstbezirk Neudorf lief, zu dem auch Gebiete im Altkreis Schwarzenberg gehören.

Los ging es mit einem Winter mit kurzen, aber heftigen Nassschneefällen Anfang Januar - zu viel für dieBäume. "Dabei kam es zu den schwersten Schneebrüchen seit 1980, vor allem Nester- oder Einzelbrüche traten auf", erläutert Sachsenforst-Sprecherin Claudia Nixdorf. Das Ergebnis: 80.000 Festmeter Schadholz, das schnellstmöglich aufgearbeitet und verkauft werden musste. "Die Forstrevierleiter sind bei hüfthohem Schnee alle Waldbestände abgelaufen und haben die geschädigten Bäume gekennzeichnet", schildert Claudia Nixdorf.

Zum Schneebruchholz kamen im Frühjahr noch etwa 44.000 Festmeter Käferholz hinzu - der Borkenkäfer saß in den Startlöchern. "Wir Forstleute standen und stehen unter enormem Druck, da jeder liegen gebliebene und nicht aufgearbeitete Stamm Brutstätte für weitere Käfergenerationen ist." Zeitweise arbeiteten bis zu 15 Holzerntemaschinen gleichzeitig in den Landeswaldrevieren des Forstbezirks. Dadurch konnte bis jetzt etwa die Hälfte der Schadfläche bearbeitet werden, rund 9000 Hektar. Doppelt so viel wie in normalen Jahren. So sei es gelungen, schlimmere Schäden zu verhindern.

Allerdings ist die wirtschaftliche Situation schlecht: Durch das hohe Angebot befanden sich die Preise im freien Fall, und das Aufarbeiten von Schadholz ist aufwendiger und damit teurer als die übliche Holzernte. "Eine Besserung ist nicht in Sicht", so Claudia Nixdorf. Im niedrig gelegenen, besonders gebeutelten Revier Gelenau wurden im Frühjahr Waldarbeiter aus allen Revieren konzen-triert. Da ist in diesem Jahr ein Rekord-Schaden von 24.000 Festmetern aufgearbeitet worden, das 1,3-fache des planmäßigen Jahreseinschlags. Trotz aller Mühen konnte die Gefahr nicht gebannt werden, berichtet die Sachsenforst-Sprecherin: "Geht es mit dem Wetter in dieser Form weiter, kann es dort zu einer deutlichen und bedrohlichen Reduzierung der Fichten-Altholzbestände kommen." In den höheren Berglagen seien - bedingt durch dieniedrigere Durchschnittstemperatur und die höhere Feuchtigkeit - die Schäden durch den Borkenkäfer noch beherrschbar.

Für 2020 erwartet der Forstbezirk wenig Gutes. "Durch die letztjährige Massenvermehrung der Borkenkäfer ist die Ausgangssituation denkbar ungünstig." Abhängig von Witterung und Winterschäden wird mit ähnlichen Verhältnissen wie 2019 gerechnet. Auch die Holzmarktsituation werde wohl angespannt bleiben. Dazu droht eine Mäuseplage, die besonders für junge, gepflanzte Bäume gefährlich werden könnte. Und: "Als Folge der Trockenheit der zurückliegenden Jahre bilden die Bäume weniger Samen aus. Es wird weniger Saatgut geerntet. Dadurch bekommen wir in Zukunft zunehmend Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Forstpflanzen für die Wiederaufforstung der entstandenen Kahlflächen und den erforderlichen Waldumbau", beschreibt Claudia Nixdorf.

Bei allen Hiobsbotschaften gibt es sie auch noch, die Mut machenden Nachrichten aus dem Wald. Alle im Wald tätigen Forstleute seien in den vergangenen zwei Jahren über sich hinaus gewachsen, lobt Claudia Nixdorf. "Um die Katastrophe einzudämmen sind so mehr als 1000 Überstunden angefallen." Ohne die professionelle Unterstützung durch private forstliche Dienstleistungsunternehmen wäre die Arbeit nicht zu schaffen. Zudem habe die Situation Bevölkerung und Politiker für den Wald sensibilisiert, sodass auch der Landtag notwendiges Geld zur Verfügung gestellt habe. Nixdorf: "Die Menschen identifizieren sich mit ihrem heimatlichen Wald. Vereine und Privatpersonen haben uns bereits angeboten, uns im Frühjahr mit Pflanzaktionen zu unterstützen. So bekommen wir viel moralische Unterstützung."

Was bleibt, ist ein Wunsch, der nicht jedem gefallen dürfte: "Aus Sicht der Forstleute können wir uns nur einen sturmfreien Winter mit moderaten Schneemengen, ein kühles und verregnetes Frühjahr sowie einen Sommer bei acht Grad und Dauerregen wünschen."

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