Bitte einen Pilz: Fachleute haben Hoffnung noch nicht aufgegeben

Nach dem trockenen Sommer wachsen derzeit kaum Schwamme in den Wäldern. Es gibt aber Lichtblicke - und sogar Sensationsfunde.

Eine prächtige Rotkappe, aufgenommen am Wochenende. Es gibt also auch in diesen Tagen Speisepilze, aber sie machen sich rar.

Für Sie berichtet: Mario Ulbrich

Im ersten Moment habe er gedacht, er sei reich, sagt Reinhard Wiegand. Immerhin sind Trüffelpilze in Feinschmeckerkreisen einiges wert. Bei Gartenarbeiten war der Breitenbrunner vor zwei Wochen zwischen den Wurzeln einer Weißtanne auf eine große Knolle gestoßen. Ein Trüffel, und was für einer.

Hirnförmiger Rasentrüffel, befand der Pilzberater Frank Demmler aus Lauter. "Die Art wurde bisher erst zweimal in Deutschland gefunden. Im Erzgebirge ist dieser Fund besonders bemerkenswert, weil wir nicht die richtigen Böden für solche Trüffel haben. Sie lieben es kalkhaltig."

Der Rasentrüffel gilt als ungenießbar und macht keinen reich, zumal in Deutschland wildwachsende Pilze nicht veräußert werden dürfen, es sei denn, die Untere Naturschutzbehörde hätte ihre Genehmigung erteilt. Ein Sensationsfund ist er dennoch. Einer, der umso mehr hervorsticht, weil sich in diesen Tagen selbst so gewöhnliche Arten wie Schweinsohren rar machen. Quer durch das Erzgebirge berichten Pilzberater, dass sie bislang kaum gefragt waren, um Pilzsammler zu beraten. "Es geht gegen null", sagt Berthold Viehweg aus Rittersgrün.

Die lange Trockenheit hat die Böden austrocknen lassen. Das wirkt sich nun auf die Pilzernte aus. Die Knollen, die ein Sammler pflückt, sind Fruchtkörper. Solange sich das unterirdisch wachsende Myzel nicht erholt hat, ist das Gebilde Pilz wie ein Baum, der nur mickrige Früchte trägt. "Wir wollen keine Panik verbreiten, aber wir haben eine extreme Situation", sagt Viehweg.

So extrem, dass bereits mehrere Pilzausstellungen abgesagt werden mussten, beispielsweise in Zwönitz, Lugau und Olbernhau. Bei einer Pilzberater-Fachtagung am vergangenen Wochenende im Vogtland reagierten die Teilnehmer auf die aktuelle Lage, indem sie einige Exkursionen zur Pilzbestimmung strichen und stattdessen Vorträge ins Programm nahmen. Eine der größten Ausstellungen im Erzgebirge ist für 22. September in der Zwönitzer Agrargenossenschaft geplant. Die Mykologen wollen alles dafür tun, dass sie stattfinden kann, doch mehr als 200 Arten wie im Vorjahr dürften diesmal kaum erreicht werden.

Die Hoffnung aufgeben müsse auch der normale Schwammegeher nicht, sagt die Pilzberaterin Jana Colditz aus Stollberg: "Die ersten Röhrlinge und Rotkappen sind da. Es ist nicht so, dass man in den Wald geht und mit einem Korb voll Speisepilze herauskommt, aber es geht los."

Auch Birkenpilze, Wiesenchampignons, Kremplinge, Porlinge und Ziegenbart werden gefunden. "Auf Nassflächen sieht es gar nicht mal so schlecht aus", sagt der Annaberger Pilzberater Wolfgang Riether. "Auch in Tälern, die nachts sehr kühl sind, gibt es Pilze. Der Tau, der sich am Morgen bildet, hat dort für ausreichend Feuchtigkeit gesorgt."

Um die Schwammesaison noch erfolgreich zu machen, braucht es aber Regen. Viel Regen, da sind sich die Fachleute einig. Am besten drei Wochen lang beständig leichtes Nieseln, sagt Wolfgang Riether. Wenigstens aber ein paar Tage, meint sein Kollege Frank Demmler. Er war in dieser Saison schon recht erfolgreich. Für einen Vortrag letzten Freitag in Burkhardtsgrün hatte er 42 Pilzarten zusammengetragen. Zwei Wochen lang war er dafür in der Region unterwegs. "Wenn man sucht, findet man auch", sagt Demmler.

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