Nachspiel eines Absturzes

Einen Gedenkstein für drei verunglückte deutsche Flieger durfte der Heimatforscher Erich Schäfer nicht aufstellen. Doch nun hilft sein Wissen Angehörigen der Toten.

Nachspiel eines Absturzes

Für Sie berichtet: Mario Ulbrich

Von einem Happy-End zu sprechen, wäre sicher der falsche Zungenschlag, aber Erich Schäfer (70) ist trotzdem froh darüber, wie sich diese Geschichte entwickelt hat. Vor kurzem hat er einen Neffen des im April 1944 am Fuße des Kuhbergs abgestürzten Piloten Horst Fischer getroffen. "Ich konnte ihm viele Details über das Unglück berichten", sagt er. Demnächst steht ein weiteres Treffen an: Die Schwester (74) des Bordfunkers Reinhold Zickermann und dessen Enkelin Frauke Gerlach (42) wollen ebenfalls erfahren, was sich damals am Kuhberg bei Stützengrün zugetragen hat.

"Ich wohne in Wernigerode, aber ich möchte demnächst ins Vogtland ziehen", sagt Frauke Gerlach. "Das ist einfach so ein Gefühl. Ich spüre, dass es mich ins Vogtland zieht. Als ich im Internet nach Beiträgen stöberte, um mehr über die Region zu erfahren, stieß ich auf den Artikel über den Absturz meines Opas im Zweiten Weltkrieg und auf Herrn Schäfers Namen. War es ein Zufall, der mich ins Vogtland zog? Ich glaube nicht an Zufälle."

Die dreiköpfige Besatzung war damals in ihrer Heinkel 111 bei nebligem Wetter gegen den Kuhberg geprallt und abgestürzt. Offenbar war der Pilot zu tief heruntergegangen, um eine Schleife über seinem Heimatdorf Wohlhausen bei Markneukirchen zu fliegen. Alle drei Männer kamen ums Leben. Im Wald lagen Pralinen verstreut, die der Pilot vermutlich für die Kinder in seinem Dorf abwerfen wollte. Erich Schäfer, der aus Hessen stammt und eine Ferienwohnung am Fuß des Kuhbergs besitzt, hat in jahrelangen Recherchen den letzten Flug der He 111 rekonstruiert. An der Absturzstelle wollte er eine Erinnerungstafel anbringen, doch das wurde ihm durch den Staatsbetrieb Sachsenforst nicht erlaubt. Eine Petition an den Sächsischen Landtag änderte daran nichts.

Seine Forschungsergebnisse können nun aber den Nachkommen der Besatzungsmitglieder ein Stück ihrer Familiengeschichte aufhellen. "Wir wussten nur, dass mein Opa im Vogtland abgestürzt ist, die Einzelheiten waren uns unbekannt", sagt Frauke Gerlach. Aber die Angehörigen des Funkers können auch dem Heimatforscher helfen. "Ich hatte alle Familien der Besatzungsmitglieder ausfindig gemacht, nur bei Reinhold Zickermann war mir das nicht gelungen", sagt Schäfer. "Ich habe über 80 Briefe verschickt, in der Hoffnung die richtigen Nachkommen ausfindig zu machen. Nichts. Bis sich Frau Gerlach meldete."

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