Platanen ohne Rinde kein Zeichen für Baumsterben

Ist die lange Trockenheit schuld, oder liegt gar eine Krankheit vor? Fachleute beruhigen: Den schnell wachsenden Bäumen wird einfach ihre Haut zu eng.

Spielplatz am Siedlerweg in Schwarzenberg: Am Stamm der Platane gibt es derzeit nur noch Reste der Rinde.
Gehweg an der Straße der Nationen in Chemnitz: Auch diese Platane entledigt sich ihrer Rinde.

Für Sie berichtet: Frank Nestler

Andreas Friedel, der den Schwarzenberger Stadtbauhof leitet, wird in diesen Wochen immer mal wieder gefragt, ob sich Umweltfrevler an Bäumen, speziell an Platanen, zu schaffen machen. "Die Platanen verlieren gegenwärtig in großen Stücken ihre Rinde. Zum Teil sehen diese Bäume wirklich so aus, als ob da jemand nachgeholfen hätte", erklärt Friedel. Doch er kann beruhigen: "Das ist bei den Platanen ein natürlicher Vorgang. Die Bäume sind nicht krank. Die lange Trockenheit, wie einige vermuten, ist auch nicht die entscheidende Ursache." In der Tat werfen Platanen, wie in einer Artbeschreibung zu lesen ist, in der Regel jedes Jahr ihre Rinde ab - die Jungbäume auch am Stamm, die Altbäume eher im Kronenbereich.

Eltern, die mit Kleinkindern auf dem Spielplatz am Siedlerweg in Schwarzenberg-Heide waren, hatten aber vermutet, dass der dortigen Platane Wasser fehle. "Das Abplatzen der Rinde wird durch die Trockenheit beschleunigt, aber nicht ausgelöst. Der Baum macht trotz des kahlen Stamms noch einen vitalen Eindruck", so Friedel nach einer Begutachtung. "Junge Linden zum Beispiel stecken längere Trockenheit nicht so gut weg." Wassermangel ist Bäumen in der Regel an den Blättern und nicht an der Rinde anzusehen.

Platanen, ohnehin eine schnell wachsende Bauamt, bekamen dank der Niederschläge im Frühjahr noch einen ganz besonderen Wachstumsschub, erklären Fachleute. Ergebnis: Den Bäumen wird ihre Haut zu eng. Die alte fällt ab, neue wächst nach.

Anders liegt der Fall bei einem Laubbaum, der an der Rückseite des Mehrfamilienhauses Siedlerweg 7 in Schwarzenberg steht. Dem wurde offenbar durch einen Dienstleister im Auftrag des Hauseigentümers ein Pflegeschnitt verpasst, den eine Hausbewohnerin als "Verstümmelung" bezeichnet. "Wir haben damit nichts zu tun", so der Bauhofleiter. Ein Anwohner erwägt jetzt, wegen dieses "Baumfrevels", wie er den Vorfall nennt, Anzeige zu erstatten.

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