Tag des offenen Denkmals lockt mit Neuem

Am kommenden Sonntag muss keiner zu Hause sitzen. Fast überall in der Region warten historische Gebäude, Museen, Einrichtungen mit spannenden Offerten auf. Manches wird erstmals präsentiert.

Thomas Helm hat das älteste Haus Eibenstocks gekauft und saniert es. Ende 2020 will er mit seiner Frau Maria und den Kinder Jacob (7), David (5) und Charlotte (1) dort einziehen.
Das gleiche Haus auf einem Foto, das vor etwa 120 Jahren entstanden ist. Davor steht die Familie Fuchs, laut Thomas Helm wurde das Haus von dieser Familie über 100 Jahre lang bewohnt.

Für Sie berichtet: Heike Mann

Auf der Info-Tafel neben der Eingangstür zum Haus Crottenseestraße 9 in Eibenstock steht geschrieben, dass die Umsetzung des Gebäudes an einen geeigneten Standort im Stadtzentrum geplant sei, um seinen Erhalt zu sichern. Ein Plan, der nicht aufging. Jetzt gibt es allerdings eine neue Zukunft für das alte Haus: Thomas Helm will es für sich und seine Familie ausbauen und voraussichtlich in reichlich zwei Jahren darin wohnen.

Helm hat das Haus im Mai 2017 gekauft. Sein Vorbesitzer hatte dafür keine Verwendung mehr. "Dennoch hat er es erhalten, so gut es ging. Es ist schließlich sein Elternhaus. Dem ist zu verdanken, dass es überhaupt noch steht", sagt Thomas Helm. Der 40-jährige Eibenstocker hat sich intensiv mit Holzbauweisen im Auersberggebiet beschäftigt, 2010 hat er dazu das Buch "E Hüttel när aus Holz gebaut" veröffentlicht. Das Haus in der Crottenseestraße darf darin nicht fehlen, schließlich ist es das älteste Haus in der Stadt und wohl das einzige in diesem Baustil erhaltene. Die Untersuchung der Jahresringe des Bauholzes ergab, dass es 1658 gebaut wurde. Durch die Beschäftigung mit der erzgebirgischen Holzbaukultur des 17. Jahrhunderts hat Helm wohl auch seine Liebe zu dem alten Haus entdeckt. Mittlerweile teilt sie auch seine Frau Maria. Beim Gang durchs Haus beschreiben sie ihre Zukunftsvision davon. Und es wird klar: Die fünfköpfige Familie wird sich hier wohlfühlen.

Helms hatten sich schon länger nach einem Haus umgeschaut, in ihrer gemieteten Wohnung wurde es zuletzt zu eng. Die Eibenstocker bekommen eine Förderung übers Leaderprogramm für die Sanierung. Das hat zur Entscheidung für den Hauskauf beigetragen. Was die Sanierung kosten wird, wollen sie nicht sagen, nur so viel: "Es ist nicht mehr, als wenn wir ein Eigenheim gebaut hätten."

Der alte Baustil lässt Thomas Helm schwärmen. Was geht, soll erhalten bleiben, so die originalen Türen, die Größe der Fenster, der Zuschnitt der Räume. Eine Besonderheit ist die Blockstube, früher der einzige beheizte Raum. Die Rußküche hat ihren Namen zurecht, der Qualm hat Balken und Mauerwerk über Jahrzehnte schwarz gefärbt. "Wer das Haus von außen betrachtet, meint vielleicht, es sei klein und mickrig, das ist es aber nicht", sagt der Bauherr. 150 Quadratmeter Fläche werden der Familie zukünftig zur Verfügung stehen für Küche, Bad, Wohnstube und Wirtschaftsraum im Erdgeschoss sowie Schlafzimmer, drei Kinderzimmer und ein Arbeitszimmer im Obergeschoss. "Wir waren überrascht, dass so viele Interesse an unserem Vorhaben gezeigt haben", sagt Maria Helm. Die Eibenstocker wollten Gelegenheit geben, sich das Wohnstallhaus im fast originalen Zustand anzuschauen, bevor die Handwerker anrücken. Deshalb haben sie sich entschieden, beim Tag des offenen Denkmals mitzumachen. Von 14 bis 18 Uhr steht die Tür zu ihrem Haus offen.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals finden Sie auch in der heutigen Beilage "Wohin" sowie morgen auf der Seite 12.

Alte Baldauf-Fabrik, Blaufarbenwerk und Co. - Auch hier lohnt es sich vorbeizuschauen

Ehemalige Baldauf-Fabrik in Marienberg: Besucher können am Sonntag erstmals einen Blick in die denkmalgeschützte Baldauf-Fabrik werfen. Erbaut wurde sie 1895 von den Brüdern Gottlieb Emil und Karl Ludwig Baldauf. Unter der Firmenbezeichnung Gebrüder Baldauf entstand eine der größten Metallknopffabriken Sachsens. Ein erheblicher Teil der Produktionskapazitäten wurde für die Herstellung von Militärknöpfen genutzt. Binnen weniger Jahre avancierte das Unternehmen zum großen Lieferanten der sächsischen Armee. Nach dem Konkurs 1933 und einer zwischenzeitlichen Übernahme wurde die Fabrik von der Großhandelsgesellschaft für Textilwaren genutzt. 1972 folgten Zwangsverstaatlichung und Umbenennung in VEB Knopf- und Metallwaren. Nach der Wiedervereinigung beherbergte das Haus zuletzt eine Ausbildungsstätte für Lehrlinge des Baugewerbes. Die heute baufällige Fabrik wurde von den Stadtwerken Marienberg erworben. Das Unternehmen plant, das Gebäude im Stadtzentrum in eine Wohnanlage mit industriellem Charme umzubauen. Das Millionenprojekt soll nicht vor 2021 fertig sein. (rickh)

Schindlers Blaufarbenwerk in Albernau bei Aue: Das 1649 gegründete Werk stellte aus Kobalterz blaue Farbe für Meißner Porzellan her. Ab 1855 wurde die Fabrikation auf das billigere Ultramarin umgestellt. Aus dieser Zeit stammen die Ultramarinöfen, die erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Das war bisher nicht möglich, weil die Anlage einsturzgefährdet war. Nachdem sie im Sommer gesichert wurde, können Besucher nun einen Blick in die alten Brennöfen werfen, in denen die Rohstoffe eine Woche lang erhitzt wurden, ehe Ultramarinblau herauskam. Auch der Rest der historischen Anlagen ist zu besichtigen. (11 bis 17 Uhr. Zschorlau, Schindlerswerk 9. Zufahrt über Bahnhof Bockau.) (mu)

Heimatmuseum in Hormersdorf: Im ehemaligen Gemeindeamt in Hormersdorf kann am Sonntag das Heimatmuseum besucht werden. Mitglieder des örtlichen Erzgebirgszweigvereins sind vor Ort und laden zu Führungen ein. Eingerichtet ist in dem Museum eine Wohnung wie zu alten Zeiten. In den insgesamt neun Zimmern gibt es eine Menge zu entdecken, darunter "De gute Stub", die Kammer (Schlafzimmer) und eine alte Küche. Hier kann der Besucher viele Geräte bestaunen und erfährt deren besondere erzgebirgische Namen sowie allerlei Interessantes zum Thema Essen und Trinken, kündigt Regine Seifert vom Erzgebirgszweigverein an. (14 bis 18 Uhr, Hormersdorf, Auerbacher Straße 5.) (pl)

Kalköfen in Langenberg: Neben der Grube "Gottes Geschick" steht in Langenberg am Sonntag erstmals das Ensemble der Kalköfen im Mittelpunkt. Diesem technischen Denkmal - Eigentümer ist die Gemeinde - droht der Verfall, wenn nicht gehandelt wird. Nun gibt's die Gelegenheit, "Ein- und Ausblicke" zur Geschichte der Kalköfen vor Ort zu bekommen. Die Interessengemeinschaft Kalköfen hat das vorbereitet. Noch ist es eine sehr kleine Gruppe von Aktivisten um Andreas Peter und Martin Hadyk, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Annegret auch die Sanierung des Huthauses "Gottes Geschick" vorantreibt. Vielleicht werden aber schon am Sonntag aus Interessenten weitere Mitstreiter werden, die sich tatkräftig in den Erhalt des technischen Denkmals Kalköfen einbringen. Für das leibliche Wohl der Besucher wird gesorgt sein. (10 bis 16 Uhr, Langenberg, Zufahrt über Raschau, Mühlstraße.) (stl)

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