Haamitfotograf: Ein Erzgebirger hält seine Welt in Bildern fest

So weit Thomas Beyer die Arbeit auch wegführen mag, so gerne kommt er immer in seine Heimat zurück - auch zum Fotografieren. Nun hat er zwei neue Jahreskalender aufgelegt. Und er bewegt sich künstlerisch auf weiteren Pfaden.

"Ich gehöre zu einer Generation, die noch nicht vor dem Computer saß": Hobbyfotograf Thomas Beyer aus Wiesa kennt sich in seiner Heimat aus und weiß, wo gute Motive zu finden sind.
Die Kirche Wiesa ziert den Monat Februar.
Auch der Seidelsgrund gibt ein tolles Motiv ab.

Für Sie berichtet: Michael Urbach

Thomas Beyer baut Brücken. Das "Tor zum Erzgebirge" etwa, jenes markante Bauwerk, durch das die Bundesstraße 180 von Stollberg aus das Bergland erklimmt. Oder die Strelasundbrücke, deren 128 Meter hoher Pfeiler sich wie eine überdimensionierte Stimmgabel über Stralsund erhebt. Der 47-jährige Wiesaer hat auch an der Sundsvallbrücke mitgewirkt, einem anderthalb Kilometer langen und 23.000 Tonnen schweren Stahlkonstrukt an der schwedischen Ostsee. Nur drei Beispiele von vielen. Schwindelerregende Höhen und spektakuläre Aussichten sind für Thomas Beyer also Alltag. Doch privat mag es der gelernte Zimmermann eher bodenständig, immer wieder freut er sich nach der Arbeit in der Fremde auf seine Heimat. Das spiegelt sich auch in seinem großen Hobby, der Fotografie, wider. "Dr Haamitfotograf" hat jetzt zwei Kalender mit Motiven aus Thermalbad Wiesenbad und Wiesa für 2019 aufgelegt. "Darin sind ganz normale Bilder, die zeigen, wie schön wir es hier haben", sagt Thomas Beyer. Kitschig sollen seine Fotos aber nicht sein: "Das passt nicht zum Erzgebirger."

Und in der Tat bilden seine Fotos die Motive ab, so wie sie auch mit dem Auge zu sehen sind. Von "verphotoshoppen", also übertriebener Bildbearbeitung, etwa um eines spektakulären Himmels willen, hält Thomas Beyer nichts. Die Spanne der schnörkellosen Motive reicht vom verschneiten Wiesa über den frühlingshaften Seidelsgrund über Szenen vom örtlichen Reitturnier bis hin zum sogenannten Schokoladenfelsen.

Dabei schöpft der Familienvater auch aus seiner eigenen Kindheit. "Ich gehöre zu einer Generation, die noch nicht vor dem Computer saß", erzählt der 47-Jährige, "ich kenne hier draußen jede Ecke und jeden Winkel". Auch seine Liebe zu Vögeln trieb ihn immer wieder in die Natur, ursprünglich wollte er Ornithologe werden. Sein langjähriges Hobby Fotografie baute Thomas Beyer Schritt für Schritt aus, vor rund zehn Jahren kaufte er sich seine erste Spiegelreflexkamera. Später erstellte er eine eigene Internetseite inklusive eigenem Logo als "Dr Haamitfototgraf", um seine Bilder zu teilen. Mittlerweile hat der Wiesaer rund 20.000 Fotos auf seinem Computer, rund ein Viertel davon zeigen Erzgebirgsmotive.

Seine Frau Marina brachte ihn schließlich darauf, einen Jahreskalender zu erstellen. Es wurden zwei, für das Jahr 2018. Einer mit Bildern von der Gemeinde, der zweite mit Impressionen der markanten Wiesaer Kirche. Thomas Beyer verkaufte Dutzende Exemplare und erhielt viel Zuspruch.

Sie könne sich dran gewöhnen, sagte eine Nachbarin, dass jedes Jahr so etwas komme. Thomas Beyer ließ sich nicht lange bitten, durchforstete sein umfangreiches Archiv und ging auf Fototour für 2019, um für jeden Monat das passende Bild zu finden. 150 Kalender hat er drucken lassen, die ab Ende August bei Eva Schmidt Haushaltswaren, der Bäckerei Müller und im Frischemarkt Nestler erhältlich sind. Die Wappen der Ortsteile, die sich in den Kalendern wiederfinden und für deren Verwendung er sich im Rathaus die Erlaubnis besorgt hat, verleihen den Druckwerken eine Art offiziellen Charakter.

Doch damit nicht genug. Der Wiesaer hat auch ein ganzes Arsenal an Postkarten aufgelegt, darunter klassische Heimatmotive, aber auch eindrucksvolle Landschaften aus dem Norden oder Nahaufnahmen von Tieren und Pflanzen, versehen mit christlichen Sprüchen oder Gedichtversen.

Thomas Beyer ist Fotograf mit Leib und Seele, so viel ist klar. Aber auch für den emsigsten Knipser erschöpfen sich in einem kleinen Ort einmal die (kalendertauglichen) Motive. "Für 2020 ist noch alles gesichert, danach muss man mal sehen", so Thomas Beyer. Daher widmet er sich jetzt verstärkt der Portraitfotografie.

Aber auch da spielt für den Erzgebirger seine Heimat eine wichtige Rolle: So fotografiert er Menschen am liebsten in der Natur und bindet die Umwelt bewusst in seine Bilder ein. Da harmoniert in einem der Fotos das Moos in einem alten Tunnel perfekt mit dem Grün in den Augen des Models, das an der Wand lehnt. Gleichzeitig weiß der 47-Jährige, dass er im neuen Genre noch viel lernen muss. Neben der Praxis schaut er sich im Internet Lehrvideos an oder liest Fachbücher. Ob aus der Portraitfotografie auch einmal Kalender entstehen, ist noch völlig offen.

Gewiss ist dagegen, dass es Thomas Beyer wieder in die Ferne zieht, in Skandinavien wartet die nächste Brückengroßbaustelle. Und sicher ist auch, dass sich Thomas Beyer dann wieder auf die Rückkehr in sein Erzgebirge freut - eine Heimat voller Kalender- und Postkartenmotive. www.drhaamitfotograf.net

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