Friedhof ist erster Platz für letzte Ruhe

Die Stadt Zwönitz rechnet in Zukunft mit deutlich mehr Sterbefällen. Deshalb stößt der Begräbnisplatz im Zentrum in absehbarer Zeit an seine Kapazitätsgrenze. Ausgerechnet ein Todesfall könnte einen Ausweg bieten.

Friedhofsmeister Lutz Stiehler (links) und Pfarrer Michael Tetzner machen sich Gedanken um den Friedhof in Zwönitz. Dieser soll erweitert werden, weil in absehbarer Zeit der Platz für Begräbnisse fehlt.
Friedhof ist erster Platz für letzte Ruhe

Für Sie berichtet: Jürgen Freitag

Der Besuch eines Friedhofs ist für viele Leute ein Gruselgarant. Geister, Vampire oder Zombies: Wer in seinem Leben ein paar Horrorfilme gesehen hat, weiß, dass einen hier vor allem in der Dunkelheit nichts Gutes erwartet. Michael Tetzner (51) kann über solche Horror-Geschichten nur müde lächeln. "Für mich ist ein Friedhof ein heilsamer Ort", sagt er. "Dort sieht man die Liebe der Menschen für ihre verstorbenen Angehörigen."

Tetzner ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Trinitatis in Zwönitz und blickt von seinem Büro aus jeden Tag auf den Friedhof in der alten Bergstadt. "Das macht mich froh." Er besuche die Begräbnisstätte an der Kirchstraße gern und regelmäßig. "Es hilft einem dabei, sein Leben vom Ende her zu denken", sagt er. Probleme und Nöte würden so manches Mal in anderem Licht erscheinen.

Um die Zukunft "seines" Friedhofs gibt es nun allerdings Sorgen. Denn schon in absehbarer Zeit dürfte dieser zu klein werden. Nach Angaben der Stadtverwaltung Zwönitz werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Sterbefälle erwartet, weil die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit altern. Die ansässigen Pflegeheime führten ebenfalls dazu, dass vermehrt ortsfremde Personen nach Zwönitz ziehen, die später hier sterben.

Tetzner sagt: "Wenn die hohe Belegungsanzahl anhält, brauchen wir mehr Platz, spätestens in zehn Jahren." Zu hören ist aber auch, dass schon jetzt Urnengemeinschaftsanlagen nicht mehr auf einem Grabfeld angelegt werden, da der Platz nicht zur Verfügung steht und freie Flächen für Sargbestattungen vorgehalten werden müssen. Tetzner will das so nicht stehen lassen und erklärt: "Wir können noch alle Bestattungsformen vorhalten."

Langfristig gibt es aber nur eine Lösung: die Erweiterung der etwa 1,3 Hektar großen Fläche. Doch das gestaltet sich schwierig. Im Norden und Süden stößt der Friedhof an Straßen, im Osten an Stellflächen und die Parkanlage am Platz der deutschen Einheit. Im Westen liegt ein Privatgrundstück, auf das eine alte Feldscheune gebaut ist.

Eine missliche Lage, so scheint es, in der nun ausgerechnet ein Todesfall für die Kirchgemeinde zum Glücksfall werden könnte. Denn der Eigentümer des Privatgrundstückes ist kürzlich gestorben. Tetzner hielt für den Zwönitzer die Trauerrede. Nun hofft die Kirchgemeinde, die Fläche im Westen für den Ausbau nutzen zu können.

Tetzner wandte sich deshalb vor kurzem an die Stadtverwaltung mit der Bitte, sich ein besonderes Vorkaufsrecht für das Areal zu sichern. Im Rathaus willigte man ein und erarbeitete eine Satzung, der die Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung zustimmten. Begründung: Nur so lasse sich die Funktionsfähigkeit des Friedhofs der Kirchgemeinde St. Trinitatis sichern. Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) erklärte dazu: "Wenn es der Wille ist zu erweitern, müssen wir tätig werden."

Tetzner hofft, dass es mit den Ausbauplänen nunmehr schon bald zügig vorangeht. Wann genau damit zu rechnen ist, ist allerdings offen.

Dass es in Zwönitz eine sehr hohe Anzahl von Bestattungen gibt, nennt er "eigentlich ein Wunder". Denn in anderen Gemeinden seien die Belegungszahlen zuletzt gesunken. Der Pfarrer führt das darauf zurück, dass mehr und mehr Menschen andere Bestattungsformen wählen, wie die letzte Ruhe auf der grünen Wiese oder auf hoher See. "Doch damit geht die Trauerarbeit verloren", kritisiert er. "Viele Leute wissen nicht, wie wichtig der Friedhof als fester Ort ist."

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