Zeitzeuge besucht einstige Wirkungsstätte

Von 1961 bis 1971 hat Hans-Joachim Müller als Elektriker und technischer Leiter im Sanatorium in Antonshöhe gearbeitet. Nun war der 83-Jährige wieder einmal dort, sah, was aus der Anlage wurde - und erzählte von damals.

Antonshöhe.

Es sind mittlerweile nur noch ältere Semester, die sich aus eigenem Erleben daran erinnern können: Am idyllischen Standort des heutigen Seniorenpflegeheims "Auf dr Höh" in Antonshöhe luden einst ein Kino, ein Tennisplatz und eine Sauna zum Entspannen ein. Zu denen, die das noch wissen und sogar Näheres darüber berichten können, gehört Hans-Joachim Müller. Der mittlerweile 83-Jährige, der heute in einem Seniorenheim in Wolfenbüttel wohnt, war von 1961 bis 1971 als Elektriker und technischer Leiter im Sanatorium in Antonshöhe tätig. Kürzlich besuchte er seine ehemalige Lebens- und Wirkungsstätte erneut und wusste als Zeitzeuge Interessantes zu erzählen.

Bereits 1961 hatte der Mann miterlebt, "wie das Nachtsanatorium, in dem man Bergarbeiter der SDAG Wismut betreute, zum Kneipp- Sanatorium umfunktioniert wurde". Ganzjährig - bis auf eine Reparaturphase jeden Dezember - ging es fortan mit Moorbädern und mit Kalt-Warm-Anwendungen ums Stärken und die Wiederherstellung der Gesundheit - "heute würde man wohl Wellness dazu sagen", so Müller. Reste eines Beckens zum Wassertreten und an den Wänden Mosaikbilder lassen sich hinter dem jetzigen "Snoezel-Raum" für die Pflegeheimbewohner noch erkennen. Und in den Wintergärten, wo jetzt Beratungsgespräche stattfinden? "Da flimmerten damals Filme über die Leinwand - im ersten Breitwandkino des ganzen Bezirks", weiß der Senior zu berichten. Manches ist aber geblieben: Das frühere Küchenleiter-Büro etwa, in dem Müllers Ehefrau Christine als Küchenchefin arbeitete, wird auch im Pflegeheim als solches genutzt. Die alte Rezeption samt Telefonzentrale ähnelte dem aktuellen Erscheinungsbild, die Caféteria, ehemaliger Speisesaal, wurde damals wie heute als Weihnachtsfeier-Örtlichkeit genutzt.

Lange, schneereiche Winter, von denen der Zeitzeuge erzählte, sind - von Ausnahmen abgesehen - noch immer typisch fürs Erzgebirge, weiß Verwaltungsangestellte Katharina Nötzold. Vergangenheit ist dagegen eine Müllersche Erinnerung: "Trotz verschneiter Zufahrtswege gab es frische Semmeln bei uns - aber erst nach kilometerlangen Fußmärschen bis Crandorf und zurück."

Aus den prägenden zehn Jahren, in denen Hans-Joachim Müller mit seiner Frau und zwei Söhnen in Antonshöhe lebte, ist ihm die Begegnung mit dem aus Sosa stammenden Trompeten-Virtuosen Ludwig Güttler in besonderer Erinnerung. Als Schwiegersohn des damaligen Chefarztes Dr. Lobeck übte der Trompeter gern in den Räumen der angrenzenden Kegelbahn, die, wie Müller mit Freude erfuhr, gerade wieder nutzbar gemacht wird. Der Zeitzeuge hatte damals Sätze wie "Bitte üb' doch nicht jetzt in der Mittagszeit" gepredigt. Längst gilt Güttler als weltweit führend unter den Trompetern, "gelohnt hat sich das fleißige Üben also in jedem Fall".

Der beruflichen Zukunft ihrer Kinder zuliebe zogen die Müllers 1971 von Antonshöhe nach Luckau im Spreewald. Der Besuch im Seniorenpflegeheim "Auf dr Höh" der EPG Erzgebirgische Pflege, fast 50 Jahre später, bewegte und bereicherte den Senior. Dank alter Fotos und authentisch geschilderter Erlebnisse bleiben einige Erinnerungen lebendig.


Sanatorium heute Pflegeheim

Im Wald bei Antonshöhe wurde 1952 ein großzügiges Nachtsanatorium für das Betreuen von Wismut-Bergarbeitern eröffnet. Anfang der 1960er-Jahre profilierte man diesen Komplex als Einrichtung des Rates des Bezirkes zum Sanatorium für natürliche Heilweise (Kneipp-Sanatorium) um. Die Hephata gGmbH baute ab 1997 ein Hörgeschädigtenzentrum auf, musste aber später Insolvenz anmelden. Seit 2011 betreibt die EPG Erzgebirgische Pflege gGmbH das Pflegeheim "Auf dr Höh" sowie Betreutes Wohnen. (stl)

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