Zukunft fürs alte Kloster: Wohnen in einem Denkmal

Seit Jahren ist es ein Ziel der Stadt, das historische Areal inmitten von Grünhain zu neuem Leben zu erwecken. Nun wurde wohl ein Weg gefunden, der gangbar erscheint. Mit Hilfe der Bürger und vieler "Klosterbausteine".

Grünhain.

Was vielen Grünhainern seit langem am Herzen liegt, soll nun Wirklichkeit werden: die Wiederbelebung des historischen Klostergeländes in Grünhain.

Das Kloster als solches gibt es nicht mehr, nur noch bauliche Reste, wie die Klostermauer und den Fuchsturm. Das Klosteramtsgebäude aus dem Jahr 1818 steht noch, ebenso wie die Töpferei. Das rund 40.000 Quadratmeter große Klostergelände in Südhanglage ist das Filetstück der Stadt. Diesem Areal neues Leben einzuhauchen, dafür hat die Stadt Grünhain-Beierfeld nun eine Machbarkeitsstudie unter der Überschrift "Eine Stadt in der Stadt" in Auftrag gegeben. Das Ergebnis der Studie wurde jetzt im Stadtrat vorgestellt. Die Stadt selbst hat dafür Anteile der ehemaligen Kurort- und Tourismus GmbH (KMT) erworben und eine eigene GmbH gegründet. Bürgermeister Joachim Rudler (CDU) übernimmt die Rolle des Geschäftsführers. Erklärtes Ziel ist es, aus eigener Kraft und mit möglichst vielen Bürgern der Stadt künftig das Wohnen im Denkmal zu ermöglichen. "Die Grünhainer selbst sollen ihr Kloster zum Leben erwecken", sagt Rudler und ist überzeugt, dass viele genau das wollen.

Geboren wurde die Idee dazu bereits vor gut zwei Jahren. Mit Georg von Nessler von IP-Building aus Leipzig hat Rudler einen versierten Netzwerker ins Boot geholt. Dass Wohnen in einem Denkmal möglich ist, habe sich andernorts schon gezeigt und gilt als Erfolg. Beauftragt mit der Entwicklung eines entsprechenden Konzeptes wurde Toralf Zinner von der Projektentwicklungsgesellschaft Denkmalgut Leipzig. Architekt Heiko Schilling, der ein Büro in Zschopau und eines in Leipzig hat, übernimmt den Part der Projektierung. Die Aufgabe lautete: "Ein Denkmal retten und beleben."

Herausgekommen ist der Plan, mit Wohnungen im sanierten Klosteramtsgebäude und dem Neubau einer zweigliedrigen Wohnanlage auf dem Gelände des Klosters eine Stadt in der Stadt zu etablieren, ohne eine Insellösung zu schaffen. Finanziert werde das ganze über private Investoren. "Es gibt viele Leute, die an Wohneigentum interessiert sind", sagt Rudler. Die geplanten Neubauten im Gelände mit etwa 60Wohnungen (Bausumme 10 Millionen Euro) sollen barrierearm sein und einer sozial-orientierten Nutzung dienen. "Wir wollen unseren Bürgern ein gutes Geschäft vorschlagen", sagt Rudler. Denn über sogenannte Klosterbausteine könne man jetzt Wohneigentum fürs Alter erwerben. Geplant sei ebenso die Entwicklung einer großen Freifläche zum alten Bachbett hin.

Bis Ende 2019 sollen gut 60 Prozent der Vorverträge geschlossen sein. Zeitgleich laufe die Genehmigungsplanung weiter. Jetzt sei genau der richtige Zeitpunkt für solch ein Projekt, sagt Rudler. In den Großstädten explodierten die Mieten, der Trend, vom Land in die Stadt zuziehen, beginnt, sich umzudrehen. Etliche Firmen hätten Interesse, den Fachkräften, die sie suchen, auch eine Wohnmöglichkeit zu bieten. Die Infrastruktur für junge Familien sei in der Region sehr gut, lediglich die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei kritisch. Jedoch liegt das Kloster inmitten der Stadt. Zudem könne man sich eine Belebung durch Veranstaltungen denken. Auch die bessere Erlebbarkeit der archäologischen Schutzgebiete der Klosterruine sei ein Thema. Heißt, auch die Klostermauer, das Außengelände und die musealen Grabungsstätten werden ins Konzept eingebunden. "Wir wollen ein Begegnungszentrum etablieren und Geschichte erlebbar machen", sagt der Bürgermeister, der für das Vorhaben brennt. Noch etwas skeptisch sieht es Stadtrat René Auerswald (Freie Wähler), der einst selbst Bürgermeister von Grünhain war und mehrere Versuche einer Klosterbelebung bereits miterlebt hat. "Doch ich würde mich freuen, wenn das so aufgeht", sagt er.

"Mein Bauchgefühl ist gut. Ich sehe das Vorhaben sehr positiv", meint hingegen Ortsvorsteher Jens Ullmann. Wohnen im Kloster, das sei für ihn eine sinnvolle Sache, eine, die Zukunft hat, weil auch viele Grünhainer im Alter in ihrer Stadt wohnen bleiben wollen, ihre Häuser aber selbst nicht mehr unterhalten können. Nachfragen zum Erwerb der "Klosterbausteine" gibt es bereits. Näheres dazu auch im Internet

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