"Zur Kreis-CDU existieren Differenzen"

Der Auer Stadtrat Tobias Andrä über seine neue politische Heimat und ob eine Rückkehr zur SPD in Frage kommt

Aue.

Mit den Auer Unabhängigen hat der Auer Stadtrat Tobias Andrä (parteilos) jetzt eine neue Fraktion gebildet. Über diesen Schritt, die Entwicklung der City und das Unsicherheitsgefühl einiger Bürger auf dem Postplatz hat sich Redakteur Jürgen Freitag mit dem Lokalpolitiker unterhalten.

"Freie Presse": Sie haben im Auer Stadtrat mit Ihrem Kollegen Thomas Ketzer eine neue Fraktion gebildet, Aldu, die Auer Liste der Unabhängigen. Warum?

Tobias Andrä: Wir wollen eine bürgerliche Alternative sein für die Bürger von Aue und später von Aue-Bad Schlema. Ich sehe uns im Parteispektrum mittig-rechts mit liberalen Zügen. Ketzer ist ein Macher, der die Sicht der Unternehmer in die Fraktion einbringt.

Manche Leute hatten erwartet, dass Sie eines Tages den Weg zur CDU suchen.

Die CDU in Aue hat nur einen Namen: Franz Heinrich Kohl. Er ist ein politischer Fuchs. Ich arbeite respektvoll mit ihm zusammen, aber zur Kreis-CDU existieren unüberbrückbare Differenzen. Dort gibt es unter der aktuellen Führung keinen Platz für kantige politische Köpfe. Mit den Auer Unabhängigen sehe ich hingegen Schnittmengen. Die Chemie stimmt inhaltlich als auch persönlich. Ich stelle mich deshalb voll in den Dienst der Fraktion.

Mit welchen Themen wollen Sie zukünftig punkten?

Unsere Stadt hat mehrere Herausforderungen zu meistern. Die City benötigt eine Renaissance, damit die Bürger nicht nur an leeren Geschäften vorbeilaufen. Die Ungleichentwicklung der Stadtteile schmerzt. Wir haben den Zeller Berg, der auf der Überholspur ist und an Einkaufsläden gewinnt, und wir haben den Eichert, der in der Sackgasse feststeckt. Ein Dauerärgernis bleibt auch die McDonalds-Kreuzung.

Zuletzt löste auch der Postplatz eine Debatte aus, weil sich einige Leute dort nicht sicher fühlen.

Ja, ein einschlägiges Klientel aus Deutschen und Migranten ist dort der Unruheherd. Die Polizei ist bemüht, aber personell ausgezehrt. Der Stadtrat muss selbst die Initiative ergreifen. Videoüberwachung ist ein Baustein.

Sie sagten, Sie wollen auch eine Alternative für die Bad Schlemaer sein. Inwiefern?

Ich bin ein entschiedener Verfechter für eine Fusion. Die Leute wollen doch, dass es in ihrem Ort vorangeht und keinen Stillstand. Unser Ziel: Das Kurbad investiv stärken, um im Konzert der großen Kurbäder in Sachsen den Ton mit anzugeben.

Die Bürgerinitiative "Wir sind Bad Schlema" könnte die Fusionspläne aber womöglich noch kippen. Derzeit läuft ein Gerichtsverfahren.

Ich habe Respekt vor deren Basisarbeit. Aber ich sage auch: Die Mitglieder sollten ihre Energie lieber dafür verwenden, sich parlamentarisch zu betätigen. Wir sollten die Stadtratswahl im Mai zur Abstimmung über die neue Stadt machen. Es ist eindeutig festgestellt worden, dass das Begehren der Initiative Mängel aufweist. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Gericht diese heilt.

Welche Ziele setzen Sie sich für die kommende Kommunalwahl?

Mit der fusionierten Stadt stehen wir vor einer der wichtigsten Legislaturperioden seit 1990. Mein Hauptaugenmerk wird auf der parlamentarischen Arbeit liegen. Das heißt, ich werde nicht als Oberbürgermeister-Kandidat antreten.

Trauen Sie sich einen Sieg nicht zu?

Lieber ein vermeintlicher Knick im Lebenslauf, als ein Knick im Rückgrat. Ich habe seit 2004 so viele Wahlkämpfe geführt und lag politisch schon öfter am Boden. Ich denke einfach, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob das eigene Profil zu dem eines versöhnenden, ausgleichenden Stadtchefs passt.

Und der Ärger über den SPD-Austritt ist inzwischen verflogen?

Ich habe da schon lange meinen Frieden gemacht. Ich war 2015 wegen der ungesteuerten Flüchtlingspolitik ausgetreten. Man kann die Tür für Gäste, die in Not sind, öffnen. Aber man sollte sie, nachdem sie im Haus sind, auch wieder schließen. Wo die Partei jetzt steht, sehen wir ja. Leider.

Eine spätere Rückkehr ist ausgeschlossen?

Ja. Es sei denn, Helmut Schmidt würde wiederauferstehen.

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