"Zwergen"-Familien gehen auf große Tour

Lokführer André Schmidt ist für die Kleinsten in Raschau der Größte. Denn er ist Lokführer von Beruf und redet nicht nur davon.

Raschau/Augustusburg.

Am Bahnhof in Grünstädtel fährt momentan nur gelegentlich mal ein Zug ab. Trubel herrscht dort eher selten. Doch am Samstag, kurz nach 9 Uhr, wimmelte es nur so am Bahnsteig. Der Grund: Die Kindertagesstätte "Zwergenland" aus Raschau, die sich in Trägerschaft der Diakonie befindet, hatte nun schon zum fünften Mal zu einem Familienausflug mit der Eisenbahn eingeladen.

Die Einrichtung hat in André Schmidt einen treuen Unterstützer. Er ist nicht nur als Mitglied der Bürgerinitiative Gemeinderat in Raschau-Markersbach, sondern auch ein Erzgebirger mit großem Herz für die Familien seiner Gemeinde. Bei den Ausflügen mit der Bahn, die die Einrichtung aller zwei, drei oder vier Jahre anbietet, verschmelzen dabei ehrenamtliches Engagement und Beruf.

Torsten Kleditzsch

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André Schmidt ist Lokführer und organisiert in der Hauptverantwortung diese Ausfahrt auf der Schiene. Kita-Leiterin Karin Espig zeichnet indes für das Drumherum verantwortlich. Die Aufgaben reichen von Fahrkartenverkauf bis Platzreservierung. Olaf Merkel, Kurt Räppel und André Schmidt waren als Lokführer im Ehrenamt im Einsatz. "Ich bin Raschauer, bin Ureinwohner und mache so etwas gern. Der Kindergarten, in den ich selbst schon gegangen bin, liegt mir sehr am Herzen", sagt Schmidt. Zur Eisenbahn hat die Kindereinrichtung eine ganz besondere Beziehung. Denn die Bahnstrecke Schwarzenberg - Annaberg führt direkt am Garten der Kita vorbei. Deshalb drückten sich die kleinen Gäste an den Fenstern der Abteile die Nasen platt, als ihr Zug an "ihrem Zwergenland" vorbeirollte.

"Begonnen hat diese Geschichte, als die Mitarbeiter der Bahn ihre Kinder bei uns in der Einrichtung hatten", sagt Karin Espig. Damals reifte die Idee, einen Ausflug mit der Bahn zu machen. Mittlerweile hat es längst den Generationswechsel gegeben. Am Beispiel von Schmidt heißt das, dass heute bereits sein Enkelkind die Einrichtung besucht. "Die Tradition aber soll erhalten bleiben", sagt Espig. Eine Herausforderung: Der Fahrpreis sollte 28 Euro nicht übersteigen. Das aber setzt voraus, dass der Zug auch richtig voll wird. Mit mehr als 230 Fahrgästen hat es funktioniert.

Die fünfte Tour führte zum zweiten Mal nach Augustusburg. "Wir waren aber auch schon in Oederan, Oberwiesenthal und Neuenmarkt-Wirsberg", sagt der heute 52-jährige André Schmidt. Weil es sich um eine echte Familienausfahrt handelt, reisten selbige in "Mannschaftsstärken" von zehn bis 17 Leuten mit. Von Baby bis Uropa war alles dabei.

Die Fahrt nach Erdmannsdorf dauerte nicht ganz zweieinhalb Stunden. In Augustusburg hatten die Familien viel Zeit zur freien Verfügung. "Das Wetter war toll. Viele sind gelaufen, die meisten sind mit der Standseilbahn gefahren. Die Mitarbeiter dort waren sehr zuvorkommend", erzählt Karin Espig. Selbst die Taktung der Standseilbahn wurde aufgrund des Besucheransturms angepasst. 14.20 Uhr ging es mit dem Zug wieder heimwärts. Gegen 16 Uhr rollte er wieder durch Raschau-Markersbach. "Die Fahrt über das große Eisenbahnviadukt war spektakulär", so Espig.

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