3,5-Millionen-Euro-Projekt abgeschlossen

Das Schachtgebäude konnte der ansässige Gewerbebetrieb nicht nutzen, denn die Hinterlassenschaft des Steinkohlenreviers galt als nicht sicher. Das ist nun Geschichte - was allerdings auch seinen Preis hat.

Lugau.

"Wir treffen bei solchen Projekten immer auf Unbekanntes, auf das wir reagieren müssen", sagt Falk Seliger, Projektleiter des Oberbergamtes Freiberg für die Sanierung und sichere Verwahrung des Vertrauenschachtes in Lugau. Das sei die ständige Herausforderung, und dabei komme es auch immer wieder zur Erhöhung der Kosten im Vergleich zum Planansatz. Konkret für das jetzt komplett abgeschlossene Vorhaben in Lugau heißt es eine Verteuerung der geplanten 1,41 Millionen Euro auf weit mehr als das Doppelte - rund 3,5 Millionen Euro.

Grund war zum einen, dass der Schacht aufgrund der Gebirgsverhältnisse wesentlich tiefer als ursprünglich gedacht aufgewältigt und verwahrt werden musste - 26 statt 18 Meter. "Erst in dieser Tiefe gab es im Rotliegendgebirge eine ausreichende Standfestigkeit für den sogenannten Verwahrkörper", sagt Seliger. Zudem war im Schacht viel Handarbeit vonnöten. Denn es wurden unerwartet Stahlbetoneinbauten und zahlreiche Rohrleitungen vorgefunden, sodass für den hydraulischen Schachtgreifer kein Platz war. Es wurde also mit Presslufthammer und Schaufeln gearbeitet. Verteuerungsgrund Nummer 2: der labile Zustand der Haldenstützmauer. Sie musste vollständig abgetragen und neu errichtet werden, ursprünglich sollte ein Teil der Mauer nur saniert werden. Auf einer Länge von 95 Metern musste letztendlich eine Winkelstützwand errichtet werden, die verwendeten Betonfertigteile wurden aus denkmalschutzrechtlichen Gründen mit Klinkern verblendet. Einige vor dem oberen Mauerbereich aufgeschichtete Steine erinnern noch an die ursprüngliche Natursteinmauer.

Mitte Dezember 2018 war mit den ersten Arbeiten zur Verwahrung des Schachtes, der Erneuerung der Stützmauer an der Halde sowie zum Abriss von Gebäuden begonnen worden. Jetzt, so Seliger, erfolgte die "formelle und mängelfreie Abnahme". Finanziert wurde das Projekt über das Programm "Prävention von Risiken des Altbergbaus" der Europäischen Union und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre).

Was genau gehörte zum Projekt? In der Tiefe zwischen 20,5 und 24,5 Metern wurde nach dem Rückbau und der Unterfangung des Schachtmauerwerkes ein konisches Widerlager errichtet. Seliger: "Für den Verwahrungskörper kamen 145 Kubikmeter Beton zum Einsatz." Der aufgewältigte Schachtabschnitt von der Tagesoberfläche wurde bis zum Verwahrungskörper ebenfalls mit Beton verfüllt - wie auch die sich an den Schacht anschließenden und unter dem Gebäude verlaufenden Wetter-, Luft- und Fluchtkanäle." Abschließend wurden der Fußboden sowie das vergrößerte Zugangstor im Schachtgebäude wiederhergestellt.

Zudem wurden übertage baufällige Betriebsgebäude abgerissen und die Haldenoberfläche in Ordnung gebracht. Nachdem wegen des Stützmauerbaus vorrangig Birken gefällt worden waren, wurde im November die Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern abgeschlossen, erklärt Falk Seliger. Gepflanzt habe man Ahorn, Stileiche, Hainbuche und Winterlinde, als Sträucher seien beispielsweise Hundsrose und Schlehe gesetzt worden. 2021 werden die Pflege und der Schutz der Anpflanzung noch durch das Oberbergamt übernommen.

Profiteur des Ganzen ist vor allem Silvio Bach, dem das Schachtareal gehört und der hier seit 2006 seinen Firmensitz hat. Für das Metallbauunternehmen war das Schachtgebäude bislang nicht nutzbar. Künftig will er hier schweres Material lagern und Maschinen abstellen, sagt Bach. Zunächst wolle er aber noch Putz anbringen und eine Decke einbauen - das Material liegt schon bereit. Für Lugaus Bürgermeister Thomas Weikert war genau das von vornherein ein wichtiger Aspekt der Sanierung: die Erhaltung und Weiterentwicklung des Gewerbestandortes. "Die Nutzung ist jetzt risikofrei und langfristig möglich", erklärt Projektleiter Seliger.


Hintergrund

Der Vertrauenschacht gehörte zum Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier und wurde von 1869 bis 1938 als Förder- und dann bis 1971 als Wetter- und Versorgungsschacht genutzt. 1973/74 wurde der 583 Meter tiefe Schacht verfüllt, aus heutiger Sicht aber nicht sicher verwahrt.

Das Sanierungsprojekt Vertrauenschacht gehört zum Vorhaben "Prävention von Risiken des Altbergbaus" der Europäischen Union und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre). Dafür stehen dem Oberbergamt als Projektträger von 2014 bis 2023 insgesamt 52,7 Millionen Euro zur Verfügung. Damit werden in Sachsen zahlreiche Altbergbauprojekte vor allem im Erzgebirge und in den ehemaligen Steinkohlerevieren finanziert. Die Arbeiten werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des Sächsischen Haushalts. (vh)

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