7.15 Uhr beginnt das Chaos an der Schule - Stadt kritisiert Eltern

Mieses Wetter, Zeitdruck, Dunkelheit: Jeden Morgen bringen tausende Menschen in der Region ihre Kinder oft unter Stress zur Grundschule. In Stollberg ist es besonders massiv. Das Problem wäre lösbar, weitet sich aber auf ein ganzes Wohngebiet aus.

Stollberg.

Wenn in der Stollberger Dürer-Grundschule um 7.30 Uhr der Unterricht beginnt, atmen alle auf. Denn ist wieder ein Chaos-Morgen glimpflich ausgegangen. Doch wie lange geht das noch gut? Wann wird das erste Kind verletzt?

Die Situation: Zur Schule gibt es nur eine enge Zufahrt. Wegen Baustellen ist ein weiterer Fußweg für die Kinder dicht, ebenso teils eine Spur der wichtigen Glückauf-Straße. Jeden Morgen drückt sich also Stoßstange an Stoßstange, Eltern von 400 Kindern wollen - und müssen - ihre Kleinen alle zur selben Zeit möglichst nah und wohlbehalten an der Schule abgeben. Es wird gehupt, gedrängelt, geschimpft.

"Schlimmer geht es kaum", so Holger Wachtel, Leiter der staatlichen Grundschule mit 270 Kindern. Er teilt sich das Gebäude mit der International Primary School (IPS), einer Englisch-Privatschule. Diese hat derzeit 124 Kinder, es sollen aber mittelfristig noch zwei weitere Klassen hinzukommen. Damit wird sich das ohnehin schon massive Platzproblem - jeden Morgen gegen 7.15 Uhr - weiter verschärfen. Zwar habe man überlegt, beide Schulen zu unterschiedlichen Zeiten beginnen zu lassen. Allerdings würde dies den fein abgestimmten Stundenplan mit den teils von beiden Schulen genutzten Räumen durcheinanderbringen, so Wachtel.

Die Stadtverwaltung Stollberg hat schon versucht gegenzusteuern. Mit Informationsbriefen an die Eltern, zudem um Verständnis geworben, Gespräche geführt. Aber die teils "haarsträubende Situation" sei weiter da, "verursacht von vielen Eltern", so Stollbergs Ordnungsamtschefin Ina Seibold. So werde auf Gehwegen geparkt, es habe auch schon leichte Zusammenstöße gegeben. Mittlerweile mussten gar Verwarngelder ausgesprochen werden, an manchen Tagen bis zu einem Dutzend - nicht nur morgens, auch am Nachmittag beim Abholen der Kinder aus dem Hort.

Dabei hat die Stadt Parkalternativen angeboten: einen großen Verkehrsübungsplatz, auf dem bis zu 100 Autos Platz finden. Doch bislang wird dies kaum angenommen. Grund: Er lieg nicht vor der Schuleingangstür, sondern etwa fünf bis zehn Wegminuten von der Schule weg. "Es geht um zehn Minuten eher aufstehen, um die Kinder nicht im Verkehrschaos den Tag beginnen zu lassen", appelliert Seibold.

Das sieht auch Gerd Lorenz, der Chef des Verkehrszentrums Stollberger Land so. Sein Verein ist mit sechs Helfern weitläufig in dem Gebiet vor Ort, um Kinder zu beschützen und ihnen den Weg über Straßen zu erleichtern. Doch viele Eltern seien unvernünftig. Dies habe sich auch kürzlich in Oberoelsnitz gezeigt, an der Baustelle nahe der Goethe-Grundschule. Auch dort hätten Eltern oft auf Gehwegen geparkt mit der Folge, dass die Kinder auf die Straße mussten.

Doch das Problem mit der Schule ist nicht das Einzige. Denn mittlerweile hatte sich auch die Wohnungsgenossenschaft Wismut bei der Stadt beschwert, weil nicht nur morgens zu Schulbeginn, sondern auch sonst gerne wild im angrenzenden Wohngebiet geparkt werde. Neben der Schule liegt ein weiterer Grund im gut besuchten Sportpark, keinen Steinwurf von der Schule entfernt. Dort ist ein kleiner Parkplatz für etwa zwei Dutzend Autos. Diesen müssen sich nun Sportler des Fitnessstudios (230 Mitglieder), Besucher der Heimspiele des FC Stollberg (im Schnitt 100 Zuschauer) und die vielen Freizeitsportler im wochentäglichen Trainingsbetrieb teilen. Doch auch für diese Leute ist der Verkehrsübungsplatz am Stadion seitens der Stadt ein Angebot. Doch auch in diesem Fall musste das Ordnungsamt schon mit Knöllchen durchgreifen, weil die Leute lieber näher am Vereinsgebäude parkten - oder gar auf den Behindertenstellplätzen. Seibold: "Dabei ist der Verkehrsübungsplatz nur 100 Meter entfernt. Das können die Sportler bestimmt hoch laufen."

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2Kommentare
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  • 1
    0
    TheBeastFromTheEast
    08.12.2016

    Mit dem Schild "Anlieger frei" ist nicht gewonnen. "Anlieger sind Personen ?[?], die mit Bewohnern oder Grundstückseigentümern in eine Beziehung treten wollen. Dabei ist es unerheblich, ob diese Beziehung zustande kommt; die Absicht ist ausreichend. Erkennt der Anlieger bei Vorbeifahrt am betreffenden Grundstück (was auch eine Baustelle mit Bauarbeitern sein kann), dass der Gesuchte nicht erreichbar ist, kann er ohne anzuhalten weiterfahren und bleibt Anlieger. Selbst unerwünschte Besucher eines Anliegers sind zum Einfahren berechtigt. "(BayObLG VRS 33, 457) Warum Kinder von ihren Eltern zur Schule chauffiert werden müssen, verstehe ich allerdings auch nicht. Verkehrserziehung soll die Kinder doch sicher und mobil machen ?

  • 3
    0
    maxmeiner
    04.12.2016

    Warum stellt die Stadt dann kein Schild auf "Anlieger frei"? Das würde der Stadt bei Kontrollen ordentlich Geld einbringen. Wenn die Strafe deutlich höher liegt, als die öffentliche Personenbeförderung, setzt vielleicht der natürliche Denkprozess bei den Eltern wieder ein - wenn das Gluckengehabe zu teuer wird. Können die Kleinen nicht mehr selbst laufen? Da wird es schon klar, warum es so viele kleine gut genährte Kinder gibt, die lieber am Smartphone hängen, statt mal 2-3km zur Schule zu laufen. Ich durfte 1968 5km zur Schule laufen, meine Mutter täglich von Oelsnitz bis Stollberg zur Arbeit - und wir haben überlebt. Wieso fahren diese verdrehten Eltern ihren Nachwuchs nicht gleich bis ins Klassenzimmer - und warten dort im Flur mit dem Auto bis Schulende? Da ist es schon ein Wunder, daß die Dummheit und Ignoranz der Eltern (den Anwohnern gegenüber) nicht auch auf ihre Kinder überspringt.



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