Abora-Team will auf Schloss Hoheneck ankern

Das ehemalige Frauengefängnis könnte ab 2018 in ungeahnter Weise an Attraktivität gewinnen. Auch daher weilte der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz in Stollberg.

Stollberg.

Bekannt ist Dominique Görlitz vor allem durch seine Abora-Schilfboot-Expeditionen über das Mittelmeer und den Nordatlantik. In die Schlagzeilen geraten ist er jüngst auch durch die Entnahme von Proben aus der Königskammer der ägyptischen Cheops-Pyramide. Jetzt soll der streitbare Forscher eine Heimat auf Schloss Hoheneck bekommen, wie Oberbürgermeister Marcel Schmidt bestätigt: "Voraussichtlich ab 2018 sollen auf einer Etage seine Forschungsergebnisse in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden." Zum Auftakt der geplanten Zusammenarbeit gab es am Donnerstag im "Dürer" den Diavortrag "Das Eisen der Pharaonen". Genau durch diese Forschungsarbeit ist Görlitz ins Zwielicht geraten. Zu Unrecht, wie er selbst betont.

Die Story: Im April 2013 hat Görlitz zusammen mit dem Amateur-Archäologen Stefan Erdmann Proben aus der Cheops-Pyramide entnommen. Erdmann waren regelmäßig wiederkehrende dunkle Verfärbungen an der Decke der Königskammer aufgefallen, für die es keine Erklärung gab. "Wir wollten die chemische Natur identifizieren", so Görlitz. Also sollten die Proben in Dresden untersucht werden. Görlitz betont, dass vorab sämtliche behördliche Genehmigungen vorgelegen haben, und dass es um Entnahmen im Milligrammbereich ging. Er bedauert: "Leider ist diese Geschichte zu einem der größten Skandale der neueren Zeit geworden." Im Herbst 2014 kam es zum Prozess in Kairo, in dem Görlitz in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Dennoch gab es für die Forscher einen durchschlagenden Erfolg: Die chemische Analyse hat ergeben, dass die Verfärbungen durch Eisen entstanden sind, und das während der Bauzeit der Pyramiden. Archäologisch eigentlich eine Sensation, denn die Pyramide wurde um 2600 v. Chr. errichtet - also in der Bronzezeit, als es Eisen aus offizieller wissenschaftlicher Sicht noch gar nicht gab.


Doch Dominique Görlitz ist nicht auf Pyramiden fixiert. Er selbst sieht sich als Cosmopolit, der in verschiedenen Wissenschaften zu Hause ist und theoretische Annahmen experimentell überprüft. Zu diesen Praxistests gehörten auch die Schilfboote Abora I bis III mit denen Görlitz nachweisen wollte, dass transatlantische Seefahrt weit vor Christoph Kolumbus stattfand. Ausstellen lassen sich diese Boote in Hoheneck nicht mehr: Das neueste, die Abora III, ist nach 56 Tagen auf hoher See gesunken. Doch Görlitz findet den Standort Hoheneck für seinen umfangreichen wissenschaftlichen Fundus besonders reizvoll: "Mir gefällt, dass es ein historisches Gebäude ist, und durch die anderen Angebote, die im Schloss untergebracht werden sollen, profitieren am Ende alle Seiten." Und so sinniert er sogar: "Eine Replik der Abora könnte für die Ausstellung vielleicht angefertigt werden."

Bei den rund zwei Dutzend Besuchern ist Görlitz mit seinem lebhaften Bericht bestens angekommen. So bekennt der 32-jährige Andreas Kramer: "Ich bin schon überrascht, dass eine Zusammenarbeit mit Schloss geplant ist. Das ist auf jeden Fall etwas Positives." Da Kramer derzeit eine berufsbegleitende Umschulung zum Erzieher macht, denkt er auch in diese Richtung weiter: "Die Ausstellung wäre ja nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder sehr spannend und interessant."

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    SapereAude
    07.06.2016

    Der wissenschaftliche Mehrheit dieser "Forschungsergebnisse" tendiert gegen Null. Der Mann hat noch nie irgenwelche seiner abstrusen Thesen bewiesen. Das Einzige, was erzeugt wird, ist mediale Aufmerksamkeit, um dadurch Geld verdienen zu können. Mit seriöser wissenschaftlicher Arbeit hat das nichts zu tun!



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