Abwasser: Bürgermeister macht Druck auf Verband und Bürger

In Burkhardtsdorf sollen 2,6 Kilometer Strecke eine Druckentwässerung bekommen. Eine Variante, die niemanden schmeckt. Doch gibt es Alternativen?

Burkhardtsdorf.

Es ist schon viel über die Abwasserbeseitigung an der Oberen Hauptstraße und am Kirchsteig geredet worden. Offenbar muss in Burkhardtsdorf aber noch weiter gesprochen werden. Denn die Standpunkte klaffen nach wie vor weit auseinander. Hier der Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW), der eine Druckentwässerung ausgeschrieben hat; dort die Bürger, die sich ein Freigefälle wünschen. Am Montag sind diese Standpunkte während der Ratssitzung erneut aufeinandergeprallt. Mehr als 50 Bürger hatten sich wegen des Themas im Mehrzweckraum der Sporthalle eingefunden.

André Clauß, der Bereichsleiter Abwasser, stellte erneut verschiedene Varianten vor. Erstmals verkündete er in großer Runde, dass die von den Bürgern gewünschte Freigefälle-Leitung finanziell kaum darstellbar sei. Koste den ZWW die Druckentwässerung rund 1,66 Millionen Euro, so schlüge das Freigefälle mit mehr als doppelt so viel zu Buche. "Wir haben es uns daher bisher nicht getraut, diese Variante vorzustellen", sagt Clauß. Pro Grundstück sei mit 25.000 Euro zu kalkulieren. Bei der Druckentwässerung seien es lediglich 6000 Euro. Ursächlich für diesen Unterschied ist laut ZWW-Geschäftsführer Frank Kippig das geringe Gefälle, das lediglich bei 0,8 Prozent liege, und ein Gewirr an anderen Leitungen in der Straße, die für ein Freigefälle aufwendig verlegt werden müssten. Technisch möglich, wirtschaftlich nicht darstellbar, so sein Fazit. Zudem verlängerte sich die Bauzeit auf bis zu drei Jahre.

Rosemarie Keller, die den Bürgerprotest organisiert, zeigte sich unversöhnlich: "Ich habe diesen Vortrag nun schon zum vierten Mal gehört. Ich habe heute von Ihnen nur 'geht nicht' gehört. Sie fordern, dass wir solidarisch sein sollen, solidarisch ist das aber nur für den ZWW." Eine Einschätzung, der Kippig widerspricht. Zwar kämen bei der Druckentwässerung Kosten auf die Bürger zu, aber auch für den ZWW sei das Vorhaben nicht lukrativ. Michael Kaiser, der sich als Sprecher der betroffenen Bürger vorstellte, spielt die Gerechtigkeitskarte. Er will ausgerechnet haben, dass die Anrainer mit Blick auf Betriebs- und Wartungskosten der Pumpstationen auf 60 Jahre gerechnet 500 Euro pro Jahr schlechter stünden als andere Abwasserkunden.

Der scheidende Bürgermeister Thomas Probst nahm beide Seiten in die Pflicht. Der Verband solle alle Möglichkeiten prüfen, die Kosten zu senken. Die Bürger wiederum vergatterte er dazu, sich bis kommenden Montag, 12 Uhr, gegenüber dem Rathaus zu erklären und Verhandlungsführer zu nennen, die die Unterstützung von 95 Prozent der betroffenen Anwohner vorweisen könnten. Dann solle der von Keller vorgeschlagene Arbeitskreis gegründet werden. Die Bürger könnten dadurch "ganz transparent" nachvollziehen, wie die Kosten zustande kämen und sich für eine Variante entscheiden. Er selbst wolle prüfen, ob zusätzliche Fördergelder akquiriert oder Sponsoringgelder von Eurofoam genutzt werden könnten. Das brachte ihm zwar Zwischenapplaus ein, doch so einfach ist es nicht. "Fördergelder hängen immer an Kriterien. Eines ist immer Wirtschaftlichkeit", weiß Kippig.

Am Tag nach der Versammlung wusste Rosemarie Keller nicht so recht, was sie von der Versammlung und dem Ultimatum zu halten hatte: "Wir warten ab, was auf dem Zettel steht, den wir ans Rathaus zurückschicken sollen." Kippig sieht es pragmatisch. Schließlich lasse es sich mit ausgewählten Bürgervertretern besser verhandeln als mit einer großen Gruppe. Bis Anfang/Mitte April will Kippig eine Lösung. Dann entscheidet der ZWW über die Auftragsvergabe. Es bleibt also Zeit zum Reden. "Wenn die Diskussionen noch lange dauern, ziehen wir uns zurück. Dann gibt es eben vollbiologische Kleinkläranlagen für alle", stellt Kippig klar.


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