Aktion "Dankeschön-Stollen": Wer hat 2020 seinen Mitmenschen besonders geholfen?

Zuhause wie in der Firma spielen Traditionen bei Heiko Schmidt eine Rolle. Der Obermeister der Bäckerinnung Stollberg liebt sein Handwerk, aber Papierberge machen ihn mehr als wütend.

Gornsdorf.

Diese Tradition bleibt. Bei Bäckermeister Heiko Schmidt in Gornsdorf wird am ersten Weihnachtsfeiertag früh ein Butterstollen angeschnitten. "Darauf achtet schon meine Lebensgefährtin", sagt der 55-Jährige. Was natürlich nicht bedeute, dass im Laden kein Stollen unters Messer kommt. Denn dort duftet es in diesen Tagen verführerisch nach Weihnachten, in der Auslage reihen sich Pfefferkuchen und Weihnachtsgebäck aneinander. Den Stollen gibt es in verschiedenen Varianten. Wobei, Heiko Schmidt schwört auf den Butterstollen: "Warum soll ich was zweimal erfinden?"

Seit sechs Jahren ist der Gornsdorfer Obermeister der Bäckerinnung Stollberg. Dem 1990 wiedergegründeten Verbund gehören seit gut zehn Jahren 25 Betriebe der Region an. "Gerade in dieser schwierigen Zeit ist es für uns von Vorteil, wenn wir uns austauschen können." Ob es um die gesetzlichen Vorschriften während Pandemie oder das leidige Thema Bonpflicht gehe, sagt Heiko Schmidt. Fürs Umstellen des Kassensystems hatte Heiko Schmidt zu Jahresbeginn investiert. Und ärgert sich, so wie ein Großteil seiner Berufskollegen. Wortlos präsentiert er einen Stapelbehälter - bis zum Rand gefüllt mit Kassenbons, der Abfall eines Tages: "Es geht ums Papier. Ich bin überzeugt, das Thema kocht im neuen Jahr noch mal hoch."

2020 sei ein schweres Jahr, schätzt der Bäckermeister ein. Hauptsächlich deswegen, weil für viele Bäcker wichtige Liefergeschäfte weggebrochen sind. Nicht einmal im Sommer sei beispielsweise der Verkauf an Gaststätten annähernd so gelaufen wie davor. "Im Laden merkt man das nicht so. Maximal beim Frühstücksgeschäft. Aber Kollegen, die ein Café angeschlossen haben, für die ist es schwer." Heiko Schmidt, der seine Bäckerei in vierter Generation führt, hatte für sich entschieden, sich den Sonntag freizuhalten. "Sonst müssen wir sieben Tage die Woche arbeiten", lautet seine Begründung.

1883 hatte Bruno Schmidt, der Urgroßvater des jetzigen Firmenchefs die Bäckerei in Gornsdorf gegründet, die Familie war dafür von Zschopau an die Zwönitz gezogen. Es sei vorgegeben gewesen, dass auch er Bäcker werde, antwortet Heiko Schmidt auf die Frage, warum er sich für diesen Handwerksberuf entschieden hatte. Im Januar werden es inzwischen 20 Jahre, die er den Betrieb, mit Filialen in Thalheim und Stollberg, selbst führt. Verantwortung trägt der 55-Jährige für 20 Mitarbeiter - Bäcker und Verkäuferinnen. Bekannt und ausgezeichnet als Ausbildungsbetrieb gibt es in diesem Jahr in der Bäckerei aber erstmals keinen Lehrling. Schmidts Begründung: "Die Bewerber werden zunehmend leistungsschwächer. Es ist schon immer ein Auf und Ab: Brummt die Industrie, wird es für Handwerker schwerer, Nachwuchs zu finden. Aber wer das Familiäre schätzt, den können wir halten. Hier in der Backstube ist seit Jahren kein Wechsel."

Mit gut 20 Hausbäckern rechnet Bäckermeister Heiko Schmidt in den nächsten Tagen: "Dass die Leute hier die Stollen nach eigenem Rezept backen lassen können, sehe ich als Service. Sie bringen ihre Zutaten in den Laden, wir geben Mehl, Butter, Salz und Hefe dazu und fertigen den Teig für die fünf bis zwölf Stollen pro Hausbäcker, die dann hier gebacken werden." Bäckermeister Heiko Schmidt ist wichtig, diese Tradition zu bewahren.

Aktion: Mit einem Dankeschön-Stollen möchte die "Freie Presse" im Advent diejenigen überraschen, die sich um das Wohl ihrer Mitmenschen verdient gemacht haben. Es sollen insbesondere Frauen und Männer geehrt werden, die im Erzgebirge zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie in ihrer täglichen Arbeit erheblich mehr geleistet haben, als normalerweise von ihnen gefordert ist. Vorschläge nimmt die Lokalredaktion per Mail unter red.stollberg@freiepresse.de und unter Telefon 03733 141-13141 entgegen. Wir bitten darum, eine kurze Begründung fürs Dankeschön und eine Telefonnummer als Kontakt mitzuschicken.

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