Alte Bahngleise in Lugau: Schüler sammeln Ideen für Erlebnisweg

Die frühere Bahnlinie in Richtung Oelsnitz wird wohl keinen Zug mehr erleben. Zeit also, sich Gedanken zu machen, was mit den brach liegenden Schienen passieren kann. Mitmachen kann jeder.

Lugau.

Die Natur schlägt ins Gesicht. "Ziemlich zugewuchert", finden die Schüler des Carl-von-Bach-Gymnasiums Stollberg, ist die Bahnlinie zwischen Lugau und Neuoelsnitz. Immer wieder müssen sie sich bücken, als sie an diesem Montagmorgen über die alten Gleise laufen. Beschwerlich ist der Weg über Schwellen und Schottersteine. "Nichts für alte Leute", sagt Alisia Schulze und meint das gar nicht diskriminierend. Denn die Strecke zwischen dem früheren Lugauer Bahnhof und Oelsnitz, die vor sich hin schlummert, soll wiederbelebt werden. Das ist das Ziel der Kultur-AG am Bach-Gymnasium. Doch was dieser sogenannte Erlebnisweg eines Tages genau bieten soll, das ist derzeit noch völlig offen.

"Wir sammeln Ideen", sagt Viola Lippold. Die Kunstlehrerin am Stollberger Gymnasium verbringt in dieser Woche mit elf Schülern einen Großteil des Tages im Bahnwärterhäuschen. Dort, über die Holztreppe nach oben ins erste Geschoss, auf alten Dielen und vor abblätterndem Putz ist eine kreative Atmosphäre entstanden, in der die Schüler auch mal spinnen dürfen. Wie müsste der Weg gestaltet sein, dass er Leute anzieht? Muss es zwingend ein betonierter Radweg sein? Wie kann die Bahngeschichte sichtbar bleiben? Können Kunstobjekte der Schüler, die mit etwas Muße noch in dieser Woche entstehen, vielleicht einst den Weg säumen? Wie passend, dass die Schüler, überwiegend Achtklässler, gestern bei ihrem Weg über die Gleise schon mal ein paar Bierdeckel gesammelt haben, die im Schotter vor sich hin moderten.

Das Bahnwärterhäuschen, das sich in privatem Besitz befindet, ist für Viola Lippold dabei eine Art Schnittpunkt. "Bis hierhin ist ja alles gut in der Spur", sagt die Lehrerin und blickt aus dem Fenster in Richtung Ursprung, über den Park mit glatt geteerten Wegen. In die andere Richtung dagegen, nach Oelsnitz hin, hat sich die Natur zurückgekämpft. Deshalb, und vor allem um die Lugauer Bürger und andere Interessierte einzubinden, dient das Bahnwärterhäuschen nun für ein Jahr als Projektbüro (siehe Kasten). Unterstützt werden Viola Lippold und die Schüler nach wie vor von der Stadt Lugau. Schon beim Bahnhofsgebäude, das voriges Jahr zum Tag des offenen Denkmals geöffnet war, waren Lippolds Schüler dabei. Diese gute Zusammenarbeit, sagt Bürgermeister Thomas Weikert (Die Linke), soll fortgesetzt werden. "Für uns als Stadt ist das Interessante an solchen Projekten, dass dadurch öffentliches Interesse geweckt wird und die Bevölkerung dazu ins Gespräch kommt. Die Meinungen zum Für und Wider nehmen wir dann auf und entscheiden, ob wir ein Projekt weiterentwickeln sollen, oder ob es womöglich für eine gut gemeinte Idee keine Nachfrage gibt."

Um die Ideen in Bahnen zu lenken, aber auch gleich auf ihre Umsetzbarkeit abzuklopfen, hat Viola Lippold Christoph Roßner mit ins Boot geholt. Der Künstler aus Bad Schlema beschäftigt sich sonst mit Objektinstallationen und Holzskulpturen und schätzt die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten: "Die sind meist kreativer als wir Erwachsene." Das bedeutet aber nicht, dass sie naiver sind. Alisia Schulze und Victoria Walther aus der zehnten Klasse haben schon beim Tag des offenen Denkmals und bei der Weihnachtsinstallation im Bahnhofsgebäude mitgemacht. Sie bleiben realistisch: "Wir müssen vor allem etwas finden, das lange hält."


Ideen sammeln und tauschen

Das Bahnwärterhäuschen am früheren Lugauer Bahnhof (das Gebäude mit der Aufschrift Lugau-Mitte) dient ab sofort für ein Jahr als Projektbüro.

Noch bis einschließlich Donnerstag sind die Schüler der Kultur-AG täglich von 9 bis 15 Uhr dort anzutreffen.

Danach ist das Projektbüro jeden ersten Donnerstag im Monat von

16 bis 18 Uhr besetzt.

Ziel ist es, dass möglichst viele Bürger dort hinkommen und sich mit ihren Ideen zur Umgestaltung des Bahnhofs einbringen. (kan)

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