"Alte Dame" dampft wie eh und je

Bis Ende des Jahres ist das Bergbaumuseum Oelsnitz einer der Standorte der 4. Sächsischen Landesausstellung. Bis dahin stellt "Freie Presse" jeden Monat ein Exponat vor, das jeweils stellvertretend für einen Ausstellungsbereich der Sonderschau "KohleBoom" steht. Heute: die Zwillingsdampf-Fördermaschine.

Oelsnitz.

Beim Objekt des Monats handelt es sich um die "alte Dame" des Hauses, die liegende Zwillingsdampffördermaschine. Ausgesucht wurde sie von der Mitarbeiterin Deborah Weise, weil der September im Bergbaumuseum unter dem Motto "Es dampft!" steht: Am 20. September findet der 12. Dampftag statt.

Als größtes funktionstüchtiges Exemplar ihrer Art in Sachsen zieht die Zwillingsdampffördermaschine von 1923 immer wieder Technikliebhaber in die ehemaligen Übertageanlagen des Karl-Liebknecht-Schachtes (davor: Kaiserin-Augusta-Schacht). Die 1500 Pferdestärken der Maschine kamen das erste Mal 1923 zum Einsatz, nicht jedoch im Maschinenhaus des Kaiserin-Augusta-Schachtes, in dem sie heute zu sehen ist. "Ursprünglich war sie auf der Betriebsabteilung Vereinigtfeld der damaligen Gewerkschaft Gottes Segen, im benachbarten Hohndorf, untergebracht und verrichtete dort neun Jahre ihren Dienst", erklärt Deborah Weise. Hersteller war die Gutehoffnungshütte Oberhausen AG - Abteilung Maschinenbau Sterkrade im Ruhrgebiet.

Weil die noch vorhandenen Steinkohlevorkommen unter Hohndorf unrentabel waren, habe sich das Unternehmen Gottes Segen entschieden, die Schächte Vereinigtfeld I und III 1931 stillzulegen. Weise: "Die genaue Art der Verbringung der in ihre Bestandteile zerlegten Dampfmaschine ist nicht überliefert. Sehr wahrscheinlich wurden sie jedoch mit der Bahn nach Neuoelsnitz auf Kaiserin-Augusta transportiert." Sicher sei, dass die Dampfmaschine vor ihrer Umsetzung 1933 vom Hersteller, der Gutehoffnungshütte in Sterkrade, noch einmal überholt wurde.

Die auf Kaiserin-Augusta bereits vorhandene, elektrische Turmförderanlage reichte für den geplanten Ausbau und die Konzentration der Förderung auf das Werk nicht aus, so Weise. So sei der Wiederaufbau der Dampfmaschine in einem neu errichteten Maschinenhaus veranlasst worden. Der Architekt des Gebäudes war der Lichtensteiner Paul Beckert.

Mit Energie versorgt wurde die wiederaufgebaute Dampfmaschine ab 1937 vom werkseigenen Kraftwerk, in dessen ehemaliger Generatorenhalle noch heute die Lehrschwimmanlage zu finden ist. Die zweite Förderanlage diente sowohl der Material- als auch der Mannschafts(be)förderung und lief bis zur Einstellung des Steinkohlenbergbaus zu Beginn der 1970er. Interessant ist laut Weise, dass zunächst in Erwägung gezogen wurde, die Dampfmaschine zu verschrotten. Und das, obwohl es bereits vor Ende der Förderung weitreichende Pläne für ein Museum des sächsischen Steinkohlenbergbaus gab. "Der Gedanke dahinter war, die beiden Etagen des Fördermaschinenhauses für museale Zwecke umzunutzen." Glücklicherweise seien diese Überlegungen jedoch nicht zum Tragen gekommen.

Nachdem die Maschine seit der Museumseröffnung 1986 mehr als 30 Jahre regelmäßig in Vorführungen präsentiert wurde, wurde ihr ab Januar 2019 erstmals eine längere Pause gegönnt: Im Zuge der Erneuerung des Bergbaumuseums und der Vorbereitung des "KohleBoom" wurde sie noch einmal einer umfangreichen Wartung unterzogen.

Im Rahmen der 4. Sächsischen Landesausstellung wird sie nun wieder vier Mal pro Tag mit einer kleinen Einführung von Mitarbeitern des Museums vorgeführt. "Neu ist, dass der Bereich nicht ausschließlich im Rahmen einer Führung oder Vorführung besichtigt werden kann, sondern für alle Besucher des Schauplatzes frei zugänglich ist", erklärt Weise.

Im Ausstellungsbereich, der die Dampfmaschine beherbergt, widme man sich auch ausgiebig deren Geschichte und unterschiedlichsten Exemplaren in Form von Modellen. Ein Spezialthema seien die vielförmigen Variationen von Förderseilen, die in den unterschiedlichen Förderanlagen zum Einsatz kamen und teilweise noch kommen.

Beim Dampftag am 20. September können Besucher von 10 bis 18 Uhr auf dem Museumsgelände eine umfangreiche Ausstellung von Modelldampfmaschinen und vielfältigen Modellen zu Land, zu Wasser und zu Luft erleben. Außerdem werden Schauplatzführungen über die Landesausstellung sowie Kremserfahrten mit Bulldog-Traktoren angeboten.

Alle Beiträge zur Landesausstellung finden Sie in unserem Spezial: www.freiepresse.de/kohleboom

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