Alte Schule wird Meinersdorfs gute Stube

Wo früher gepaukt worden ist, wird bald das Vereins- und Dorfleben sein Zentrum haben. Der Umbau ist nahezu abgeschlossen. Und doch schimmert das Ehemalige hier und da noch durch.

Meinersdorf.

Als Thomas Weißflog 2013 einen Beitrag im Meinersdorfer Kaleidoskop zur Geschichte der damals frisch geschlossenen Pestalozzi-Grundschule verfasste, schloss er seinen Text mit einem Wunsch für die Zukunft: "Ein Museum soll es keinesfalls werden, sondern ein lebendiges Zentrum für unseren Ort unter Einbeziehung der umliegenden Wohnanlagen mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und Angeboten für Jung und Alt." Wenn am Samstag die ehemalige Schule als Pestalozzi-Haus offiziell eingeweiht wird, dann steht dieser Wunsch kurz davor, in Erfüllung zu gehen. Denn die Gemeinde hat das Gebäude zum Dorf- und Vereinszentrum umgebaut. Kostenpunkt: voraussichtlich rund 1,5 Millionen Euro.

"Ist das geil geworden, man erkennt das ja kaum wieder." Ortschaftsrätin Sylvia Ludolf ist richtiggehend aus dem Häuschen, als sie gemeinsam mit Ortsvorsteherin Christine Radke und "Freie Presse" das nahezu fertig renovierte Gebäude in Augenschein nimmt. Ihre Euphorie bricht sich praktisch in jedem Raum von neuem Bahn. Dabei ist das Wiedererkennen streng genommen gar nicht so schwer. Denn die Planer haben darauf geachtet, einige Elemente mit Wiedererkennungswert zu erhalten. Beispielsweise wäre das hölzerne Treppengeländer zu nennen oder die Wandvitrine für die Stundenpläne im ehemaligen Lehrerzimmer. Der Raum ist künftig als Büro für die Ortsvorsteherin vorgesehen. Auf dem Dachboden sind am Gebälk zudem Spuren eines Schulbrandes zu sehen. "Die Architektin Mandy Gauser hat sich außerdem bei ihrem Farbkonzept am ehemaligen Fliesenspiegel orientiert", weiß Christine Radke zu berichten. Auch einige Holzfußböden sind erhalten, aufgearbeitet und versiegelt worden. So ist ein stimmiges Gesamtbild entstanden.


Noch sind die Handwerker mit einigen Restarbeiten und dem Außengelände beschäftigt. So ist der Balkon im ersten Obergeschoss über dem Haupteingang derzeit erst zu erahnen.

Das Pestalozzi-Haus wird komplett barrierefrei sein. Möglich macht das ein Aufzug, der geschickt im Bereich des Treppenhauses installiert worden ist. "Das ist ein richtiger Vorteil. Nun ist es egal, wie alt und gebrechlich wir werden - es gibt einen Aufzug", freut sich Sylvia Ludolf. Der ehemalige Zugang zum Anbau hingegen ist geschlossen worden. Im Erdgeschoss ist an dieser Stelle eine barrierefreie Toilette entstanden.

Nach der Übergabe und dem Tag der offenen Tür am Wochenende können die Vereine ihre neuen Räume beziehen. Christine Radke geht davon aus, dass das bis zum Herbst abgeschlossen sein wird. Für manchen Verein stehen zusätzliche Lagerräume zur Verfügung; zudem ist ein Vereinsraum mit verschließbaren Schränken für die Akten der Vorstände vorgesehen. Was die Vereine aus den neuen Möglichkeiten machen, liegt in deren Verantwortung.

Für die allgemeine Nutzung gibt es auch einen großen Vereinsraum und eine Küche. Eine nicht alltägliche Nachbarschaft steht zudem bevor. Und zwar im Keller. Dort werden dann ein Bandprobenraum und der Polizeiposten Wand an Wand logieren. "Es ist geplant, im Herbst mit dem Ausbau zu beginnen", sagt Fachbereichsleiter Jörg Spiller. "Im Sommer des nächsten Jahres soll er fertig sein."

Vom Umzug der Vereine in das neue Gemeinschaftszentrum sind auch das aktuelle Vereinshaus und das ehemalige Rathaus betroffen. Dort waren einige Vereine bisher beheimatet. Anders als der Regenbogentreff wird der Jugendclub nicht mit ins Pestalozzi-Haus ziehen. Laut Christine Radke haben die treibenden Kräfte sich - nachdem sie das Haus an der Bahnhofstraße aufgebaut und mit Leben gefüllt haben, gegen einen Umzug entschieden. "Das alte Vereinshaus wird vorerst so belassen wie es ist", sagt Spiller. Bis zu einer Entscheidung über die weitere Nutzung kann dort der Jugendclub bleiben.

Das alte Rathaus ist als Archiv für die Verwaltungsgemeinschaft Auerbach, Burkhardtsdorf, Gornsdorf und als weiterer perspektivischer Verwaltungsstandort vorgesehen. "Dafür wird gerade der Aufwand geprüft", sagt Spiller, der betont, dass die aktuellen Mieter und die gewerblichen Nutzer im Rathaus bleiben können.


Tag der offenen Tür

Die Vereine präsentieren am Samstag sich und die umgebaute Schule bei einem Tag der offenen Tür. Das Dorf- und Vereinshaus öffnet die Pforten für die Besucher nach einem Festakt gegen 15.15 Uhr. Bis 19 Uhr können die Besucher die Räume besichtigen und ein vielfältiges Programm der künftigen Nutzer genießen. Auch für Speis und Trank wird gesorgt sein.

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