Alter Bergmann tritt jetzt kürzer

Hans Großer aus Gersdorf hat 20 Jahre lang die Bergbautraditionen mit gepflegt - und ist bei den Paraden mitgelaufen. Mit 80 Jahren ist er an eine Grenze gekommen.

Gersdorf/Oelsnitz.

Hans Großer wird in ein paar Tagen 81. Es gibt Männer, denen geht es in diesem Alter wesentlich schlechter. Und trotzdem muss man sagen, dass sein Körper an das Alter Tribut entrichtet hat. Und an den Beruf, den er lange Zeit ausgeübt hat. Hans Großer aus Gersdorf war Bergmann unter Tage, hat als Grubenelektriker im Karl-Liebknecht-Schacht in Oelsnitz gearbeitet. Kein Kumpel kommt völlig gesund wieder aus dem Schacht.

Ein paar Jahre nach der Wende wurde Großer Mitglied in der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevieres und marschierte auch bei vielen Bergparaden mit, in der Adventszeit bei bis zu zehn Veranstaltungen. Jetzt ist er neben einem Stollberger Bergbauveteran der älteste Kumpel des Vereins - und muss kürzer treten. Die Gesundheit!


Das Laufen geht nicht mehr ganz so gut. "Und viele Paraden sind mit dem Aufstellen der Formationen und dem damit verbundenen langen Warten manchmal inzwischen schon sehr anstrengend", sagt Hans Großer und fügt hinzu: "In Annaberg-Buchholz zum Beispiel, wo es bei der Parade streckenweise straff bergauf geht, da ist die Belastung für mich inzwischen zu groß." Das kurze Stück bei der Parade während der Festwoche in diesem Monat in seinem Heimatort Gersdorf will er aber mitlaufen. Und dann nur noch die Paraden in Oelsnitz und Chemnitz, wo die Strecke flach ist. Ganz loslassen kann Hans Großer also nicht. Seine Ehefrau Brigitte, drei Jahre jünger als er, schüttelt manchmal mit dem Kopf: "Er ist ein bissel verrückt." Aber sie meint das nicht böse. 20Jahre lang hat ihr Mann auch den Bergbaupfad gepflegt, zumindest die Stationen an der Kaisergrube I und II und an Merkur- und Plutoschacht. Großer hat hier viel gemacht, Unkraut gejätet oder kaputte Hinweisschilder repariert. Manchmal war er am Tag viele Stunden unterwegs. Damit ist nun Schluss. Großer fährt kein Auto mehr.

Erik Seidel, Bürgermeister von Gersdorf weiß um Großers Verdienste: "Hans hat viel für die Traditionspflege und damit viel für unseren alten Bergbauort getan." Trotzdem sagt Großer, dessen Vater schon Bergmann war und der von 1957 bis 1970 in Oelsnitz unter tage war, immer noch stolz: "Einmal Bergmann, immer Bergmann, das ist doch klar."

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