Am Südhang in Neu-Eibenberg wächst erzgebirgischer Wein

Wein am Haus, damit die Kinder mal naschen können -das ist nichts Besonderes, selbst in hiesigen Breiten. Tobias Bucher und Stephan Boden dagegen betreiben den wohl einzigen Weinberg im Erzgebirge. Aus dem anfänglichen Keltern für Familie und Freunde ist ein kleines Geschäft geworden.

Eibenberg.

Tobias Bucher streift durch die knapp zehn Stufen seines Weinbergs. Hier eine schlechte Beere entfernen, dort ein kritischer Blick auf die Blätter, die kürzlich ein Hagelsturm ordentlich zerschossen hat. Trotzdem ist er bisher zufrieden, der Sommer hat Gas gegeben. "Die Trauben sind recht voll. Aber etwas Wasser hat gefehlt. Jede Pflanze braucht Wasser", sagt Tobias Bucher, und man merkt ihm an, dass er mitfühlt mit den 36 Rebstöcken, die sich an diesem Südhang in Neu-Eibenberg der Sonne entgegen strecken. Durch die Hitze seien die Beeren in eine Art Notreife übergegangen. Tobias Bucher ist 35 Jahre alt und hauptberuflich Maurer. Doch mit seinem Kumpel Stephan Boden, dem er zudem bei dessen Nebentätigkeit als Feuerwerker aushilft, betreibt er in dem Burkhardtsdorfer Ortsteil einen Weinberg. Nebenbei und aus Spaß an der Freude. Doch nicht zuletzt aufgrund des Verkaufs im Online-Shop mausert sich der 33 Quadratmeter große Weinberg an Buchers Wohnhaus immer weiter.

Dieses Jahr erwarten die Männer etwa 500 Flaschen, die für 10 bis 20 Euro verkauft werden. Darin enthalten werden nicht nur die Traubenweine sein, sondern rund 300 Flaschen Fruchtweine. Abgesehen von den tropischen Vertretern wie Mango oder Ananas stammen alle Früchte dafür aus Stephan Bodens Garten hinter seinem Haus. Der 31-Jährige stammt aus der anderen Seite des Tals, aus Kemtau. Kürzlich hat er in Eibenberg einen Vierseitenhof mit 6000 Quadratmeter Grundstück gekauft, baut dort derzeit eine Weinküche und einen Hofladen ein, der bis Oktober öffnen soll. Derzeit stehen die Ballone, in denen Stephan Boden unter anderem rote, schwarze und weiße Johannisbeere, Birne, Holunderblüte und Wilde Erdbeere zur Gärung angesetzt hat, noch in seiner Garage, die voll gefliest ist.

Den Sommer über pflücken Stephan Boden, seine Freundin und andere Freunde ungezählte Stunden lang die Beeren, popeln sie mit der Hand vom Stiel ab, waschen sie. Eingemaischt, also zerkleinert, werden sie ebenfalls mit der Hand. "In den meisten Kernen befinden sich Bitterstoffe, deshalb dürfen die Kerne nicht zerstört werden", erläutert Boden. Anschließend kommt Wasser hinzu, dann bleibt das Ganze ein bis zwei Tage stehen. "Damit sich die Farbstoffe aus der Schale lösen." Nach der Zugabe von Enzymen, dem Abpressen und der Zugabe von Zucker landet die Masse schließlich im Ballon. Zum Schluss kommt Hefe hinein. Dann braucht es nur viel Zeit. Wenn die Hefe mit den Trübstoffen der Beeren auf den Boden gesunken sind, ist der Fruchtwein fertig. Vor dem Abfüllen wird er noch leicht geschwefelt, um ihn haltbar zu machen. Und er erhält bei Bedarf erneut mehrere Wochen Zeit. Bis zu einem halben Jahr kann das sein. "Wir probieren viel aus." Die Wilde Erdbeere hat Boden erstmals angesetzt.

Doch warum tut man sich das an? "Es ist ein schöner Ausgleich zum Job", sagt der gelernte Elektroniker, der im Zwei-Schicht-System bei der KSG in Gornsdorf am Computer sitzt. Nebenberuflich lässt der staatlich geprüfte Feuerwerker zwar auch Raketen in den Himmel steigen, doch diese Nähe zur Natur, das mag er. "Ich will wissen, was ich esse und trinke. Und nichts umkommen lassen. Wir bauen nur das an, was hier gut wächst, ohne Chemikalien oder künstliche Zusätze." Zum Gären wird zum Beispiel einzig Hefe verwendet. Allein vom Weinbau zu leben, sei aber nicht das Ziel. "Wir wollen für uns etwas Gutes schaffen und andere teilhaben lassen."

Auf die Idee, einen Weinberg anzulegen, kam Tobias Bucher 2014, nachdem er in Neuseeland auf einem solchen gearbeitet hat. Auf den 33 Quadratmetern stehen vier Reihen roter und fünf Reihen weißer Wein. "Der rote ist eine russische Sorte: Mitschurinski", sagt Bucher. "Hält viel Frost ab." Den steinigen Boden, etwas kalkhaltig, das mag die Sorte. "Die Bedingungen hier sind gar nicht so schlecht." Diese wollen die Winzer annehmen. In wenigen Wochen, schätzen sie, beginnen sie mit der Lese. "Der Weiße braucht länger, das wird wohl je nach Witterung bis Ende Oktober dauern."

Beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ist der Weinberg registriert. "Damit will der Freistaat den Überblick behalten, gerade wenn es um die Verbreitung von Krankheiten geht", erläutert Tobias Bucher. Eibenberger Wein dürfen die Männer ihr Ergebnis übrigens nicht nennen, da es sich nicht um ein ausgewiesenes Weinanbaugebiet handelt. Also verkaufen sie ihn als Wein vom Eibenberger Südhang.

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