Ansturm mit Anlauf

Die Hitze treibt die Menschen in die Freibäder. Bis dort die Kasse aber richtig klingelt, muss das Wetter länger anhalten. Denn der Erzgebirger braucht offenbar erst ein paar Tage.

Gornsdorf.

Solche Tage sind Peter Schmelz am liebsten. Weil es heiß ist, logisch. Dann ist das Gornsdorfer Bad richtig voll. 800, 900 Gäste am Tag, das ist für die Freibäder in der Region derzeit Standard, Jahnsdorf kommt gar auf über 1000. "Da merken die Leute, dass Freibäder wichtig sind, dass wir sie brauchen", sagt Peter Schmelz. Denn im Winter, wenn es kalt ist und die Kommunen über ihre knappen Kassen den Kopf schütteln und nach Sparpotenzial suchen, da werden Freibäder als freiwillige Leistung gern zuerst genannt. "Wobei ich wirklich froh bin, dass unsere Gemeinde immer am Bad festhält", sagt Schmelz.

Doch solche Gedanken sind jetzt weit weg. Peter Schmelz und Rettungsschwimmer Patrick Klotz blicken zufrieden auf das blaue Wasser. Aus Gornsdorf, den umliegenden Orten, aus der Eubios-Klinik in Thalheim, aber auch aus Rochlitz und Hainichen kommen die Gäste. Vor allem aus Chemnitz kämen mehr Besucher als die anderen Jahre. "Sie erzählen uns, dass sie sich dort nicht mehr wohlfühlen", sagt Schmelz und verweist auf die Vorfälle im Gablenzer Bad, wo wiederholt Mädchen belästigt worden sein sollen.

Mehr als 12.000 Besucher hat das Gornsdorfer Bad diese Saison schon gezählt, in der vergangenen waren es insgesamt 17.000. "Das ist ein Sommer, wie wir ihn zuletzt 2003 hatten", so Schmelz. Doch erst wenn das Wetter bis in den August hinein heiß bleibt, werde sich das auch am Umsatz bemerkbar machen. Die Leute brauchen wohl immer erst einen Anlauf fürs Freibad, glaubt er. "Es wird erst die letzten Tage spürbar mehr. Vorige Woche hatten wir 25 Grad und trotzdem waren nur 20, 30 Leute da." Auch, dass inzwischen immer mehr Menschen einen eigenen Pool im Garten haben, merkt Peter Schmelz, der gerade seinen 38. Sommer als Bademeister erlebt.

Roland Lorenz, Schwimmmeister in Lugau stellt Ähnliches fest. Zwar hat das Bad mit aktuell mehr als 11.500 Besuchern schon die Marke des Sommers 2017 geknackt. "Wir sind zwar zufriedener als vergangenes Jahr, stellen aber fest, dass immer weniger Besucher in die Freibäder kommen. Das liegt wohl daran, dass es weniger Kinder gibt."

In Burkhardtsdorf ist Betriebsleiter Frank Nebel von dem Ansturm begeistert. "Wir öffnen um Zehn. Eine Viertelstunde später haben wir 120 bis 150 Menschen im Bad. Es ist irre." Seit 1983 arbeitet Frank Nebel in dem Metier, er hat viele Sommer im Freibad erlebt. Von einem Jahrhundertsommer will er noch nicht sprechen. "Aber er ist schon jetzt überdurchschnittlich. Wer sich als Badbetreiber derzeit beklagt, dem ist nicht zu helfen." Bei dieser Hitze kommen etwa 800 Besucher täglich ins Burkhardtsdorfer Bad. "Das ist super. 1000 wären für uns Obergrenze." Schließlich müssen der Schwimmmeister und der Rettungsschwimmer bei den Massen noch den Überblick behalten. Zu Spitzenzeiten seien 160 bis 200 Menschen gleichzeitig im Wasser. Eine brenzlige Situation hat sein Team diesen Sommer noch nicht erlebt. "Wir versuchen, es den Leuten schon vorher anzusehen, dass sie vielleicht Schwierigkeiten im Wasser bekommen könnten, und sprechen sie an, ehe sie reingehen", erläutert Nebel mit Blick auf kleine Kinder oder ältere Menschen.

Für Frank Nebel ist der Ansturm ein Zeichen dafür, dass Freibäder nach wie vor gefragt sind. "Es kommen zwar nicht mehr die großen Cliquen wie zu DDR-Zeiten. Aber gerade viele Familien bleiben den ganzen Tag. Und die Älteren halten gerne einen Plausch." Das Freibad als Begegnungsstätte. Frank Nebel freut sich, wie sehr die Burkhardtsdorfer das Bad als ihres ansehen. "Erst diese Woche stand früh um 7 einer hier, der zwei Stunden lang geholfen hat, das Becken abzusaugen." Ohne solche Ehrenamtliche sei ein kleines Bad auf Dauer nicht zu stemmen.

13.000 Besucher sind seit Saisoneröffnung Anfang Mai ins Burkhardtsdorfer Bad gekommen. 2017 waren es insgesamt 17.000. "Es sieht so aus, dass wir die knacken. Wenn wir die 20.000 erreichen, sind wir richtig gut", so Frank Nebel.

Eine, die in dieser Woche jeden Tag im Gornsdorfer Freibad war, ist Sandra Münch. Die Erzieherin begleitet die Gornsdorfer Hortkinder. "Etwas anderes zu unternehmen, ergibt bei diesem Wetter keinen Sinn", sagt die 44-Jährige. Ein Freibad im Ort, das größere Kinder alleine besuchen können, hält sie für sehr wichtig. "Von mir aus könnten es in der Region noch zwei, drei Bäder mehr sein. Dann sind die anderen an solchen Tagen nicht so voll." (mit gudo)

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