Anwohner kritisieren Seniorenheim-Bau

Die Bauarbeiten in Neukirchen haben begonnen. Doch die Nachbarn fühlen sich schlecht informiert. Jetzt gibt es neue Probleme.

Neukirchen.

Seit Mitte Mai entsteht an der Markersdorfer Straße in Neukirchen ein Seniorenpflegeheim. Ein sinnvolles Gebäude - das erkennen auch die Nachbarn an. "Wir haben prinzipiell nichts gegen das neue Pflegeheim. Neukirchen braucht es", sagt Peter Toste. "Doch bis heute gibt es keine Kommunikation seitens der Gemeinde oder der Baufirma mit den Anwohnern", so der 74-Jährige. Familie Toste habe erst durch einen Artikel in der "Freien Presse" Anfang Januar erfahren, welche Größe das neue Pflegeheim haben werde. "Vier Geschosse werden entstehen", sagt Gabriele Toste. "Wenn das Pflegeheim zu hoch wird, verlieren wir unseren Ausblick." Auf Nachfrage im Rathaus sei ihnen gesagt worden, dass die Einrichtung kleiner werde.

Bürgermeister Sascha Thamm erklärt auf Nachfrage, dass im Gemeinderat regelmäßig über das Seniorenheim informiert worden sei. Nur einmal hätten Anwohner teilgenommen. Auch könnten jederzeit Anfragen an die Verwaltung gestellt werden. Fragen, die den Bau selbst betreffen, müssten an den Projektträger gestellt werden. "Wir können einen Kontakt vermitteln. Das war aber bislang nie der Fall", so Thamm.


Investor und Bauträger des neuen Seniorenpflegeheims ist die Theed-Projekt-Gesellschaft. Geschäftsführer Lutz H. Uhlig: "Alle Informationen standen im Amtsblatt. Auch wurde ein Bauschild aufgestellt, das zusätzlich Informationen zur Baufirma enthält."

Dass das neue Pflegeheim nach Rathaus-Angaben gar nicht viergeschossig werden soll, hört Thamm indes zum ersten Mal: "Es entspricht nicht der Wahrheit, dass die Gemeinde behauptet habe, dass das neue Pflegeheim kleiner werden soll." Der Bebauungsplan mit vier Vollgeschossen sei durch das Landratsamt genehmigt worden. Geschäftsführer Uhlig hat eine Vermutung, woher das Missverständnis kommt: "Das Untergeschoss verschwindet im hinteren Teil des Gebäudes in der Erde." Der Haupteingang liege in der ersten Etage.

Laut Bürgermeister Thamm ist geplant, "dass der Kindergarten oder die Schulen regelmäßig zu Besuch kommen. Auch die Kirchgemeinde wird sich an der Einbindung des Seniorenheims beteiligen." Eine Extra-Buslinie werde es allerdings nicht geben.

Die Anwohner listen eine Reihe von Zwischenfällen während der Bauarbeiten auf. So steht eine etwa 200 Jahre alte Linde auf dem Gelände von Familie Toste. Bauarbeiter sollen deren Wurzeln herausgerissen und beschädigt haben. Lutz H. Uhlig von Theed räumt ein, dass die Endausläufer der Wurzeln teilweise beschädigt wurden. "Allerdings ist der Linde nichts passiert. Sollte sich das noch ändern, steht die Baufirma für den Schaden natürlich gerade."

Auch Andrea und Markus Schmidt ärgern sich über die Bauarbeiten: "Es wurden mehrere Baustellenüberwachungskameras aufgestellt, bei denen wir nicht wissen, ob sie auch unser Grundstück filmen." Durch die Erschütterung von Rüttelarbeiten sei eine Scheibe der Garage gesprungen. Der Geschäftsführer von Theed sagt, dass die Kameras nur das Baugrundstück überwachten. "Der Schadensfall an der Glasscheibe wurde uns nicht gemeldet. Das sollte Familie Schmidt machen, damit wir den Fall an die Versicherung weitergeben können."

Familie Schmidt vermietet in ihrem Haus zwei Wohnungen. "Eine Mieterin hat bereits angekündigt, auszuziehen. Die zweite Wohnung bekommen wir durch den Bau nicht vermietet", klagen die beiden Mittdreißiger. Außerdem würde bis an ihre Grundstücksgrenze heran gebaut werden. "Die Baufirma unternimmt auch nichts, um den Baudreck einzudämmen, etwa durch Sprühnebel", sagt Markus Schmidt.

Dem widerspricht Investor Lutz H. Uhlig: "Bei großem Staubaufkommen setzen wir teilweise Sprühnebel ein. Allerdings können wir nicht den ganzen Tag die Baustelle bewässern und Trinkwasser dafür nutzen, gerade bei der Wasserknappheit in den vergangenen Monaten."

Da sich laut Vermessung ein Teil der Garage von Familie Schmidt auf dem Gelände des Baugrundstücks befinde, dürfe man zudem bis an den Zaun heran bauen, ergänzt er die rechtliche Seite.


Seniorenheim entsteht für zwei Millionen Euro

Auf einer Freifläche zwischen Markersdorfer Straße und Friedhof wird ein neues Altenpflegeheim gebaut. Zwischen 115 und 120 Einzelzimmer in einer Größe von jeweils 25 bis 28 Quadratmetern sind geplant. Die Theed-Projekt-Gesellschaft will zwölf Millionen Euro investieren. Die 2017 gegründete Gesellschaft hat ihren Hauptsitz in Chemnitz.

Laut Geschäftsführer Lutz H. Uhlig habe man alles, was das Bau- und Ortsrecht vorschreibt, eingehalten. "Wir versuchen immer, die Unannehmlichkeiten für die Anwohner so gering wie möglich zu halten", sagt er. Binnen 18 Monaten soll das Pflegeheim errichtet sein. Die viergeschossige Wohnanlage soll komplett barrierefrei sein. (gudo/czd)

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1Kommentare
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  • 1
    0
    1054456
    14.08.2019

    Leider wird hier das meiner Meinung nach vielsagende Zitat des Neukirchner Bürgermeister Thamm unterschlagen: "... sagte er bei einer Gemeinderatssitzung: Wenn die Bewohner soziale Integration wollen, dann sollen sie sich ein Taxi nehmen.“
    Chemnitzer Ausgabe vom 13.8.2019



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