Anwohner wehren sich gegen Baupläne eines Investors

Ein Wohngebiet könnte südlich des Ahorn- und Buchenhofs in Jahnsdorf entstehen. In der Siedlung aber regt sich Widerstand.

Jahnsdorf.

Selten ist es so voll im Jahnsdorfer Gemeinderat. Am Montagabend werden zusätzliche Stühle in den Rathaussaal getragen, gut 30 Bürger nehmen Platz. Verschränkte Arme, angespannte Gesichter. Die Einwohner sind gekommen, weil der Rat an diesem Abend einen Beschluss fällen soll, der ihr Leben in den nächsten Jahren auf den Kopf stellen könnte.

Es geht um ihr Zuhause am Ahorn- und Buchenhof. Ein Investor plant, ein Wohngebiet im Süden der Siedlung zu erschließen. Er, Steffen Markert, ein Bauunternehmer aus Jahnsdorf, ist auch unter den Zuschauern. Drei neue Anlagen würde er gern bauen, mit Platz für bis zu 45 Haushalte. Die Arbeiten könnten sich über längere Zeit hinziehen. Markert rechnet mit drei Bauabschnitten, die jeweils anderthalb Jahre dauern. So erzählt er es später der "Freien Presse".

Die Anwohner wehren sich gegen die Pläne, aus verschiedenen Gründen: So befürchten sie unter anderem, dass durch Versiegelung die Gefahr von Überschwemmungen steigen könnte - ein Problem, das schon in der Vergangenheit mehrfach aufgetreten sei. Die Zufahrtsstraße habe außerdem nicht die Maße für eine Baustelle. Eine Verbreiterung sei wegen angrenzender Grundstücke nicht möglich.

Einer der Anwohner ist Uwe Falke. Er trug die Bedenken in der Sitzung vor. Falke fügte später hinzu, dass das Höhenprofil, von dem der Bauplan ausgeht, nicht der Realität entspreche. Sein Haus steht am Ahornhof 6. Sollten die neuen Gebäude über der Böschung vor seinem Zuhause entstehen, hätte er ein Problem, sagte er. "Ich würde in einer Schlucht leben." Schatten würde auf sein Haus fallen und die Energiekosten in die Höhe treiben.

Bevor der Investor seine Pläne ausbuchstabieren kann, braucht er allerdings die Zustimmung des Gemeinderats. Das Gremium sollte am Montagabend über den ersten Schritt entscheiden: die Aufhebung eines Beschlusses aus dem Jahr 1998. Damals hatten die Räte festgelegt, dass das Wohngebiet am Ahornweg nicht erweitert werden soll. Ein entsprechender Bauplan wurde für ungültig erklärt. Eben diesen Plan will die Verwaltung wieder aktivieren.

Ob das rechtlich möglich ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Denn es handelte sich nicht um einen Bebauungsplan, der Spielraum für verschiedene Ausformungen ließ. Vielmehr war der Entwurf an das spezielle Vorhaben eines speziellen Bauträgers gebunden. Das Vorhaben hat sich jedoch geändert. Auch der Bauträger ist nun ein anderer. Jahnsdorfs Bürgermeister, Albrecht Spindler sagte, er habe sich daher beim Landratsamt versichert. Demnach hat die Behörde bestätigt, dass das Vorgehen der Gemeinde zulässig wäre. Uwe Falke sieht das anders. Er beruft sich dabei auf die Auskunft eines Anwalts.

Spindler wies darauf hin, dass der Beschluss lediglich der Auftakt für weitere Planungen sei, nicht für den Bau. Doch im Lauf der Diskussion äußerten mehr und mehr Räte ihre Zweifel - und das, obwohl sich in nicht-öffentlichen Vorberatungen eine Mehrheit hinter die geplante Entscheidung gestellt hatte. Überzeugend fanden die Räte vor allem einen Einwand, den mehrere Anwohner in der Sitzung vorbrachten: Als sie ihre Grundstücke einst kauften, habe man ihnen bestätigt, dass das Gebiet nicht weiter ausgebaut werde. "Wir sind hintergangen worden", sagte einer.

Als sich abzeichnete, dass nicht genug Stimmen für den Beschluss zustande kommen würden, schlug Spindler eine Vertagung vor, was der Rat annahm.

Markert sagte nach der Sitzung, dass er die Argumente der Anwohner aufnehmen und in einen neuen Entwurf einarbeiten will. Spindler setzt sich für einen Kompromiss ein. Er hält den Bau einer statt drei neuer Anlagen für zumutbar. In einem Vertrag mit dem Investor ließen sich solche Grenzen bestimmen, sagt er. Aber vorher seien Planungen nötig. Der Bürgermeister erwägt zudem, eine Einwohnversammlung zu organisieren. Ausgang offen. Die Anwohner des Ahorn- und Buchenhofs haben sich am Montagabend fürs Erste durchgesetzt.

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