Auch mit 60 kann man das Klöppeln lernen

Im Obergeschoss des Frau-Holle-Hauses des Stollberger Weihnachtsmarktes hat sich der Schnitz- und Klöppelverein präsentiert. Von dem etwas versteckten Standort will man sich künftig verabschieden.

Stollberg.

Während sich auf dem Stollberger Weihnachtsmarkt am Wochenende ein reger Besucherstrom an den Buden vorbeischob, ging es im Obergeschoss des Frau-Holle-Hauses in der Herrenstraße 5 ruhig zu. Etwas versteckt war dort die Schnitz- und Klöppelstube untergebracht, in der das erzgebirgische Traditionshandwerk präsentiert wurde. Der Vorsitzende des Schnitz- und Klöppelvereins, Frieder Schulz, führte seine eigentliche Profession vor: Der Niederdorfer Glasbläser stellte in aufwendiger Handarbeit kleine Wasserteufel her.

Doch vor allem wollte der Verein junge Leute für sich begeistern. "Ich selbst habe in der zweiten Klasse mit Schnitzen begonnen, später wurde es zeitweise durch den Sport verdrängt, aber nach der Armeezeit habe ich 1979 wieder angefangen", erinnert sich Schulz. Seither hat sich das Schnitzen durchaus geändert: "Es wird kaum noch in der Hand geschnitzt, sondern überwiegend mit Schnitzwinkel gearbeitet." Weil dabei das Holz fest in der Spannvorrichtung verankert wird, hat der Schnitzer beide Hände frei und das Verletzungsrisiko hat sich deutlich verringert, was speziell bei der Nachwuchsarbeit hilft. Insgesamt gibt es derzeit elf Schnitzer im Verein, davon acht Kinder. Interessant: Drei der Kinder sind Mädchen, das Schnitzen ist also keine reine Männerdomäne mehr.

Anders ist das beim Klöppeln. Dort sind derzeit 30 Frauen aktiv. Dabei ist die Klöppelei eigentlich in jedem Alter erlernbar, wie Ute Janke verrät: "Ich habe im Alter von 60 Jahren angefangen, weil ich ein Hobby haben wollte, das mich fit hält. Wichtig ist nur die Motivation." Frieder Schulz hat zwischen den beiden Vereinssparten einen wesentlichen Unterschied ausgemacht: "Bei den Schnitzern geht es hauptsächlich ums Schnitzen, bei den Klöpplerinnen vor allem um die Kommunikation." Diese augenzwinkernde Einschätzung teilt Ute Janke: "Dass der gesellschaftliche Faktor bei uns eine große Rolle spielt, kann ich bestätigen. Aber ich denke, bei den Schnitzern ist das auch nicht anders." Mit derzeit nur einem Mädchen in ihren Reihen suchen die Klöpplerinnen nach jungen Leuten. "Was unserem Verein fehlt, ist auch die Generation zwischen 40 und Mitte 60", so Schulz. Der Verein räumt auch mit dem Vorurteil auf, dass Klöppeln nichts für Männer ist: "Ich kenne klöppelnde Männer, aber ein einzelner Mann setzt sich nicht so gern den Blicken von 30 Frauen in so einem Verein aus."

Der Stollberger Schnitz- und Klöppelverein allerdings will sich künftig den Blicken der Weihnachtsmarktbesucher noch etwas mehr aussetzen, als das im Frau-Holle-Haus gelungen ist. Weil im allgemeinen Trubel nur wenige Besucher dorthin finden, soll die Schnitz- und Klöppelstube ab nächstem Jahr ins sogenannte "Süße Eck" am Roßmarkt ziehen, wo sich seit Anfang November das Büro von Stollbergs Innenstadtmanager Stefan Herold befindet.

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