Auf Mieternachfrage gebaut: ein "Kraftwerk" für Balkon

Das Oelsnitzer Unternehmen Mewa setzt auf Sonnenenergie und CO2-neutrale Produktion. Während Corona einen Versuchsstand zur Wasserstofferzeugung ausgebremst hat, wurde nun ein anderes Projekt umgesetzt.

Oelsnitz.

Durch Elektrolyse, also chemische Prozesse, aus Sonnenenergie flüssigen Wasserstoff erzeugen - das hat sich René Fiedler, Geschäftsführer der Oelsnitzer Metallwaren- und Elektromaschinenbau GmbH (Mewa) auf die Fahnen geschrieben. Denn im flüssigen Wasserstoff sieht nicht nur er den Energieträger der Zukunft. Allerdings, so sagt er jetzt, habe er bislang nur etwa ein Drittel dessen umsetzen können, was geplant war. Es hakt im Moment noch am richtig dimensionierten Elektrolyseur für seinen Versuchsstand, sagt er.

Hintergrund ist, wie bei vielem in diesem Jahr, der Corona-Lockdown. Denn die im Unternehmen extra für das Projekt geschaffene Stelle für einen Studenten konnte nicht besetzt werden. Ein Professor für Energie- und Umwelttechnik hatte einen Studenten der TU Dresden für das Projekt ausgewählt, aber der konnte wegen Corona nicht kommen, erzählt Fiedler. Zudem lieferten Firmen infolge des Lockdowns spezielle Bauteile nicht. Aber ein Großteil des Versuchsaufbaus sei vorhanden, das Problem Wasserstoff-Speicher fast gelöst. Wenn sein Vorhaben am Ende von Erfolg gekrönt ist, wäre das ein wichtiger Schritt von der Theorie hin zur Praxis. Der Bedarf an Wasserstoff als Energie für die E-Mobilität und als künftiger Energiespeicher für erneuerbaren Strom oder erneuerbare Wärme sei in jedem Fall da, sagt der Firmenchef.

Auch wenn das Wasserstoffprojekt nicht so weit vorangeschritten ist wie geplant, so hat Mewa ein anderes umgesetzt. Denn bislang lieferte und installierte das Unternehmen, das selbst mittels Solartechnik und Blockheizkraftwerk mehr Strom erzeugt als verbraucht, ausschließlich Solartechnik für herkömmliche Einsatzgebiete, also mindestens Einfamilienhaus-Dächer. Aber: "Es kamen immer wieder Mieter auf uns zu, die eine Lösung im Kleinen gesucht haben, für den Balkon oder die Datsche", erklärt er. Der Einsatz solcher Mini-Solaranlagen, auch Plug & Play-Solaranlagen genannt, bewegte sich lange Zeit in einer rechtlichen Grauzone. Darum habe man zunächst abgewartet, sagt Fiedler. Nun aber habe Mewa ein Solar-Mini-Paket entwickelt, das Kunden selbst aufbauen können und das allen rechtlichen Vorgaben entspricht. Der Vorteil: Der aus Sonnenenergie erzeugte Strom kann direkt über eine Steckdose eingespeist werden. Man biete es mit einem oder zwei Modulen an und auch als Ladestation für E-Bikes, erklärt Fiedler.

Was solche "Balkon-Kraftwerke" leisten können, erklärt die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage. Demnach liefere beispielsweise ein Standardsolarmodul mit 300 Watt Leistung, das verschattungsfrei an einem Südbalkon montiert wurde, etwa 200 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Diese Menge entspreche etwa dem jährlichen Verbrauch eines Kühlschranks und einer Waschmaschine in einem Zwei-Personen-Haushalt. Bei einem angenommenen Strompreis von 27 Cent bringe das eine jährliche Ersparnis von rund 54 Euro, sagen die Verbraucherschützer. Mewa-Chef Fiedler geht für seine Anlage von rund 80 Euro Ersparnis bei einem Modul und rund 150 Euro bei zwei Modulen aus - basierend auf Tests und Hochrechnungen unter anderem des Fraunhofer Instituts Freiburg.

Aber nicht nur die Stromrechnung wird reduziert: Das 300-Watt-Mini-Solarsystem spart laut Verbraucherzentrale in 20 Jahren etwa 2,5 Tonnen CO2-Ausstoß.

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