August lässt seine Auguste nicht aus den Augen

Langzeitinsassen: Im Tierheim "Waldfrieden" leben Katzen, Hunde, Klein- und Wildtiere - einige von ihnen schon länger. Diese stellen wir vor. Heute: zwei Gänse.

Stollberg.

An Auguste heranzukommen, ist nicht so einfach. August passt tierisch auf, dass seiner Herzensdame nichts passiert. "Er verteidigt sie mit Leib und Leben", sagt Tierheimchefin Susann Scheibner. Das könne auch durchaus mal zu blauen Flecken bei den Tierheimmitarbeitern führen, die die beiden Gänse betreuen, ergänzt sie lachend.

Wenngleich auch Auguste bereits seit 2011 im Tierheim lebt und damit zu den Langzeitinsassen zählt, gehört August regelrecht zum Inventar. Er kam 2004 in den "Waldfrieden", genau genommen wurde er geholt, erklärt Scheibner. Denn es gab schon damals eine Auguste - eine Höckergans - die als Fundtier ins Tierheim gekommen war. Auguste I. sozusagen. "Wir wollten sie nicht allein lassen und holten August dazu", erzählt die frühere Tierheimmitarbeiterin Darja Jattke, damals für die Wildtiere zuständig. Als Auguste starb, sei August dann sehr traurig gewesen, erinnert sie sich. "Er ließ mich nicht an das tote Tier und hat sie zwei Tage lang bewacht." Man habe händeringend ein neue Partnerin gesucht und wurde nach langer Suche fündig: die jetzige Auguste.


Für August offenbar ein Hauptgewinn, das Zusammenleben der beiden hat vom ersten Tag an funktioniert, sagt Scheibner. "Er war sofort verliebt und ist es bis zum heutigen Tag." Den beiden steht gemeinsam mit den Rehen Krümel und Otto ein größeres Areal mit Bäumen, Wiese, Bach und sogar Pool zur Verfügung. Die Nacht verbringen sie in einem Gehege, das mithilfe vieler Helfer und Sponsoren erst 2017 generalüberholt wurde. Auch zum Fressen werden sie dort eingesperrt, woran aber Krümel und Otto schuld sind: Die Rehe fressen für ihr Leben gern das spezielle Gänsefutter, das August und Auguste bekommen.

Aufregung brachte für die Rehe und Gänse der Sturm Fabienne im September: Damals fielen nicht nur Bäume im Gehege um, auch der Zaun wurde zerstört. Einen ganzen Tag lang mussten die Tiere eingesperrt werden, während draußen die Motorsägen dröhnten und der Zaun repariert wurde. Sturmtief Eberhard brachte einen weiteren Baum zu fall.

Die Tierheimchefin geht davon aus, dass August etwa 16 Jahre alt ist. "Er ist also durchaus ein Senior", sagt sie. Eine gewöhnliche Hausgans werde im Schnitt etwa 15 Jahre alt. Grund genug, sich ein wenig Gedanken zu machen, was mit Auguste wird, wenn August nicht mehr ist. "Vielleicht suchen wir einen neuen August", sagt Scheibner. Oder man finde ein neues Domizil für Auguste, wo sie Gesellschaft hat. Auch das sei möglich, erklärt sie.

Die Serie "Langzeitinsassen" endet mit August und Auguste. "Freie Presse" wird sich künftig den "Tierheimsenioren" widmen, also Tieren, die zwar noch nicht lange da, aber schon betagt sind.

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