Aus Rosthaufen werden Schätze

Beim ersten Ostkrad- treffen am Sonntag in Auerbach haben Schrauber und Sammler ihre Maschinen gezeigt. Und Anekdoten erzählt.

Auerbach.

Der Rosthaufen im Keller eines Kunden, bei dem er Pappe holen wollte, ist Dieter Clauß sofort aufgefallen. Der Besitzer wollte das Zeug loswerden. Für 100 Mark hat es ihm Dieter Clauß vor 45 Jahren abgekauft. Was aussah wie Schrott, war ein Motorrad, eine DKW RT 100, Baujahr 1935. Die baute sich der Bastler nun wieder auf. Dabei kann er auf die Unterstützung seines Freundes und Monteurs Robert Thierfelder zählen. "Aber das Restaurieren hat natürlich gedauert, zu dieser Zeit war es schwer, Ersatzteile zu bekommen", erinnert sich der gebürtige Auerbacher der jetzt in Jahnsbach wohnt. "Heute ist das alles kein Problem, allerdings muss man dafür viel Geld investieren."

Gestern wurde die im Motorradwerk Zschopau konstruierte Maschine von Dieter Clauß eine besondere Ehre zuteil. Zum 1. Ostkrad-Treffen auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Auerbach war es das älteste Fahrzeug. Gemeinsam mit der örtlichen freiwilligen Feuerwehr hat der begeisterte Ostkradfan Dustin Richter mit seinem Team die Veranstaltung auf die Beine gestellt. Von der Resonanz ist der 24-jährige Auerbacher überwältigt. "Mit mehr als 200 Teilnehmern und schätzungsweise fast doppelt so viel Besuchern und Fans sind wir sehr zufrieden. Das ist Ansporn für die nächsten Jahre. Denn Fortsetzungen sind auf jeden Fall geplant."


Neben Benzingesprächen und Fachsimpelei standen natürlich die motorisierten Zweirad-Schätze, die geputzten und auf Hochglanz polierten Mopeds und Motorräder im Mittelpunkt. Sie waren ständig dicht umringt, die individuell und mit persönlicher Note verzierten Fahrzeuge, die bis zur deutsch-deutschen Vereinigung und teilweise noch viel länger Menschen aller Altersklassen mobilisierten.

Mit einem Motorrad, welches nur in kleiner Stückzahl hergestellt wurde, ist Jens Hebert nach Auerbach gekommen. Jede der zehn Maschinen ist damals individuell an den Fahrer angepasst worden. "Erstmals vorgestellt wurde das Motorrad 1956 beim Rennen rund um Zschopau. Außerdem nahm der spätere Mannschaftsleiter der MZ-Sportabteilung Walter Winkler mit der Maschine an der 4-Tagesfahrt über 800 Kilometer teil", so Jens Hebert. "Für mich ist das eine unglaubliche Leistung mit so einem schweren Eisenhaufen anspruchsvolle Rennen zu meistern."

Die hammerschlaggrüne Maschine, Baujahr 1957, hat der Lengefelder Schrauber vor zwei Jahren von Grund auf restauriert. Erstanden hat er das Motorrad in 1000 Stücken von einem Mann aus Rumänien. In Bayern erfolgte die Übergabe. Nach einem ersten Check und der Feststellung der wichtigsten Teile, war der Deal perfekt. "In Deutschland bezahlt man für ein solch seltenes Stück schon mal eine fünfstellige Summe", verrät Jens Hebert. "Aber ich bin mit MZ groß geworden und ich finde es schlimm, dass alles den Bach runter geht", so der Technikfreak, der sich auf Modelle spezialisiert hat, die es nur noch ganz selten gibt.

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