Ausstellungsbereich Geologie ist um technisches Exponat reicher

Bis zum 24. April 2020 ist das Bergbaumuseum Oelsnitz wegen Umbaus geschlossen. Einige Exponate der künftigen Dauerausstellung stellt "Freie Presse" als "Objekt des Monats" vor. Aktuell ist es ein Mikroskop.

Oelsnitz.

Die geologische Sammlung stellt die naturwissenschaftliche Abteilung des Bergbaumuseums Oelsnitz dar. Geologie ist jene Wissenschaft, die sich mit der Entstehung, dem Aufbau und der Entwicklung der Erde und ihrer Bewohner auseinandersetzt. Im Bergbaumuseum konzentriert sich die Sammlung vor allem auf die Entstehung der Steinkohle und die sächsischen Lagerstätten. "Neben unzähligen Gesteinsproben, fossilen Abdrücken und Bohrkernproben gehört seit kurzen auch ein Schmuckstück in Form eines sogenannten Bacterienmikroskops dazu", erklärt Museumsmitarbeiterin Deborah Weise. Die Bezeichnung Bacterienmikroskop sei die alte Fachbezeichnung der Firma für dieses Exemplar - ein Lichtmikroskop für die Nutzung im Labor. "Unser Modell wurde von einem privaten Sammler erworben", erklärt Weise, wie das optische Instrument ins Museum kam.

Das seltene Stück wurde von der Firma Ed. Messter in Berlin hergestellt. Der gelernte Optiker Eduard Gustav Colmer Messter gründete 1858 seine Firma für optische und medizinische Geräte. Das aktuelle Objekt des Monats stamme vermutlich aus den frühen Produktionsjahren des Unternehmens zwischen 1859 und 1868, da es noch nicht mit einer Seriennummer versehen wurde, erklärt Weise. "In der Geologie dienen derartige Mikroskope beispielsweise zum Untersuchen sogenannter Dünnschliffe", sagt Deborah Weise. Dabei handele es sich um hauchdünne Präparate aus Gesteinen verschiedenster Art und Herkunft. Diese können unter dem Mikroskop in Bezug auf Zusammensetzung, Aufbau und Struktur erforscht werden.

Sascha Aurich

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Das in diesem Beitrag abgebildete Foto zeigt Hartmut Tauscher, wie er die Arbeit mit dem historischen Mikroskop, das normalerweise nicht mehr für wissenschaftliche Zwecke genutzt wird, demonstriert. Tauscher ist von Beruf Geologe und war bis 2008 Kustos der Mineraliensammlung der Städtischen Museen Zwickau, wo er auch lebt. Früher habe als Geologe bei der Wismut gearbeitet, seit 2012 unterstützt der Rentner das Bergbaumuseum in der Abteilung Geologie, erklärt Deborah Weise.

"Nach der Wiedereröffnung des Museums im Rahmen der 4. Sächsischen Landesausstellung im Jahr 2020 wird das Bacterienmikroskop No. VI natürlich im Ausstellungsbereich Geologie zu sehen sein", erklärt Weise, die am Bergbaumuseum als Projektmitarbeiterin für die Landesausstellung beschäftigt ist.

Einen interessanten Fakt zum Hersteller des Mikroskops gibt es von ihr noch am Rande: Dessen Sohn, Oskar Messter, war der erste große deutsche Filmemacher. Nach Abschluss der Schule hatte er sich im Betrieb seines Vaters zum Optiker ausbilden lassen, mit 28 Jahren übernahm er das Unternehmen. Ab 1896 brachte Messter die ersten brauchbaren Filmprojektoren auf den Markt, im gleichen Jahr eröffnete er in Berlin das erste deutsche Kunstlichtatelier und übernahm das Theater Unter den Linden als Kino. 1903 führte er erstmals Tonbilder auf, indem er den Filmprojektor und ein Grammophon koppelte und zeitgleich zuvor synchron aufgezeichnete Schallplatten abspielte, dieses Gerät nannte er Biophon. Es wurde auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis vorgestellt. Mit nahezu 300 produzierten Filmen avancierte Oskar Messter während der Kaiserzeit zum Impresario des deutschen Films.

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