Autokennzeichen HH 88: verboten oder nicht?

Kfz-Kennzeichen mit bestimmten Zeichenkombinationen sind bundesweit gesperrt. Darüber hinaus gibt es Spielraum.

Annaberg-Buchholz/Stollberg.

Ein Auto mit erzgebirgischem Nummernschild, das mit der Kombination HH 88 endet, hat ein Leser aus Thum auf der Straße gesehen. Das HH 88 kann als "Heil Hitler" ausgelegt werden. Daher frage er sich, ob im Landkreis keine Liste existiert mit Buchstaben- und Zeichenkombinationen, die untersagt sind.

Diese gibt es durchaus und gilt für die mehr als 150.000 Fahrzeuge, die entweder mit ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB oder ZP unterwegs sind. Das HH, mit dem übrigens auch die Autofahrer des Bundeslandes Hamburg unterwegs sind, steht aber nicht auf dem Index, wie eine Anfrage von "Freie Presse" beim Landratsamt ergab. Im Erzgebirgskreis sind lediglich die Kennzeichenkombinationen HJ, KZ, NS, SA sowie SS gesperrt, bestimmte Zahlen generell nicht, wie Peter Ludwig von der Kreisverwaltung erklärt. Die genannten Zusammenstellungen lassen Bezug auf die nationalsozialistischen Begriffe Hitlerjugend, Konzentrationslager, Nationalsozialismus, Sturmabteilung und Schutzstaffel zu. Die meisten dieser Kombinationen werden seit 1991 in Sachsen nicht ausgegeben, NS kam 2013 hinzu. Nach Paragraf 8 Absatz 1 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) dürfen Zeichenkombination "nicht gegen die guten Sitten verstoßen". Solche Kennzeichen seien aber im Erzgebirgskreis in der Praxis kein großes Thema, sagt Peter Ludwig von der Kreisverwaltung. "Nachfragen gibt es eher wegen Namenskombinationen", sagt er.

Ein halbes Dutzend sächsische Landkreise und Städte haben dagegen verschärfte Regeln, die über die sachsenweite Vorgabe hinausgehen. Das ergab die Antwort von Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz vom vergangenen Jahr. So werden beispielsweise in Chemnitz die Kennzeichen C-AH18, C-AH88, C-HH18 oder C-HH88 nicht mehr zugeteilt. Leipzig hat die Zahl 88 komplett gesperrt und Zwickau unter anderem die Kombinationen aus den Codes 88 und 14. Denn einer Interpretation zufolge steht die 14 für "14 words", ein in den USA verbreitetes Glaubensbekenntnis des Neonazis David Eden Lane: "We must secure the existence of our people and a future for White children", auf Deutsch: "Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für unsere weißen Kinder sichern." Sogar die 28 akzeptiert der Landkreis Zwickau in Anlehnung an das verbotene Netzwerk Blood & Honour nicht. Die Logik dahinter: Die Ziffern stehen für den jeweiligen Buchstaben im Alphabet, die 2 etwa für das B und die 8 für das H.

Eine erweiterte sachsenweite Regelung hält Martin Dulig in seiner Antwort für nicht sinnvoll. Wegen der vielen Kombinations- und Interpretationsmöglichkeiten lasse sich nicht jede möglicherweise bedenkliche Zusammenstellung vermeiden, die innerhalb einer Szene eine Bedeutung hat. "Der Kreis der verfügbaren Wunschkennzeichen würde für die Bürgerinnen und Bürger demgegenüber stark eingeschränkt", so der Verkehrsminister.

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