Autonomes Fahren: Bus-Projekt ist in Stollberg gescheitert

Die Zukunft des Straßenverkehrs startet nun doch nicht in der Region. Es fehlt an Partnern, die das Vorhaben unterstützen. Zwar will Chemnitz die Idee noch nicht ganz beerdigen. Doch die Große Kreisstadt geht jetzt andere Wege.

Stollberg/Chemnitz.

Es war eine futuristische Idee, die Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt im Herbst 2017 umtrieb. In der Großen Kreisstadt sollten autonom fahrende Busse die Ortsteile Beutha, Raum, Oberdorf oder Mitteldorf an die Kernstadt anbinden. Im Blick hatte er dabei eine Versuchsstrecke, die gemeinsam mit der Berliner Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) und dem Landkreis eingerichtet und betrieben werden sollte. Die kurzen Wege - IAV hat einen Sitz in Stollberg - machten die Sondierungsgespräche möglich. Nun allerdings ist das Projekt zu Grabe getragen worden. "Wir haben keine Partner gefunden, die uns unterstützt hätten", räumt Schmidt ein. "Wir werden die Idee nicht weiter verfolgen." Das Thema Mobilität bleibt in Stollberg allerdings aktuell. Gemeinsam mit der Citybahn und dem ADAC erarbeitet die Stadt gerade ein Mobilitätskonzept.

Ortswechsel: Auch in Chemnitz gab es Überlegungen für ein autonom fahrendes Bus-Shuttle. Auf einer Teststrecke entlang der Reichenhainer Straße sollte ein fahrerloser, elektrisch angetriebener Pendelbus vor allem Studierende und Mitarbeiter der Technischen Universität zwischen dem Campus und dem Universitätsteil Erfenschlager Straße befördern. Entsprechende Anfragen dazu seien aus der Industrie an das Rathaus herangetragen worden, sagte Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk damals und kündigte an, die Stadtverwaltung wolle die Voraussetzungen dafür schaffen.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses erinnerte Stadtrat Ulf Kallscheidt (SPD) an dieses Vorhaben und fragte, was daraus geworden sei. Tiefbauamtsleiter Gregorzyk zeigte sich persönlich betroffen: "Das ist ein Thema, das mir sehr wehtut", sagte er. Die Stadtverwaltung habe gemeinsam mit der IAV, die auch in Chemnitz ein Entwicklungszentrum hat, versucht, das Projekt auf den Weg zu bringen und dafür Fördergeld zu akquirieren.

Doch mit diesem Unterfangen sei man sowohl beim Wirtschaftsministerium in Dresden als auch bei der Energieagentur des Freistaates Saena gescheitert, so Gregorzyk weiter.

Ein Sprecher des sächsischen Wirtschaftsministeriums bestätigt auf Anfrage, die Projektträger Stadt Chemnitz und IAV hätten das Vorhaben Anfang 2017 beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr als zuständiger Bewilligungsbehörde vorgelegt. Dabei sei relativ schnell klar geworden, "dass eine Förderung im Rahmen der Richtlinie ÖPNV nicht möglich ist, da es sich bei der geplanten Maßnahme um keinen ÖPNV-Linienverkehr handelt". Ausgegangen worden sei damals von einem Finanzbedarf von mehr als 200.000 Euro. Auch die Beantragung von Fördergeld aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung (Efre) sei nicht möglich gewesen, weil dafür eine CO2-Einsparung hätte nachgewiesen werden müssen, so der Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Dresden.

Um eine Senkung der CO2-Belastung nachweisen zu können, hätte der Elektrobus laut Gregorzyk auf einer regulären Linie bisher dort verkehrende Dieselbusse ablösen müssen. Doch die alte Buslinie 51 nach Reichenhain wurde Ende 2017 durch die neue Straßenbahnlinie 3 ersetzt, die am Campus zum Technologiepark abbiegt und dort endet.

Wie der Tiefbauamtsleiter in der Bauausschusssitzung sagte, sei das in Chemnitz entwickelte Fahrzeug bereits fertiggebaut. Es werde allerdings nicht wie ursprünglich geplant auf der Reichenhainer Straße pendeln, sondern demnächst in der Hamburger Hafen-City verkehren.

Tatsächlich gibt es auf den Internetseiten des Hamburger Verkehrsunternehmens Hochbahn Informationen über ein Forschungsprojekt zu elektrisch angetriebenen, fahrerlosen Kleinbussen. Laut Hochbahn soll der rund fünf Meter lange Kleinbus für zehn bis 16 Fahrgäste etwa ab Mitte dieses Jahres - zunächst noch mit einem Fahrzeugbegleiter, der eingreifen kann - im Testbetrieb durch die Hafen-City rollen.

Während des Forschungsprojektes, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird, sollen vier Jahre lang Erfahrungen mit dieser Art von Nahverkehrsmittel gesammelt werden. Für die Konzeption des Hamburger Testfahrzeugs ist nach Hochbahn-Angaben die Ingenieurgesellschaft IAV verantwortlich. Auf Nachfrage von "Freie Presse" erklärt IAV-Pressesprecher Markus Mrozek allerdings, das Hamburger und das Chemnitzer Projekt seien unabhängig voneinander verfolgt worden.

Aus dem Chemnitzer Rathaus heißt es jetzt, die Stadtverwaltung sei auch weiterhin an einem Projekt für autonom fahrende Elektro-Kleinbusse als Ergänzung zu großen Linienbussen interessiert. (mit micm und joe)

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