Bedrohter Edelkrebs bedroht großes Straßenbau-Vorhaben

Das Tier steht auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten. Entdeckt hat es ein Bürger in einem verrohrten Bach, der wiederum im Zuge eines großes Bauprojektes mit saniert werden soll. Doch nun ist das Landratsamt eingeschaltet.

Thalheim.

Es ist eines der aktuell größten Thalheimer Bauvorhaben: Die Sanierung der Lessingstraße und zweier Nebenstraßen. Gesamtlänge: mehr als einen halben Kilometer. Nach dem Winter will die Stadt den zweiten Bauabschnitt beginnen - 350.000 Euro Kosten sind veranschlagt. Doch ein eher kleines Tier - gerade mal 15 bis 20 Zentimeter lang und maximal 250 Gramm schwer - macht das Vorhaben womöglich kompliziert: der Edelkrebs.

Ein Bürger hat das Tier im Fickergrundwasser gefunden. Dieses kleine Gewässer fließt etwa zur Hälfte unterirdisch in Rohren durch einen Teil der Stadt, es quert auch die Lessingstraße und mündet schließlich in der Zwönitz. "Unser Plan ist, im Zuge der Sanierung Lessingstraße auch diese teils maroden Rohre zu erneuern und zudem den Verlauf zu ändern, damit das Fickergrundwasser nicht mehr unter der Wohnbebauung fließt", so Thalheims Bauamtschef Roland Wegener.

Doch offenbar lebt eine größere Population in dem kleinen Gewässer. Mittlerweile hat die Naturschutzbehörde im Landratsamt die Stadt angewiesen, dies genauer zu prüfen. Laut Bundesamt für Naturschutz steht der in Europa heimische Edelkrebs auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. Der Bundesverband Aquakultur schreibt auf seiner Internetseite: "Der Krebs reagiert empfindlich auf durch Düngung eingebrachte Toxine und die Verschlammung des Bodens durch Sedimenteintrag." Aber nicht nur der Mensch dezimiert den Edelkrebs, sondern auch eigene Artgenossen. Durch die Ansiedlung amerikanischer Flusskrebsarten - etwa den Signalkrebs - ist die sogenannte Krebspest eingeschleppt worden. Die fremden Tiere sind Wirte für den Erreger, sterben aber im Gegensatz zum Edelkrebs nur in Ausnahmefällen daran.

Die Stadt hat jetzt auf Anweisung der Naturschutzbehörde im Landratsamt ein Ingenieurbüro eingeschaltet, um die Daten über das Edelkrebsvorkommen im Fickergrundwasser zu sammeln. Der Auftrag kostet die Stadt 1500 Euro.

Das Problem: Wegen der langen Trockenheit befindet sich dort derzeit kein oder kaum Wasser, daher haben sich wohl auch die Edelkrebse vorerst zurückgezogen. Wegener wird deshalb noch nicht nervös wegen des Zeitplanes für das Bauprojekt Lessingstraße. "Notfalls müssen wir die Verrohrung so belassen, wie sie ist. Nur, in ein paar Jahren haben wir dann womöglich das Problem, dass wir erneut in die Erde müssen, um größere Schäden am Fickergrundwasser zu beseitigen."

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1Kommentare
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  • 2
    2
    Tauchsieder
    01.11.2018

    Einfach so verfahren wie die Stadt Plauen und das Problem ist keins mehr.
    Beim Umbau des "Hammerparkes" wurde die Stadt darüber informiert, dass in diesem Teich und dem angrenzenden Milmesbach, aus dem der Teich gespeist wird, Edelkrebse vorkommen. Diese Aussage wurde mit der Behauptung vom Tisch gewischt das dies angeblich kein natürliches Vorkommen ist, man sie vielleicht nur eingesetzt hat und man deshalb darauf keine Rücksicht nehmen muss. Somit wurde die dortige Population beim Ausbaggern des Teiches vernichtet. Dabei spielte die Untere Naturschutzbehörde eine grottenschlechte Rolle da sie darüber informiert war, dass dieses Vorkommen schon lange der sächs. Fischereibehörde bekannt war.
    Somit machte diese Behörde im vorauseilenden Gehorsam den Weg für die Baumaßnahme frei.



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