Berg mit drei Namen soll Ausflugsziel werden

Die höchste Anhöhe auf Leukersdorfer Flur kennt man unter den Namen Schneckenberg, Irenenberg und 13-Linden-Höhe. Gut zugänglich ist der Aussichtspunkt trotzdem nicht. Ein junger Verein will das ändern.

Leukersdorf.

Mit Astscheren und Kettensägen ausgerüstet haben sich Josua Bergmann und Torsten Wünsch auf den Weg zum Schneckenberg gemacht. Ihr Vorhaben: Sie wollten die Büsche und Sträucher des völlig zugewucherten Geländes radikal zurückschneiden. Und sie haben damit im Wortsinne den Weg frei gemacht für ein Vorhaben des Heimatvereins Leukersdorf. Dessen Mitglieder wollen die markante Anhöhe bis zum Frühjahr in ein lohnendes Ausflugsziel verwandeln.

"Unser Ort hat bisher kein echtes Spazierziel. Der Schneckenberg ist mit 416 Metern über Normalnull die höchste Erhebung und ein markanter Aussichtspunkt. Hier haben früher auch schon einmal Bänke gestanden", erläutert Klaus Böhm die Wahl des Fleckchens. Man erreicht es über einen Feldweg, der neben der 1923 erbauten sogenannten Köhlerfabrik beginnt. Doch seit in den 1980er-Jahren ein Hochwasserbehälter auf der Anhöhe erbaut wurde, endet der Weg an einem Zaun etwa 100 Meter vorm eigentlichen Hingucker dieser sanft geschwungenen Anhöhe, einem offenkundig aufgeschütteten, kleinen Berg.

Bekannt ist die Stelle laut Ortschronist Eckhard Rehnert unter drei verschiedenen Namen: Als erster Name taucht Schneckenberg in einem Messtischblatt von 1907 auf. Woher die Bezeichnung kommt, ist nicht bekannt. Der Chemnitzer Unternehmer Konrad August Ulrich Pornitz, welcher das Rittergut unterhalb der Anhöhe 1918 erwarb, hat die zu seinen Ländereien gehörende Anhöhe dann nach seiner Frau benannt. So ist der Name Irenenberg entstanden. Keine schriftlichen Unterlagen gibt es zum dritten Namen: 13-Linden-Höhe. Bekannt ist allerdings, dass früher 13 Linden kreisförmig um den Hügel gepflanzt waren. "So kenne ich das noch aus meiner Kinderzeit", erinnert sich der 69-jährige Klaus Böhm.

Etwa die Hälfte der Bäume steht noch. Was es allerdings mit der Aufschüttung auf sich hat, weiß keiner im Heimatverein. Laut Ortschronist Rehnert kursieren mehrere Gerüchte. Die Vermutung, dass sie im 19. Jahrhundert bei der Suche nach Kohle entstanden ist, hält er für falsch. Auch die Annahme, dass sich hier Gräber aus napoleonischer Zeit befinden, hält er für unwahrscheinlich, obwohl es eine systematische Ausgrabung bisher nicht gab. Rehnert geht von einer eher unspektakulären Entstehung aus: "Entweder wurden früher die Lesesteine vom Feld an dieser Stelle aufgeschüttet, oder ein Rittergutsbesitzer hat den Hügel aufschütten lassen, weil er einen richtigen Berg haben wollte."

Doch ob geheimnisumwoben oder nicht: Der Heimatverein will die Anhöhe für Spaziergänger attraktiv machen. Der Hügel soll wieder von 13 Laubbäumen, nicht unbedingt Linden, umgeben sein. "Und die Gemeinde hat schon angekündigt eine Bank zu sponsern", freut sich Klaus Böhm.


Verein existiert seit Januar

Der Heimatverein Leukersdorf wurde auf Initiative von Klaus Böhm am 30. Januar 2018 von 14 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Vereinschefin ist Katrin Gränitz, zweiter Vorsitzender deren Schwiegervater Günter Gränitz. Schatzmeisterin ist Manja Bessinger.

Seit Juli ist der Heimatverein Leukersdorf im Vereinsregister eingetragen. Außerdem wurde ihm für zunächst drei Jahre der Status der Gemeinnützigkeit zuerkannt. Öffentlich vorgestellt hat sich der Verein erstmals zum Maibaumsetzen. Außerdem wurden in diesem Jahr zwei öffentliche Wanderungen durchgeführt, der Abriss der einstigen Rittergutsschenke "Goldener Anker" und der Teilabriss des Rittergutes dokumentiert.

Geplant sind eine Chronik zur Bebauung des Ortes und der Aufbau einer historischen Sammlung. Erste ortshistorisch interessante Dokumente und Gegenstände dafür wurden bereits von Privatpersonen zur Verfügung gestellt.

Der Verein trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat, 18 Uhr in der Sportgaststätte. (czd)

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