Besucher tauchen in Geschichte der Johanneskirche ein

Eine öffentliche Besichtigung von Kirchturm und Glocken hat die Niederwürschnitzer Kirchgemeinde am Samstag angeboten. Die Gäste konnten zur Führung viel lernen.

Niederwürschnitz.

Rund ein Dutzend Besucher haben sich am Samstag in der Niederwürschnitzer Johanneskirche eingefunden, um den Kirchturm zu besteigen. Der Anlass: Die Gemeinde muss in den nächsten Monaten das Geläut erneuern. Anderenfalls könnten die Glocken ab kommendem Jahr schweigen. Mit den Führungen auf den Kirchturm soll um Spenden für das Vorhaben geworben werden. "Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben, sich die alten Glocken noch einmal anzuschauen", erklärt Kirchenvorstand Lutz Holländer. Neugierigen wird damit auch vor Augen geführt, dass nicht allein das Gewicht der Eisenglocken dem Kirchturm zusetzt.

Doch bevor Kirchenführer Jochen Mehlhorn mit seinen Gästen über die schmale, steile Treppe den Turm erklimmt, macht er sie mit der Historie der Kirche vertraut. Angesichts der Tatsache, dass Niederwürschnitz bereits im Jahr 1447 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist es ein sehr junges Gebäude. Im Juni 1903 wurde der Grundstein gelegt und nach nur reichlich einem Jahr, im September 1904, wurde die Kirche geweiht. Im selben Jahr baute die Firma Schwisser aus Rochlitz die pneumatische, romantische Orgel. Etliche Buntglasfenster der Kirche wurden in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zerstört. Erhalten geblieben sind jedoch die Bleiglasfenster in der Sakristei. Eine Besonderheit ist zudem das hölzerne Taufbecken mit seinen aufwändigen Schnitzereien.

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Schließlich führt Jochen Mehlhorn die Besucher auf den Turm. Es geht am Blasebalg der Orgel vorbei, eine schmale, steile Stiege hinauf bis zum Uhrwerk der Turmuhr. Von hier aus haben die Besucher die Möglichkeit, einen Blick ins Dachgebälk über dem Kirchengewölbe zu werfen. Mehlhorn verweist auf eine Falltür, unter der sich der Zugang zum Lüster des Gotteshauses befindet. Danach geht es noch weiter hinauf bis zu den Glocken. "Keine Angst, die sind abgeschaltet", beruhigt Mehlhorn. Dann erklärt er, dass dem Geläut die Stilllegung droht, weil der inzwischen verrostete, stählerne Glockenstuhl im Mauerwerk verankert ist. Die beim Läuten entstehenden Kräfte werden so direkt aufs Gebäude übertragen. Der künftige Glockenstuhl aus Eiche soll frei stehen. Außerdem sollen die vier geplanten Bronzeglocken des neuen Geläuts auch von den derzeit massiven Verschmutzungen durch Vogelexkremente verschont bleiben. Geplant ist dafür der Einbau eines Gage-Einsatzes zusätzlich zu den Schall-Lamellen.

Etwa 63.000 Euro sind inzwischen an Spenden für das 300.000 Euro teure Glockenprojekt zusammengekommen. Benötigt werden über 100.000 Euro Eigenmittel. Die Besichtigung von Kirchturm und Glocken ist derzeit 14-tägig geplant. Daneben sind individuelle Termine möglich. Die nächsten öffentlichen Führungen mit Jochen Mehlhorn finden am 4. und 18. Mai statt, Beginn ist jeweils 14 Uhr.

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