Briefmarkensammler holen ferne Länder nach Hause

Das neue Pestalozzi-Haus ist Meinersdorfs ganzer Stolz. In einer losen Serie stellt "Freie Presse" die künftigen Nutzer vor. Heute: der Verein der Briefmarkensammler.

Meinersdorf.

Lupe und Pinzette, das ist die Grundausstattung der Mitglieder eines Vereins, der jetzt seine erste Zusammenkunft im neuen Pestalozzihaus Meinersdorf hatte. Für die 13 Mitglieder des Briefmarkensammlervereines Zwönitztal 1995 ist es ein besonderes Jahr. Sie feiern das 25-jährige Bestehen des Vereins. Regelmäßig treffen sie sich zum Fachsimpeln. Sie tauschen Neuigkeit aus der Philatelie aus, bereiten Ausstellungen vor oder schauen sich Alben aus dem Nachlass ehemaliger Sammler an. "Wir können aber nur eine grobe Bewertung abgeben, keine Schätzung", erklärt Johannes Weißbach.

Der erste Vorsitzende des Vereins hatte im Alter von fünf Jahren ein Schlüsselerlebnis: Ein Großonkel schenkte ihm seine Briefmarkensammlung. "Ich war hin und weg, bin hängen und bis heute dabei geblieben", erzählt der leidenschaftliche Sammler. "Als Kind freute man sich natürlich über jede Marke, die man bekommen konnte. Das war nicht immer einfach. Freunde und Bekannte wurden gebeten, ja keine Postwertzeichen wegzuwerfen." Die kleinen Schätzchen wurden dann von den Karten und Briefen abgeweicht. Ganz vorsichtig, denn nur vollkommen unbeschädigte Briefmarken schaffen es in die Alben.

Seit seinem sechsten Lebensjahr sammelt Klaus Zumpe Briefmarken. Geld für sein Hobby hat er sich als Kind und Jugendlicher mit dem Zusammentragen und Abgeben von Papier, Flaschen und Schrott verdient - und dann auch eisern jeden Pfennig Taschengeld sofort in Marken investiert. Früher oder später kam aber bei allen, die sich näher mit der Materie beschäftigten, die Erkenntnis: Alles zu sammeln geht einfach nicht. So hat sich Klaus Zumpe auf die Länder Deutschland und Österreich, Thomas Beckert auf Stempel, Sachsen - kurz auf Heimatphilatelie -, Harald Keller auf Helgoland und Segelschiffe und Martin Ruppert auf Weltraum- und DDR-Marken spezialisiert. Bei Jürgen Viehweger dreht sich alles um die Eisenbahn. Marken zu diesem Gebiet füllen inzwischen 13 Alben: "Vom ersten Westgeld habe ich mir einen Katalog gekauft und damit einen Herzenswunsch erfüllt."

Auch bei Johannes Weißbach ist die anfängliche Euphorie geblieben. Von Lehrern in der Schule bekam er Adressen von Tauschpartnern aus der ganzen Welt. Schnell hatte der Schüler Kontakt zu Sammlern aus zwölf Ländern, unter anderem aus Amerika, Australien, Tansania und Malaysia. Beim Übersetzten der in englischer Sprache und meist handschriftlich verfassten Rückantworten halfen ihm die Lehrer. Auch als er aus Neuseeland innerhalb kurzer Zeit 200 Briefe bekam, war er für Unterstützung dankbar. "Es ist schon eine aufregende und spannende Zeit gewesen", erinnert sich Johannes Weißbach. Denn ganz einfach und ungefährlich ist der Auslandstausch nicht gewesen. Damit man keinen Ärger bekam, mussten vor der politischen Wende strenge Formalitäten beachtet werden. Inzwischen hat sich Johannes Weißbach auf Marken aus aller Welt spezialisiert. Pro Land fertigt er eine Seite an. Darauf kommen 20 bis 30 Briefmarken, aber auch eine Kurzbeschreibung und Informationen zu Währung oder Aussehen der Fahne. An die 300 Länder - einige gibt es gar nicht mehr - hat er fertig.

Gerne stellen die Mitglieder des Briefmarkensammlervereines Interessenten ihr abwechslungsreiches Hobby vor. Die nächste Briefmarkenausstellung mit Großtausch findet am 21. März, 13 Uhr im Gemeinschaftsraum des Vereinshauses, Pestalozziweg 4 in Burkhardtsdorf statt.

Alle Beiträge der Serie über das Pestalozzi-Haus von Meinersdorf lesen Sie unter im Internet unter:

www.freiepresse.de/pestalozzi

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