Briefwechsel skizziert Umstände des Lebens

Neues Buch über Künstlerfreundschaft - mit dabei ist Carlfriedrich Claus

Annaberg-Buchholz.

Mit Kürzeln wie bb für "bis bald" oder wmd für "Was machst du?" wird heute schnell mal eine Nachricht ins Smartphone getippt. In Zeiten von Messenger-Diensten scheint das Schreiben von Briefen mit ausführlichen Schilderungen aus der Mode gekommen zu sein. Doch solche kann man jahrzehntelang bewahren und beim Lesen einen Einblick in Beziehungen und Lebensumstände bekommen. Das ermöglicht auch ein neues Buch, herausgegeben vom Kunstkeller Annaberg und dem Chemnitzer Verlag. Im Mittelpunkt: eine Künstler-Freundschaft.

"Nun schauen mich immer mindestens vier Augen an" lautet der Titel der mehr als 400 Seiten umfassenden Neu-Erscheinung. Darin zu finden ist der Briefwechsel zwischen Carlfriedrich Claus, der sich selbst als Autor verstanden hat und etwa für seine Sprachblätter bekannt ist, sowie dem Literatenpaar Christa und Gerhard Wolf. Jahrzehntelang pflegten sie ihre Verbindung, der Austausch in Briefen deckt einen Zeitraum von 1971 bis 1998 ab.

Claus wurde 1930 in Annaberg geboren und hat Jahrzehnte in der Stadt gewohnt. In der DDR lebte und arbeitete der Künstler aber weitgehend isoliert und unter extrem schwierigen Umständen, wie es im Vorwort von Brigitta Milde heißt. Das wird auch in den Briefen deutlich. So schreibt Claus 1974: "Meine etwas depressive Stimmung hatte, wie ich eben erfahre, objektive Ursache: Herr Schmidt schreibt, dass er bei der Kommission mit meinen drei Blättern auf Widerstand gestoßen sei, den er zunächst nicht überwinden konnte ..."

Noch heute kann man den ehemaligen Arbeits- und Wohnort des Künstlers besuchen, darin befindet sich der Studienraum Carlfriedrich Claus. Wie wichtig jener Ort für ihn war, auch das spielt im Briefwechsel eine Rolle. Der Künstler im März 1975: "Das Psychoklima Annaberg ist - das wurde mir bei unserem Pöhlbergrundgang wieder einmal in aller Klarheit bewusst - ausgesprochen lau. Sächsisch-kleinbürgerliche Selbstzufriedenheit, Gemütlichkeit herrschen hier. Diese Lauheit kann allerdings - wie ich schon manchmal erfuhr - recht bösartig werden: eben gegen Heisses oder Kaltes, das nicht klein beigibt, lau wird." Und weiter: "Ich wohne hier und lebe doch nicht hier. Das geht dank der spezifischen Lage meiner Wohnung sogar ohne schwerwiegendere Komplikationen." Kunst, Politik, das Zeitgeschehen und Persönliches: All das spielt in den Zeilen eine Rolle, erklärt Jörg Seifert, Leiter des Kunstkellers Annaberg. Dieser hatte sich etwa um die Finanzierung und um Arbeiten im Hintergrund gekümmert. Buchprojekte gehören von jeher zum Schaffen des Vereins.

Das Buch "Nun schauen mich immer mindestens vier Augen an" ist zum Preis von 29,90 Euro in den "Freie Presse"-Geschäftsstellen erhältlich. ISBN 978-3-944509-57-0.

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