Burkhardtsdorf streitet: Schulcampus oder Wochenmarkt?

Es war beschlossene Sache, dass der Marktplatz zum Pausenhof ausgebaut wird. Ausreichend Platz für die Händler bliebe dennoch. Trotzdem ist im Technischen Ausschuss eine Grundsatzdiskussion geführt worden. Selbst innerhalb der Fraktionen herrscht Uneinigkeit.

Burkhardtsdorf.

Die Kuh war längst vom Eis: die Autos verschwinden vor den Schulen, die Händler weichen aus, der Marktplatz wird zum Schulcampus. Als es am Montag allerdings darum ging, die ersten Planungen für rund 7300 Euro zu beauftragen, wurde es im Technischen Ausschuss grundsätzlich. Jürgen Pilz (CDU) meldete vorsichtig Gesprächsbedarf zum Thema Wochenmarkt an. Den Bürgern müsse Leben im Ortskern geboten werden. Wolfgang Schneider (Allgemeine Liste) schloss sich an und schoss aus allen Rohren. Der Marktplatz sei wichtig für Burkhardtsdorf. Greife man diesen an, sei das eine heiße Sache. "Wir greifen in den Ortskern ein mit massiven Dingen", klagte Schneider. Auch dass das Kriegerdenkmal verlegt werden solle, gefiele ebenfalls nicht jedem im Ort.

Hintergrund: Bürgermeister Thomas Probst (CDU) träumt schon lange von einem Schulcampus auf dem jetzigen Marktplatz. Da aktuell rund 700 Schüler die Ober- und die Grundschule besuchen und diese Aufenthaltsfläche benötigen, gibt es zudem Handlungsdruck. Eine grobe Skizze, wie der künftige Schulcampus - übrigens mit Raum für Schüler, Autos und Markthändler - aussehen könnte, ist bereits mehrfach in den Gremien diskutiert und etwa mit den Schulleitern und der Kirche abgestimmt worden. "Die Skizze ist die Grundlage für das, was wir jetzt planen wollen", sagt Fachbereichsleiter Jörg Spiller gegenüber "Freie Presse". Am Montag sollte der Technische Ausschuss nun eine professionelle Planung beauftragen. Teil des Auftrages ist eine Kostenschätzung des Gesamtprojektes und die Einbindung von Gewerbetreibenden, Anliegern und den Schulen.

Bürgermeister Probst war am Montag von der Debatte und speziell deren Heftigkeit überrascht. Zunächst versuchte er noch, die Auftragsvergabe mit Hinweis auf die geübte Praxis im Ort durchzudrücken. Schnell war klar, dass Schneider sich nicht so einfach würde einfangen lassen. "Lasst uns doch die Planung beauftragen und dann schauen wir, was davon vermittelbar ist", warb Probst für eine pragmatische Herangehensweise. Dann könne den Bürgern - nötigenfalls bei einer Einwohnerversammlung - vorgestellt werden, was geplant sei und welche konkreten Auswirkung das habe.

Den Vorschlag unterstützte Ortsvorsteher Hendrik Drechsel (CDU): "Einen Kompromiss für den Wochenmarkt finden wir dann bestimmt auch. Dabei ist es nicht so, dass die Verwaltung die Markthändler aus dem Blick verloren hätten. Diese könnten ihre Waren im vorderen Teil des Schulcampus' anbieten, neben dem Reisebüro oder auf dem Topfmarkt. Schneider sieht auch den Bereich auf der anderen Seite des Rathauses als Alternative. "Die Sonne zu kaufen und abzureißen ist ungleich teurer", gab Probst zu bedenken. Zudem wohne dort noch eine Bürgerin, über deren Haus nicht so einfach zu verfügen sei.

Gegenwind für Schneider kam auch aus den eigenen Reihen. Ingo Schulz merkte an, dass bei der aktuellen Situation, die Grundschüler im Matsch spielen müssten: "Und wir bekommen es nicht hin, einen Schulcampus zu planen. Ich verstehe die Debatte nicht."

Schlussendlich löste der Ausschuss den Auftrag aus. Wolfgang Schneider enthielt sich dabei der Stimme.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...