Campus für sechs Millionen Euro: Das Bangen des Bürgermeisters

Albrecht Spindler über das bislang größte Vorhaben in Jahnsdorf: Das Projekt am Evangelischen Schulzentrum

Der Schulträger kümmert sich um die Lerngebäude. Die Kommune will massiv in große Sportanlagen und eine -halle, dazu Kunstrasenplatz und Basketballfeld auf dem geplanten neuen Campus in Leukersdorf investieren. Auf dem Gelände sind auf wenig Platz Mittelschule und Gymnasium untergebracht. Doch die Gemeinde muss die Hälfte des 6-Millionen-Projektes aus eigener Tasche finanzieren. Zwar hat Jahnsdorfs Bürgermeister dafür einen einstimmigen Beschluss des Gemeinderates. Doch noch gibt es viele Fragen. Jan Oechsner sprach mit Spindler.

"Freie Presse": Der Campus soll doppelt so viel kosten wie einst das teure Freibad. Übernimmt sich Jahnsdorf?

Albrecht Spindler: Es stimmt, dass wir mit dem Projekt wieder die Schallmauer des bisher größten Vorhabens durchbrechen werden. Dementsprechend groß ist der Druck, dass wir dies in puncto zeitlichen und finanziellen Rahmen schaffen.

Ist das Riesenprojekt bei den Bürgern schon angekommen?

Ich denke, noch nicht wirklich. Dies liegt wohl daran, dass es bislang nicht diese große Geräuschentwicklung in Sachen Negativschlagzeilen dazu gegeben hat. Diesmal ist der Standort sicher und mit dem Evangelischen Schulverein haben wir einen Partner an der Seite, der das Vorhaben sachlich und aufgeschlossen unterstützt. Ich denke, wenn ich die nächsten Entwürfe präsentieren kann, spätestens aber wenn die Rohbauausmaße vor Ort erkennbar werden, wird es in das Bewusstsein der Bürger Einzug halten. Das ganze soll ja auch dem Ort und dem Vereinssport helfen. Sehen Sie, die beiden jetzigen Turnhallen sind bereits alt: Die Leukersdorfer als Typenbau stammt aus den 1980er Jahren, die Jahnsdorfer Halle ist von 1907.

Der Campus hat ja auch eine Magnetfunktion für neue Familien. Neben Grundschule gibt es auch Mittelschule, Gymnasium.

Genau. Ich denke, langsam wird erkennbar, wo ich mit der Gemeinde hin will - und vor allem wie: Attraktiv zu sein für junge Familien. 2016/2017 haben wir den Sportplatz Am Mahlteich an der Grundschulturnhalle komplett saniert, kurz danach entstand unten an der Schule eine hochwertige Außenanlage mit Bolzplatz, Tischtennisplatte, Basketballanlage. Im Campus Leukersdorf sind natürlich Handlungsdruck und Möglichkeiten gleichermaßen größer, sodass wir nachlegen müssen.

Der Handlungsdruck ist enorm. Sie brauchen dieses Jahr noch die Zusage für Fördergelder, damit das Projekt finanzierbar bleibt. Wie stehen die Chancen?

Nicht schlecht. Die Sächsische Aufbaubank hat eine Förderung in Aussicht gestellt, sofern alle notwendigen Unterlagen rechtzeitig eingereicht werden können. Daran arbeiten wir mit unserem Planungsbüro auf Hochtouren. Gewissheit werden wir allerdings erst am Jahresende haben. Davon hängt vieles ab.

Wenn es aber dieses Jahr nicht mehr klappt: Welche Auswirkungen hätte das?

Womöglich sehr gravierende: Laut Sächsischer Aufbaubank könnte das Programm der Sportstättenförderung für 2020 schon deutlich überzeichnet sein, sodass die Luft da immer dünner wird. Ich will nicht schwarz malen, aber einfacher wird es nächstes Jahr sicher nicht, an Geld zu kommen - insbesondere bei dieser Höhe. Ein weiteres Programm - die Vitalen Dorfkerne - scheint bereits mehrfach überzeichnet, bevor der eigentliche Förderaufruf veröffentlicht wurde. Viele Chancen werden wir daher nicht haben. Schulträger und -leitung kennen unsere Pläne ebenso wie die knappe Zeit - aber eben auch die Abhängigkeiten, bereiten sich daher in verschiedenen Szenarios auf die nächsten Jahre vor.

Und dann wird alles noch teurer.

Zur Wahrheit gehört, dass wir ein solches Projekt noch vor zehn Jahren kostengünstiger hätten realisieren können. Das liegt in der Dynamik der Baupreisentwicklung begründet - und die nimmt weiter zu. Im Jahr 2012 haben wir für knapp 1,5 Millionen Euro unser Freibad komplett saniert - heute kostet der Gerätehausneubau in Pfaffenhain schon 1,07 Millionen Euro.

Könnte das Projekt auch gänzlich platzen - weil immer teurer und immer ungewisser, wann welche Fördergelder kommen?

Nein, die Frage stellt sich nicht. Es ist ja der Druck da, dass wir mit dem Schulträger schnell etwas schaffen wollen und müssen. Zudem hat das Projekt im Gemeinderat fraktionsübergreifende Unterstützung. Wohl ein Beleg dafür, dass alle erkennen konnten, dass der Campus als Alleinstellungsmerkmal für uns als kleinere Gemeinde am Rande des Oberzentrums von entscheidender Bedeutung werden kann.

Könnte Jahnsdorf notfalls auch ohne Fördergelder bauen?

Nein.

Sind Sie nervös angesichts der Herausforderung?

Als Bürgermeister ist das für mich natürlich eine einmalige Chance, die man nie wieder bekommt und so sehe ich das auch für unseren Ort. Es ist ein großes Glück, dass beide - Jahnsdorf und ich als Rathauschef - diese Chance jetzt bekommen. Zumal wir finanziell gut stehen, unsere finanziellen Reserven haben wir trotz eines steigenden Investitionsniveaus kontinuierlich ausgebaut. Wir haben eine Ausgangslage, die uns erlaubt, ohne Kredite Projekte wie den Campus zu planen.

Das klingt sehr euphorisch.

In der Verwaltung bearbeiten wir das Projekt natürlich prioritär. Der Schulträger hat bereits zu einer vergangenen Ratssitzung auf die Dringlichkeit hingewiesen, ist aber selber unter Druck, da auch die Schule an sich mehr Kapazitäten benötigt. Die Stimmung ist angespannt - die von Ihnen angesprochene Euphorie kommt mit dem Zuwendungsbescheid für die Fördergelder.

Drei Millionen Euro sind kein Pappenstiel. Geld für ein Projekt, das anderswo fehlt. Oder?

Die Jahre 2020 und 2021 weisen bei der Investitionstätigkeit im aktuellen Planentwurf jeweils einen Finanzmittelfehlbedarf von 2,95 und 3,35 Millionen Euro aus. Aus eigener Kraft erwirtschaften wir allerdings in beiden Jahren etwas mehr als 1,1 Millionen Euro für Investitionen. Somit müsste der Rest aus unserer "Sparbüchse", der Liquiditätsreserve kommen. Folglich muss ab 2022 wieder mit weniger Investitionen geplant werden. Fest steht: Mit der Fabriksanierung in Jahnsdorf und vor allem dem Campusprojekt binden wir mittelfristig einen Großteil unserer Investitionskraft.

Oder Sie nehmen einen Kredit auf? Wie damals beim Freibad.

Notfalls. Unsere Gesamtverschuldung liegt bei 1,5 Millionen Euro, das ist sehr überschaubar. Zinsen fallen noch dazu aufgrund der derzeitigen Marktsituation keine an, sodass der aktuelle Kapitaldienst notfalls auch den Gedanken an einen zusätzlichen Kredit erlauben würde. Bisher war das aber kein Thema.

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