Corona: Die (Mini)Welt dreht sich weiter

Mut fassen 2020: Mit dem Ausbruch der Pandemie brach für viele eine Welt zusammen. Die Zeit von Home-Office und Kurzarbeit bot aber auch Chancen: Heraus aus eingefahrenen Gleisen, neue Ideen und viel Kreativität.

Lichtenstein.

Es grünt und blüht in der Lichtensteiner Miniwelt. Das Wetter hat einige Besucher angelockt, die verhüllt mit Mund-Nase-Schutz an der Kasse Tickets kaufen. Im Gelände mit den mehr als 100 Modellen von Monumenten aus aller Welt ist die Vorsichtsmaßnahme nicht nötig, Abstand halten ist wegen der Weitläufigkeit des Areals kein Problem. Den gewohnten Andrang verbucht der Landschaftspark noch nicht. Doch langsam erholen sich die Besucherzahlen wieder.

Die Coronazeit hat die Saison der Miniwelt um etliche Wochen verkürzt. "Das können wir nicht mehr aufholen, aber resignieren kam für uns nicht infrage", sagt Miniwelt-Sprecherin Claudia Schmidt. "Ich kann mit gutem Gewissen sagen, ich habe mich in dieser Zeit selbst weiter entwickelt. Ich war irgendwie auch gezwungen, die eingefahrenen Gleise zu verlassen." Auf einmal galt: Wenn die Besucher nicht zur Miniwelt kommen können, dann kommt eben die Miniwelt zu den Menschen nach Hause. "Wir haben alle gelernt, dass man sich auch nah sein kann, wenn man weit voneinander entfernt ist. Und dass Krisensituationen kein Grund sind, die Hände in den Schoß zu legen oder gar den Mut zu verlieren", sagt Claudia Schmidt.

Die kleine große Welt der Miniaturen machte sich im World Wide Web etwas breiter als bisher. "Wir haben den Instagram-Kanal mehr bespielt und versucht, mit anderen Medien die Leute zu erreichen", erklärt sie. Sie tüftelte Ideen aus, um die Miniwelt nicht nur bei den Stammbesuchern in Erinnerung zu halten, sondern auch jene für den Landschaftspark zu interessieren, die ihn noch nicht kennen. So entstanden mehrere Videoclips mit interessanten Details zu einzelnen Nachbauten. "Das war gar nicht so einfach. Ich habe mir jedes Mal ein kleines Drehbuch erarbeitet für die anderthalb bis drei Minuten." Wer weiß denn schon, dass die Gesamtfläche der Miniwelt fast genau der Original-Grundfläche der großen Pyramide von Gizeh entspricht? Auch die musikalische Rundreise durch den Park schauten sich viele Leute im Internet an. "Ich bin dadurch selbst auch ein Stück kreati ver geworden", sagt Claudia Schmidt.

Für dieses virtuelle Abenteuer hatte sie beim Zeitsprungland gedanklich Anleihe genommen. Geschäftsführerin Marika Schwarz stand quasi mit ihren virtuellen Osterausflugszielen bei dieser zündende Idee Pate. Die Miniweltler strickten das Ganze auf ihre Bedürfnisse um. "Die Krise hat vielen Leuten Zeit verschafft, die sie einfach am Laptop verbracht haben. Das Internet war das wichtigste Mittel, um risikofrei Kontakt zu halten", sagt die Miniwelt-Sprecherin.

Beim Diskutieren mit den Kollegen über die Themen der Clips sei auch die Truppe näher zusammengerückt. "Noch immer ist die Belastung für alle enorm, aber das schweißt uns zusammen. Und noch etwas haben wir gelernt: immer schön auf die Gesundheit achten."


"Die Leute sind jetzt mehr für Themen wie Regionalität und Nachhaltigkeit sensibilisiert"

Ute Prüstel (53) betreibt den Bioladen "Natürlich Prüstel" in der Hohenstein-Ernstthaler Stadtpassade. Markus Pfeifer hat sich mit ihr unterhalten.

Freie Presse: Kaufen die Menschen jetzt bewusster ein ?

Ute Prüstel: Das Gefühl habe ich schon. Die Leute sind jetzt mehr für Themen wie Regionalität und Nachhaltigkeit sensibilisiert. Ich denke, sie wollen sich gute Lebensmittel leisten. Wir hatten mehr Zulauf, auch deshalb, weil die Leute den Trubel in den großen Märkten nicht wollten.

Glauben Sie, dass das so bleibt ?

Ich hoffe es. Wir haben auf jeden Fall neue Kunden gewonnen. Ich glaube, die bleiben auch. Es ist auch längst nicht so, dass es nur Besserverdienende sind. Manche Leute kaufen jetzt auch weniger, aber eben hochwertiger und regionaler. Das wünsche ich mir auch für die anderen Geschäfte in Hohenstein-Ernstthal, die sind wichtig für eine lebendige Innenstadt.

Wie regional kann der Lebensmittelhandel wirklich sein?

Natürlich brauchen wir auch einen Großhändler. Der sitzt in Erfurt und arbeitet mit vielen kleinen Erzeugern zusammen. Auf funktionierende Lieferketten ist man da natürlich auch weiterhin angewiesen. Direkt aus der Umgebung bekommen wir beispielsweise Fleisch und Wurst vom Biohof Vogel in Erlbach-Kirchberg, Brot vom Guidohof in Uhlsdorf oder Öl aus Reinholdshain.

Könnten Sie noch mehr Produkte aus der Region ins Sortiment nehmen?

Wir entscheiden uns für Partner, die den Biogedanken wirklich leben und unterstützen. Es sollen eben nicht die sein, die jetzt nur auf den Zug aufspringen und mit Bio verdienen wollen, so wie die großen Ketten. Es könnten mehr Produzenten aus der Region sein, aber viele Betriebe tun sich da schwer. Das Angebot an Biolebensmitteln kann mit der Nachfrage nicht mithalten. mpf

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