Corona hält Erzgebirger "downunder" fest

Die Pandemie erwischt ein Paar aus Leukersdorf in Neuseeland - dem Sehnsuchtsort ihrer Weltreise. Dann kam vieles anders.

Rotorua/Leukersdorf.

Drei Wochen nach der Einreise in Neuseeland endete für Stefanie Siegel (29) und Marko Mothes (32) aus Leukersdorf die Entdeckungstour durch den ozeanischen Inselstaat abrupt: Corona-Lockdown. "Der Lockdown kam wie aus dem nichts und innerhalb von zwei Tagen sollte sich jeder einen festen Standort suchen", erinnert sich Mothes. So hatte sich das Ehepaar den Sehnsuchtsort ihrer Weltreise nicht vorgestellt. Schließlich hatte das entdeckungsfreudige Duo Neuseeland bis dahin schätzen gelernt. Gerade die abwechslungsreiche Landschaft mit den schneebedeckten Gipfeln, Fjorden und rauen Küsten hat die Erzgebirger überwältigt. "In Neuseelands Landschaften fühlt man sich wie in einem Bild von van Gogh", beschreibt Siegel ihre Eindrücke. Daher war eine vorzeitige Rückkehr keine Option.

Doch neue Eindrücke sollten durch den Lockdown weniger spektakulär ausfallen. "Unser Glück war, in einem Ferienhaus einer neuseeländischen Familie unterzukommen", sagt Marko Mothes. "Nur so konnten wir die Zeit finanziell überbrücken." Der Kontakt war zufällig durch den Kauf und gemeinsamen Umbau eines Camper-Vans entstanden. Fortan haben sich die Sachsen um den Garten gekümmert und die eigene Fitness aufrecht erhalten. Zum Tagesprogramm gehörten nun auch die Vorkehrungen der Regierung aus dem Fernsehprogramm. "Neben dem Zeitvorteil und der isolierten Lage Neuseelands war der stufenweise, einheitliche und straffe Umgang der Politik mit dem Corona-Virus ein großer Erfolg", beurteilt das Ehepaar die örtliche Strategie. Kreative Werbebotschaften in allen Medien, sofortige Limitierungen bei Grundnahrungsmitteln oder Kinderlieder über das richtige Händewaschen seien ihnen als gute Beispiele zur Bekämpfung des Virus in Erinnerung geblieben. Mittlerweile erlebe Neuseeland eine touristische Renaissance mit wenig Touristen und dafür fairen Preisen.

Rückblick: Die Idee einer Weltreise war schon zu Studienzeiten präsent. Doch zunächst galt es für beide, im Job Fuß zu fassen. Marko Mothes leitete vor der Weltreise ein kleines Projekt zur Vermarktung von E-Bikes. Stefanie Siegel war als Gruppenerzieherin in einer Krippe tätig. Mothes' auslaufender Job war dann der Startschuss im Januar 2019 für die Weltreise. Erste Station: Südamerika. In den fünf Monaten entwickelten sich die Leukersdorfer schnell zu abenteuerlustigen Individualreisenden und erlebten manche Höhepunkte. Etwa einen Vulkanaufstieg in Chile mit anschließender Schlittenfahrt. "Wir bekamen einen Eispickel und einen Rutschteller und sausten eine spartanisch angelegte Spur hinab", erinnert sich Mothes. Bleibende Eindrücke hinterließ auch der Besuch einer bolivianischen Silbermine. "Zuvor kauften wir für die Arbeiter legal drei Stangen Dynamit in einem kleinen Kiosk", sagt Siegel. Schnorcheln mit Seelöwen auf den Galapagos-Inseln oder die Erkundung einer verlorenen Stadt im Dschungel Kolumbiens rundeten die Eindrücke ab. "Nach zehn Stunden Busfahrt und mit 20 Kilo auf dem Rücken, sich bei Hunderten von Anbietern die beste Tour auszusuchen und dann noch ein fairen Preis auf Spanisch zu verhandeln, brachte uns manchmal an unsere Grenzen", räumt Mothes ein.

Nach einem gesundheitsbedingten Zwischenstopp in Deutschland stand für Mothes und Siegel Asien auf dem Programm: Transsibirische Eisenbahn, Zeltübernachtung auf einem Wachturm der Chinesischen Mauer, Freiheitshymne während der Proteste in Hongkong oder Orang-Utan-Begegnungen im indonesischen Dschungel. Neben diesen magischen Momenten sammelte das Ehepaar aber auch negative Eindrücke. "Wir sahen Berge von Plastik in Wäldern und Meeren, rücksichtslose Ausbeutung von Tieren, Kinderarmut in Kambodscha, Luftverschmutzung in Vietnam oder in Burma Kinder in vermüllten Flüssen baden", erzählt Siegel. "Unser Ziel ist es nun, selbst einen viel kleineren ökologischen Fußabdruck als bisher zu hinterlassen. Auf der Reise wurde uns viel eindrücklicher bewusst, wie wichtig eine intakte Natur für jetzige und nachfolgende Generationen ist", ergänzt Mothes.

Das Paar ist nun seit vier Monaten in Neuseeland. Wie sehen die weiteren Pläne aus? Das ist noch nicht entschieden. Neue Corona-Fälle vor Ort lassen die Hoffnung auf eine baldige Weiterreise nach Australien oder andere Pazifikstaaten schwinden. Somit wächst die Vorfreude, schon bald wieder zu Familie und Freunden ins Erzgebirge zurückzukehren. Das Fazit der Reise fällt trotz allen Unbilden positiv aus: "Wir haben jeden Tag genossen und der Verzicht auf wesentliche Dinge, wie ein warmes Bett oder eine komfortable Wohnung, konnten unseren Erlebnishunger nie bremsen", sind sich beide einig.

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