Další pivo und ein paar Vokabeln, bitte!

Tschechisches Bier kennt fast jeder. Die tschechische Sprache würden viele Erzgebirger gern besser können. Der Klub Tschechisch-Deutsche Partnerschaft geht es an.

Olbernhau.

"Další pivo, prosím!" Da schwingt ein bisschen was von "dalli" mit, und das passt auch ganz gut, denn auf Deutsch heißt dieser tschechische Satz "Noch ein Bier, bitte". Zwei Mal im Monat, manchmal öfter, wird er von deutschen Zungen in der tschechischen Kneipe "U Partika" in der Stadt Litvinov intoniert - zunehmend akzentfreier.

Hier trifft sich regelmäßig der harte Kern des Klubs Tschechisch-Deutsche Partnerschaft. Die deutschen Mitglieder wollen die Sprache lernen, die Tschechen umgekehrt ebenso. Es ist ein Geben und Nehmen unter Freunden. "Das hier ist unsere Klubzentrale", sagt Vladan Renák (44). "Beim Partisan" - nichts anderes heißt "U Partika" - haben sie inzwischen ihren eigenen Stammtisch und der Wirt ist Klubmitglied.

Vladan Renák ist Grundschullehrer für Englisch und Deutsch. Seit einem Jahr unterrichtet er aber auch Erwachsene wie Lars Helbig (46) und Steffen Träger (52), die beide aus Olbernhau kommen. Ebenfalls am Tisch sitzt dann Karel Jiracek (37) aus Litvinov. Die vier sind die Gründungsmitglieder des Klubs.

"Ich bin gerne in Tschechien und habe mir gewünscht, die Sprache besser zu verstehen", sagt Lars Helbig. "Außerdem wollten wir herauskriegen, wie die Tschechen leben." Karel Jiracek wiederum wollte Deutsch lernen, für einen Job. Vladan Renák arbeitete damals in Olbernhau, man kannte sich über die von Steffen gegründeten Brandauer Heimatfreunde, die Chemie stimmte, und so kam eines zum anderen.

Aus der Sprachlernrunde ist innerhalb eines Jahres eine rasant wachsende Facebook-Gruppe mit 850 Mitgliedern geworden. "Der Klub soll ein Instrument sein, die Leute einander näherzubringen", sagt Vladan Renák. Die Mitglieder stammen aus dem gesamten Erzgebirge. Mittlerweile bietet der Klub auch Exkursionen an, zuletzt auf den Spuren des alten Brüx - der Altstadt des heutigen Most -, das zu großen Teilen dem Braunkohlenabbau weichen musste. Bisher führten alle Ausflüge nach Tschechien. 2020 soll es erstmals welche auf der deutschen Seite des Erzgebirges geben.

In tschechischen Gaststätten bestellen die deutschen Klubmitglieder inzwischen in der Landessprache. "Die Tschechen lernen schneller Deutsch als wir Tschechisch", sagt Lars Helbig. Vladan Renák weiß, woran das liegt: "Tschechisch ist eine sehr schwierige Sprache. "Wer die kann, lernt alles andere leichter." Steffen Träger nickt: "Liebesschwüre auf Tschechisch sind kompliziert." Er ist mit Ivana liiert, die aus Mähren stammt und in Oberwiesenthal arbeitet. Die beiden verständigen sich halb Deutsch, halb Tschechisch. "Das funktioniert", sagt er.

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