Damit die Luft länger reicht

Rund 60.000 Exponate zählt die Sammlung des Bergbaumuseums, nur ein Bruchteil ist zu sehen. Nun werden einzelne Stücke als "Objekt des Monats" vorgestellt. Aktuell ist es ein Atemschutzgerät.

Oelsnitz.

Zunächst die Fakten zum Objekt des Monats Mai: Es handelt sich um ein sogenanntes Drägergerät der Grubenwehr K.G. Modell 130. Hergestellt wurde es Anfang der 1930er-Jahre im Drägerwerk Heinrich und Bernhard Dräger in Lübeck. Die verwendeten Materialien: Blech, Gummi und Stoff.

"Das Dräger-Sauerstoff-Klein-Gasschutzgerät Modell 130 ist kein wirkliches Bergbaurettungsgerät", erklärt Matthias Hempel, im Bergbaumuseum für Dokumentation/Ausstellung zuständig. "Es wurde ursprünglich für Feuerwehren entwickelt." Es sei aber, besonders in Sachsen, von den Grubenwehren verwendet worden. Die Einsatzdauer habe etwas mehr als eine Stunde betragen. Die Wirkungsweise: Die ausgeatmete Luft wird durch Alkali von der Kohlensäure befreit, sodass die gereinigte Luft erneut eingeatmet werden kann. Bei Sauerstoffmangel erfolgte ein Warnsignal.


1904 hatte das Drägerwerk ein erstes Atemschutzgerät vorgestellt. Es enthielt als entscheidenden Entwicklungsschritt auf diesem Gebiet erstmals eine Kohlensäurepatrone zur Reinigung der Atemluft in einem geschlossenen Atemkreislauf. Bereits seit den 1890er-Jahren waren unter bergbehördlicher Aufsicht auf dem Oelsnitzer Kaiserin-Augusta-Schacht vielfältige Versuche mit Rettungsgeräten unternommen worden. 1907 schließlich nahm die erste Unfallhilfestelle in Oelsnitz ihren Dienst auf.

Das Atemschutzgerät wurde auch aufgrund einer gerade eröffneten Sonderausstellung als Objekt des Monats ausgewählt: Die Schau "150 Jahre Grubenkatastrophe auf der Neuen Fundgrube in Lugau" erinnert an das Unglück, das am 1. Juli 1867 101 Bergleute im Alter zwischen 14 und 59 Jahren in den Tod riss. Matthias Hempel: "Auch mithilfe solcher Schutzgeräte stieg später die Chance der Verschütteten, noch rechtzeitig geborgen zu werden."

Wie zu jedem Monatsobjekt machen die Museumspädagogen der Einrichtung auch zum Atemschutzgerät ein Angebot. Dieses bezieht die aktuelle Sonderschau zum Grubenunglück von Lugau ein. Museumspädagogin Marion Dittmann: "Es besteht die Möglichkeit, die Sonderausstellung anzuschauen und dann passt für ältere Schulkinder, besonders in Deutsch und/oder Ethik, dass sie sich in die Rolle eines Angehörigen versetzen und einen Erinnerungs-Brief an den Vater, Freund oder Bruder schreiben, der im Bergwerk vermisst wird." Alternativ könne statt der Sonderschau auch ein Film über das Grubenunglück von Zwickau angesehen werden.

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