"Das ist damals Hightech-Land gewesen"

"Freie Presse"Stollberg und der Kulturbetrieb verlassen mit der nächsten Erlebniswanderung wieder einmal den Altkreis Stollberg. Das Ziel ist die Bergbaulandschaft von Schneeberg-Neustädtel, wo es so viel zu erzählen gibt, dass Wanderleiter Hermann Meinel sagt: Die Leute werden wieder kommen.

Stollberg/Schneeberg.

Wenn Hermann Meinel über die Landschaft in und um Schneeberg oder die Bergbauvergangenheit der Region spricht, ist seine Begeisterung nicht zu überhören. Es gebe so viel Wissenswertes zu erzählen und Interessantes anzuschauen, sagt er im Hinblick auf die bevorstehende Erlebniswanderung von "Freie Presse"Stollberg und dem Kulturbetrieb des Landkreises. Und so stellt er auch gleich klar: Diese Wanderung kann nur dazu dienen, das Thema Bergbaulandschaft anzureißen und Neugier zu wecken. "Ich gehe davon aus, dass die Leute wiederkommen, wenn es sie interessiert", erklärt der 60-Jährige.

Hermann Meinel ist in Stollberg geboren und zunächst in Leukersdorf bei Jahnsdorf aufgewachsen. Als er mit acht Jahren in die Schneeberger Region zog, sei er "erst mal geplättet gewesen von dieser Bergbaulandschaft". Das war 1967, das Interesse am Bergbau habe ihn seither nicht mehr losgelassen. Seinen Job fand er allerdings in einem anderen Metier, er lernte Zerspanungsfacharbeiter, später absolvierte er ein Ingenieurstudium. "Ich bin also ein Nicht-Bergmann" sagt er und fügt lachend hinzu: "Diesen Ausdruck gibt es auch nur im Erzgebirge."


Das private Interesse kam aber dann doch in berufliche Bahnen: Ab 1995 baute Meinel im Zuge einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme das Museum Uranbergbau in Bad Schlema mit auf, seit dessen Eröffnung 1996 ist er dessen Leiter. Seit dem Jahr 2000 ist er zudem als Wanderleiter aktiv - denn ans Museum angeschlossen gibt es eine "Wanderzentrale", die Führungen und Wanderungen anbietet. Meinel ist also geradezu prädestiniert, die Teilnehmer der Sommer-Erlebnistour durch eines der ältesten Bergbaureviere Sachsens zu führen. Hier wurden beispielsweise ab 1456 das Metall Wismut und später Silber und Kobalt abgebaut. Die Gegend besticht durch eine Vielzahl an Relikten und Bauten des vergangenen Bergbaus und ist auch deshalb Bestandteil des Unesco Weltkulturerbes Montanregion Erzgebirge.

Der Bergbau hatte Folgen: Im 18./Anfang des 19. Jahrhunderts war die Region das bedeutende Industriezentrum Sachsens, erklärt Hermann Meinel. Glücklicherweise seien eine Unmenge historischer Gebäude erhalten geblieben. "Wir haben hier die am vollständigsten erhaltene Montanlandschaft Mitteleuropas." Und er fügt hinzu: "Das Schöne hier bei uns ist: Viele der Menschen sind sich dieser Bedeutung ihrer Häuser bewusst." Die große Dichte an historischer Bausubstanz ermögliche eine gute Vorstellung, wie unsere Vorfahren gelebt haben, erklärt er. Aber es sind nicht nur die Gebäude, die die Region prägen, sagt Meinel. "Fast 800 Jahre ununterbrochener Bergbau, das hatte natürlich auch massive Auswirkungen auf die Landschaft."

Es gebe tolle Geschichten zu erzählen, erklärt er und erwähnt den Meridianstein an der Fundgrube Gesellschaft. Der wurde 1838 von Prof. Julius Weisbach und Bergmechaniker Wilhelm Friedrich Lingke aufgestellt und markiert die astronomische Nord-/Südrichtung. Meinel: "Von dem aus wurde erstmals ein Grubenfeld mit einem Theodoliten ausgemessen." Auch das Denkmal der Knappschaftskapelle und die Fundgrube Daniel werden besucht.

"Wir laufen durch eine wunderschöne Landschaft, natürlich ,bergrein und -nauf'", erklärt der Wanderleiter, und auch die Hochebene am Filzteich und der Bergsee selbst fehle auf der Tour nicht. Der Filzteich sei eine der ersten Talsperren gewesen. Das Wasser des dahinterliegenden Hochmoores, des "Filz" - daher der Name, wurde Ende des 15. Jahrhunderts angestaut. Der Höhenunterschied hinunter nach Niederschlema wurde genutzt, um mit dem herabfließenden Wasser unter Tage mehr als 30 Wasserräder anzutreiben, erklärt Meinel. "Ja, das ist damals ein Hightech-Land gewesen hier", sagt er. Das Strandbad des Filzteichs sei angelegt worden, als das Radonbad in den 1930er-Jahren boomte. "Da wollte man des Gästen am Wochenende etwas bieten.

Am Rastplatz an der Fundgrube Wolfgangmaßen kann man sich stärken, Mitarbeiter des Kultur- und Freizeitzentrums Lugau (KFZ) werden wieder ihren Grill aufbauen und auch Getränke anbieten. KFZ-Mitarbeiter Michael Thümmler: "Die Leute von der Fundgrube werden uns sogar ein Bierzelt aufstellen." Thümmler steht diesmal allerdings nicht selbst am Grill, er wird die Wanderer begleiten. Haben die die Fundgrube Wolfgangmaßen erreicht, ist es nach der Rast nur noch ein kurzes Wegstück bis zum Ausgangspunkt der Rundwanderung.

Treffpunkt für die Wanderung ist am Sonntag, den 11. August, 10 Uhr auf dem Parkplatz an der Bushaltestelle Schneeberg-Wolfgangmaßen. Dort beginnt die etwa 10 Kilometer lange Rundtour auf einem Teilstück des Bergbaulehrpfades von Schneeberg. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Kostenbeitrag liegt bei 2 Euro (Kinder bis 12 Jahre frei). Hinweis: Die Wertbons für die Roster, die zur großen Rast angeboten werden, müssen aus organisatorischen Gründen am Start erworben werden.

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