Das ist das neue Logo für Hoheneck

2021 soll auf dem Areal Stalburc/Hoheneck eine Dauerausstellung zum Frauenzuchthaus eröffnen. Ideen dazu gibt es viele. Bis Sommer soll das vorhandene Konzept vertieft werden. Ein Signet ist in Zusammenarbeit mit ehemaligen Häftlingen bereits entstanden. Wie geht es nun weiter?

Stollberg.

"Wichtig ist, dass sich die Frauen in dem, was entsteht, wiederfinden", betont Carla Ottmann. Sie ist die stellvertretende Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) und war gemeinsam mit ihrer Vorstandskollegin Konstanze Helber zu Gast bei Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt. Es ging in dem Gespräch um die Gedenkstätte Frauenzuchthaus Hoheneck - mit dieser Bezeichnung wird die Stadt nun offiziell arbeiten - und wie ehemals dort inhaftierte Frauen in die weiteren Arbeiten eingebunden werden können. "Freie Presse" war bei Teilen des Gespräches dabei und skizziert einige Themen.

Der Beirat: Das neue Gremium wird eine beratende Funktion haben. "Wir wollen über den Beirat auch einen dauerhaften Kontakt zu den Frauen etablieren", erklärt Schmidt. Dazu gehören werden Vertreterinnen ehemals inhaftierter Frauen aus verschiedenen Epochen sowie Politiker der im Rat sitzenden Fraktionen. Auch Objektleiterin und Gedenkstättenbeauftragte Bianca Eichhorn wird einen Sitz bekommen. Zudem sollen die Denkmalschutzbehörde und der Historiker Sebastian Lindner von der Stasiunterlagenbehörde ins Boot geholt werden. Er promoviert zurzeit über Hoheneck.

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Das Signet: Das Logo ist in Zusammenarbeit mit ehemaligen Häftlingen entstanden (Foto). Die Mediendesignerin Marie Hennig von Mitolda in Niederwürschnitz hat dabei die Empfindungen der Frauen eingefangen. Eine traurig, aber nicht hoffnungslos anmutende Silhouette blickt in Richtung von Vögeln, die den Weg in die Freiheit symbolisieren sollen. Einer fliegt dabei rechts aus dem Kreis heraus. Das junge Frauengesicht ist auf der grau-schwarzen Seite hinter Stacheldraht umgesetzt und blickt auf die farbige Seite. "Gerade der Stacheldraht war den Frauen als Symbol für Gefangenschaft wichtig", sagt Eichhorn. Ebenso das Wort "Zuchthaus" im Schriftzug. "Als solches haben wir es empfunden", sagt Konstanze Helber. "Hoheneck war ein Ort, wo Zucht und Ordnung herrschte und die Häftlinge umerzogen werden sollten." Turm und Tor des Gefängnisses Hoheneck stellen den lokalen Bezug her. Die Farbgebung des Tores orientiert sich am Originalzugang. Unterlegt ist das Logo mit zwei Zeilen Schrift. In gefetteten Buchstaben steht "Gedenkstätte" und schlank darunter "Freuenzuchthaus Hoheneck". "Mit diesem Signet werden wir die Gedenkstätte vermarkten. Das zweite Logo für das gesamte Areal wird nachgeordnet sein", sagt Eichhorn. Mit dem Signet unterscheide man sich von den Logos anderer Gedenkstätten. Das soll helfen, speziell auch die jüngere Generation anzusprechen.

Die Gedenkstätte: Der Zellentrakt als bestehende Gedenkstätte wird um eine Dauerausstellung unterhalb des Theaterpädagogischen Zentrums ergänzt. Dort werden auf 600 bis 700 Quadratmetern verschiedene Themenbereiche präsentiert. Die Teile des ehemaligen Frauengefängnisses, die nicht mehr im Originalzustand sind, könnten mit einem virtuellen Rundgang integriert werden. "Ich bin froh, dass die Phänomenia hier ein Zuhause gefunden hat", sagt Konstanze Helber. Die Mitmachausstellung locke Besucher an, die für die Gedenkstätte interessiert werden könnten.

Die Ausstellung: "Wie genau wir die Ausstellung umsetzen, das erarbeiten wir derzeit gemeinsam mit Historikern, Museumspädagogen und betroffenen Frauen", sagt Eichhorn. Zudem kooperiere sie mit Vertretern anderer Gedenkstätten. Schon bald wird es eine virtuelle Ausstellung der Mobydok-Medienproduktion geben. "Das sind die Macher des mehrfach preisgekrönten, animierten Kurzfilmes 'Kaputt', der die Haftbedingungen in Hoheneck thematisiert hat", sagt Eichhorn. In der neuen Produktion werden 360-Grad-Aufnahmen zu sehen sein, die fünf Biografien illustrieren. "Den Rundgang werden wir demnächst auf unserer Internetseite verlinken. Sicher kann die Arbeit auch in die Ausstellung einfließen", sagt Eichhorn. Sie kann sich vorstellen, eine Wanderausstellung für Schulen zu konzipieren. "Ähnlich wie die 'Gesichter des Kassberggefängnisses' könnten wir einige Biografien dokumentieren", sagt Eichhorn.

Der Zeitplan: Die Dauerausstellung soll 2021 eröffnet werden. Bis zum Sommer muss ein vertieftes Konzept beim Freistaat eingereicht werden, damit dieser Fördergelder beim Bund beantragen kann. Ab Juni wird der Zellentrakt für Führungen vorerst geschlossen. Im Übergang zum Theater wird ein zusätzliches Fluchttreppenhaus entstehen. "Ziel ist es, wenigstens Teile des Zellentrakts so schnell wie möglich wieder präsentieren zu können", sagt Eichhorn.

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