Das Warten auf den Garten: Bald auch auf dem Land?

Wer ein Stück Grün will, muss sich in Städten lange anstellen. Manche weichen auf das Land aus. Nur, ist dies ein Trend und kommt er schon in der Region an? Immerhin: jede Sparte hat freie Gärten. Reicht das?

Jahnsdorf.

Liselotte hatte entschieden. Sie wälzte sich auf dem Rücken, ganz glücklich. "Da wusste ich auch endgültig: Dieser Garten passt." Das war 2016. Daniela Schleich streichelt Liselotte, ihren Hund. Heute schaut sie auf ihr terrassenförmiges Stück Glück, 370 Quadratmeter, am Jahnsdorfer Sonnenberg. Das Freibad ist um die Ecke, die Erzgebirgsbahn auch. "Ich hatte damals über Ebay gesucht. Vor allem auf dem Land: endlose Listen von Angeboten."

Zusammen mit einer Freundin hat die 40-Jährige nun ihren Garten, weit weg der Großstadt. Spießig sei das Schreberleben nicht. "Es ist ein Trend, auch im Bekanntenkreis. Zurück zu den Wurzeln, selbst anbauen, ein gesunder Mix aus Erholung und Arbeit", sagt Schleich. Sie war bis vor kurzem noch das Küken in der Sparte, doch nun habe ein ganz junger Mann eine Parzelle gepachtet. "Geht doch", so die Fotografin.

Doch sind junge Leute wie Daniela Schleich, die aufs Land kommen, Ausnahme oder Trend? "Jein", sagt Lutz Günther, Chef der Kleingartenanlage Hasenpark in Thalheim. In seiner Sparte gibt es derzeit 78 Gärten, jeder zehnte steht leer. "54 Jahre ist der Altersdurchschnitt, aber darunter sind auch etwa ein Dutzend junge Leute, unter 40 Jahre. Ob das ein Trend ist, ich weiß es nicht", so Günther. Gut sei: Oft bringen diese Leute ihre Kinder mit. "Familien sind bei uns gern gesehen." Es gibt sogar eine tschetschenische Migrantenfamilie - Vater, Mutter, vier Kinder. "Die waren schon in ihrer Heimat Bauern. Sie machen ihre Sache gut." Denn in der Sparte dürfe nicht nur Sonnenbaden und Kinderspielen angesagt sein. Laut Bundeskleingartengesetz muss ein Drittel der Flächen bewirtschaftet werden. "Daran halten sich alle, jung wie alt."

Günther hat eine genaue statistische Übersicht seiner Sparte, weil diese am Sonntag ihr 90-jähriges Bestehen feiert. Wie sich die Altersstruktur in den Kleingärten der Region generell darstellt, darüber gibt es keine aktuelle Erfassung. Das sagt der Kreis-Kleingartenverband Aue Stollberg. Die letzten flächendeckenden Daten über das Kleingartenwesen stammen von 2004, wurden damals vom Freistaat gefördert.

Sicher ist: Etwa 14.400 Kleingärten stehen in Sachsen leer. Das ergab eine jüngste Umfrage des MDR-Magazins "exakt" unter den Gartenverbänden. Vor allem im ländlichen Raum finden sich immer seltener Pächter für Kleingärten. In den mitteldeutschen Großstädten lautet der Trend hingegen: Warten auf den Garten. Laut den Kleingarten-Stadtverbänden beträgt die Wartezeit für Gärten in Erfurt zwischen zwei und drei Jahren. In Halle warten Interessenten im Schnitt ein bis zwei Jahre, in Dresden zwei Monate bis ein Jahr.

Denn gerade für Familien in den Städten werden Gärten immer attraktiver. Doch wer dort nicht fündig wird, weicht auf das Land aus. Wenn das Land denn in der Nähe ist. "Ich fahre elf Kilometer vom Chemnitzer Kaßberg nach Jahnsdorf. Raus aus der Stadt. Das passt", sagt Daniela Schleich. "Zudem wird hier nicht das Maßband angelegt." Will sagen: Ihr Garten ist kein Paradies für Unkräuter, aber wohl auch keine Vorzeigeparzelle für Landesgartschauen. Trotzdem: Sie will nicht nur ein paar Tomaten anbauen und sich sonst faul erholen, sondern einbringen. Das Stichwort: Fachberater für allerlei Fragen rund ums Gärtnern, auch und vor allem in ökologischen Fragen. Wenn es einen solchen Berater gibt, hat eine Gartensparte einen Standortvorteil - auch auf dem Land. Denn der Trend bei Neuinteressenten ist auch: Mehr Ökologie.

Das weiß auch der Freistaat. "Etwa 30 dieser Gartenfachberater, sogenannter Kreisfachberater, werden bei uns im Jahr ausgebildet", sagt Knut Strothmann. Er ist Referent Gartenbau im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. In Pillnitz steht die zuständige Gartenakademie. Strothmann: "Seit 1995 werden dort - gefördert vom Land - Fachberater für 202.000 Mitglieder des Kleingarten-Landesverbandes ausgebildet. Das ist gesetzlich nicht Pflicht, wird den Vereinen aber dringend empfohlen."

Dieses Jahr wird es Daniela Schleich nicht mehr schaffen, ihre Ausbildung in Pillnitz zu machen. Aber 2019. Wenn schon Garten, dann richtig Garten, sagt sie. "Denn sie hat schon gelernt: Es gibt Regeln. "Etwa, dass Nadelhölzer in Gärten tabu sind." Warum? "Weil sie Krankheiten wie etwa Birnenrost übertragen." Dies und noch viel mehr möchte sie gerne lernen.

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